Ski alpin | Vier Oberwalliser sind aus dem Swiss-Ski-Kader geflogen. Aufgeben? Eine Geschichte über optimistische Verlierer

Streben nach dem grossen Drama

Dario Walpen, Alain Zurbriggen, Dionys Kippel und Lars Kuonen (von links) geben trotz dem Ausscheiden aus den Swiss-Ski-Kadern nicht auf.
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Dario Walpen, Alain Zurbriggen, Dionys Kippel und Lars Kuonen (von links) geben trotz dem Ausscheiden aus den Swiss-Ski-Kadern nicht auf.
Foto: MENGIS MEDIA/ANDREA SOLTERMANN

Quelle: WB /rlr 0

Vielleicht denken sie in ihren Tagträumen oder Nächten an Cédric Noger. Sie, das sind die vier Oberwalliser Skirennfahrer Alain Zurbriggen aus Zermatt, Lars Kuonen aus Termen, Dionys Kippel aus Leuk und Dario Walpen aus Fiesch.

Sie alle sind vor langer Zeit hoffnungsvoll und leidenschaftlich in ein Sportlerleben gestartet, eines, das ihnen zwar viele freudige Momente, beflügelnde Träume und Hochgefühle beschert hat, aber mehrheitlich eben doch Rückschläge, Schonungslosigkeit, Verletzungen, feine Demütigungen und gefühlte Ungerechtigkeiten. Die Namen dieses Oberwalliser Skirennfahrer-Quartetts sind in den Kaderlisten von Swiss-Ski nicht mehr zu finden, die jungen Männer wurden ausgemustert, weil die Leistungen bis heute nicht genügt hatten.

Gescheitert? Das Wort wollen sie nicht hören, denn die Geschichte ist für sie noch nicht zu Ende. Sie denken, dass sie ihr Maximum noch nicht ausgereizt haben. Sie wollen es nicht eines Tages bereuen, nicht alles versucht zu haben.

Schicksalsgemeinschaft

Genau hier beginnt ihr interessanter Parcours. Die vier haben sich dazu entschlossen, den Durchbruch auf eigene Faust zu versuchen und es auf privatem Weg wieder ins Kader zu schaffen. Sie haben sich zu einer Schicksalsgemeinschaft zusammengetan, einen fixen Trainer haben sie nicht mehr. Immerhin, nicht alleine zu sein, ist ihr Glück. Walpen etwa sagt: «Ich bin nicht sicher, ob ich es alleine tun würde.» Jeder hat seinen Mentor oder Servicemann, oft einer aus der eigenen Familie. Sie feuern sich gegenseitig an, sie freuen sich für den anderen, sie konkurrenzieren sich. Und sie sagen: «Was man dem anderen gibt, bekommt man zurück.»

Sie halten bloss ein Zipfelchen in der Hand, aber sie glauben fest an sich, sie folgen hartnäckig ihrer Passion und ihren Träumen.

Im Grunde genommen erzählen die vier eine Geschichte über optimistische Verlierer. Und das in einem Geschäft, das vorwiegend Platz und Aufmerksamkeit parat hält für glanzvolle Sieger und grosse Dramen. Zurbriggen, Kippel, Walpen und Kuonen stehen hier für so viele, zumindest vorerst gescheiterte Versuche, als Spitzensportlerin oder -sportler zu enden. Auch für viele, die es sich trotz Leidenschaft und ebensolchem Talent finanziell nicht leisten können, den beschwerlichen Weg privat zu gehen. Denn ohne die Unterstützung der Familie geht gar nichts.

Wer im Kader ist, für den ist gesorgt. Reise, Hotel, Trainer, Servicemann, Natelrechnung, Rennanmeldungen, Trainingsplan – alles weitgehend übernommen. Wer nicht im Kader fährt, der muss alles selbst organisieren, sogar Stangen oder Funk. Kuonen, Zurbriggen und Kippel weilten beispielsweise zwei Monate in Argentinien am Kontinentalcup Südamerika, dem Pendant zum Europacup. Sie schlossen sich dort einem professionellen französischen Privatteam an. Für Kuonen zumindest wurde es zu einem ersten kleinen Durchbruch (siehe unten).

Sollte es dennoch keiner bis an die Spitze schaffen, so dürfen sie zumindest stolz sein über ihren hohen Einsatz. Sollte es aber klappen, dann schrieben sie doch noch das grosse Drama mit aufregendem Ende.

Der Ostschweizer Cédric Noger fand mit 20 Jahren keinen Anschluss mehr an ein Swiss-Ski-Kader. Er kam wieder rein in die Verbandsausbildung, dann flog er wieder raus. Ein privates Trainings- und Rennjahr kostete ihn 40 000 Franken. Noger suchte auch Sponsoren für eine 4000 Franken teure Schleifmaschine, weil die von Hand geschliffenen Skikanten nicht griffig genug waren. Im letzten März wurde der mittlerweile 27-Jährige beim Weltcup-Riesenslalom von Kranjska Gora Vierter. Noger ist eine Ausnahme.

Roman Lareida

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