Interview | Peter Schröcksnadel glaubt an das Potential von Saas-Fee

«Sonst wären wir hier nicht eingestiegen»

Erfahrener Touristiker. Peter Schröcksnadel: «Wir haben etliche Skigebiete übernommen, und heute sind alle im Plus.»
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Erfahrener Touristiker. Peter Schröcksnadel: «Wir haben etliche Skigebiete übernommen, und heute sind alle im Plus.»
Foto: WB / Andrea Soltermann

Quelle: 1815.ch /mk 0

Mit der Schröcksnadel-Gruppe haben die Saastal Bergbahnen einen ­vielversprechenden Investor an Land ­ziehen können. Im Hotel Dom sprach der WB mit Peter Schröcksnadel, Chef der Schröcksnadel-Gruppe, über seine Pläne für das Gletscherdorf.

Peter Schröcksnadel, die Wintersaison 2018/19 steht vor der Tür. Sind Sie ­optimistisch?

«Ja, es läuft gut an. Wir sind jetzt schon etwas vorn mit den Zahlen, auch mit den Umsätzen bei der Bahn. Wir sind grundsätzlich optimistische Leute. Sonst wären wir hier nicht eingestiegen.»

Das Ziel des dritten Hammerdeals von 66 666 Abos zu je 255 Franken wurde deutlich ­verfehlt. Ist ein weiterer Verlust vorprogrammiert?

«Letztlich sind es nur 45 000 Abos geworden. Ich glaub aber nicht, dass deshalb zwangsläufig ein Verlust rauskommen muss. Der Verlust von 2017/18 hatte mehrere Ursachen. Der letzte Winter war schlecht. Es gab sehr viel Schnee. Man kam nicht in die Pisten rein. Die Frequenzen waren schlecht. Für Gletscher ist es immer schlecht, wenns viel Schnee hat. Dann hat es rundherum auch Schnee, und die Leute fahren nicht mehr so weit. Und wenn auf dem Gletscher das Wetter schlecht ist, gehst da nicht rauf. Wenns aber eine normale Wettersituation gibt, dann glaube ich schon, dass das Ergebnis positiv sein kann.»

Kritiker haben von Anfang an vor dieser Dumping-Strategie gewarnt. Inzwischen sind beide Bahnen im Saastal ein Sanierungsfall. Wird der Hammerdeal nach ­Ablauf der Verträge beerdigt?

«Man muss das genau anschauen. Möglicherweise gibt es Lösungen, damit man mit dem Hammer­deal nicht aufhört, aber ihn abändert. Mir gefällt es auch nicht, wenn man zu billig verkauft. Aber möglicherweise gibt es
andere Lösungen mit anderen Bahnen zusammen. Wir müssen eine Lösung finden, die für alle eine bessere Option ist. Es ist auch für die anderen Seilbahnen nicht so gut, wenn man solche Dumpingpreise macht. Die müssen dann auch mit dem Preis runter. Das führt zu einer Abwärtsspirale, und da wollen wir eigentlich nicht hin. Wir wollen keinen Verdrängungsmarkt, sondern dass die Leute kommen, weil sie Spass haben und für das Geld, das sie ausgeben, eine Leistung bekommen.»

Wie viel müssten die Saastal Bergbahnen investieren, um wieder auf dem Stand zu sein, auf dem sie sein sollten?

«Das können wir jetzt nicht sagen. Mein Sohn Markus ist operativ tätig, und ich bin der Haupteigentümer der ganzen Schröcksnadel-Gruppe. Was wir nicht machen, ist so evaluieren wie die grossen Konzerne. Da wird alles nach rein sachlichen Kriterien gemacht, ohne Emotionen. Wir schauen uns jetzt das mal an. Und wir wollen nicht alles besser wissen.»

Ihr erster Eindruck von Saas-Fee?

«Was mir zum Beispiel auffällt: Es hat für den Gast oft keinen Komfort. Der muss weit zu Fuss gehen. Man behindert die Gäste irgendwie und nimmt ihnen dadurch schon etwas Freude. Das muss man genau anschauen und schneller angehen als andere Sachen. Ich weiss, dass die Bahn bis zum Parkhaus damals verhindert wurde. Das ist schon ein Thema.»

Anlagen wie die Metro Alpin sind total ­veraltet und müssen bald erneuert werden.

«Das wird schon kommen. Aber im Moment haben wir die Leitfahnen wesentlich im Schnee. Das ist das Wichtigste. Auch wenn eine Bahn etwas älter ist, wenn sie sauber ist, ist das nicht das grosse Problem. Sie sollte aber behindertengerecht sein, was heute nicht überall der Fall ist.»

Also werden Sie nicht alles auf den Kopf stellen?

«Man muss nicht von heute auf morgen alles verändern. Man muss optimieren und schauen, wo wirklich Bedarf ist. Denn Fehlinvestitionen sind schnell gemacht. Und sehr viele Skigebiete haben Fehler gemacht. Wir haben etliche übernommen, und heute sind alle im Plus.»

Woran liegt das?

«Man muss dort investieren, wo etwas zurückkommt. Und das muss man knallhart machen. Man braucht zum Beispiel nicht überall Garagen zu bauen. Da sind dann zwar die Geräte schön untergebracht. Aber da kommt nichts zurück. Und das kostet Millionen. Da muss man aufpassen.»

Markus Hasler, CEO der Zermatt Bergbahnen, sagte kürzlich in einem Interview, dass man hinter die 12 Millionen, die Sie jetzt in die Saastal Bahnen gesteckt hätten, noch eine Null hintendran stellen müsste.

«Das stimmt schon. Er hat sie ja, die Null. Aber die haben das auch nicht immer gehabt. Es macht für mich keinen Sinn, da jetzt eine Null hintendran zu stellen. Dann hat man so viele Abschreibungen und ist gleich wieder im Verlust. Das bringts nicht. Sondern man muss das schrittweise angehen und schauen, dass man mal Leute herbringt, die zufrieden sind, und sich dann überlegen, was man für die noch mehr machen kann. Fahren tut man im Schnee, ob die Bahnen etwas älter sind oder nicht, ist nicht primär. Was es braucht, ist Service und freundliche Leute in den Stationen. Das kostet nicht viel Geld.»

Also planen Sie keine grösseren ­Investitionen?

«Man wird natürlich in Zukunft Geld investieren müssen, keine Frage. Aber jetzt muss man erst mal schauen, dass das, was man hat, optimiert wird. Denn wenn man zu viel investiert und die Nachfrage nicht besteht, ist man eh wieder im Verlust.»

Heute ist es doch so: In Visp steigen die Gäste aus. 30 gehen auf die Bahn nach ­Zermatt und einer geht nach Saas-Fee.

«Der Geschäftsführer der Zermatt Bergbahnen hat dann vielleicht keine Freude, wenn künftig drei nach Saas-Fee gehen. (lacht) Aber wie gesagt, wir wollen keinen Verdrängungswettbewerb, sondern über Qualität auf Dauer bestehen.»

Welche Pläne haben Sie für die Hannigbahn?

«Noch gar keine. Das muss man noch besprechen. Die Frage ist: Kann man die Bahn rentabel führen? Wenn man sie neu baut, was bringt sie? Umsatz, kein Umsatz? Ich bin grundsätzlich dagegen, dass man dort investiert, wo nichts zurückkommt. Bei der Hannigbahn wissen wir das noch nicht genau. Das muss man alles prüfen.»

Sonnig gelegen sind auch die Bergbahnen Hohsaas, die sich zurzeit in Nachlassstundung befinden. Angeblich hat diesen Mittwoch ein Treffen zwischen Ihnen und der Gemeinde Saas-Grund (Hauptaktionärin) stattgefunden. Haben Sie über eine Fusion der Bergbahnen diskutiert?

«Nein. Bei diesem Treffen war mein Sohn Markus dabei. Der Gemeindepräsident von Saas-Grund hatte Angst, dass die Kooperation mit uns nicht weiterläuft und wollte sich da absichern. Wir werden die Zusammenarbeit sicher nicht aufkündigen. Die wirds auch weiterhin geben. Eine Fusion ist dann ein anderes Thema.»

Für die stark angeschlagenen Bergbahnen Hohsaas sind Sie vielleicht der letzte Strohhalm. Der Gemeindepräsident von Saas-Grund zeigt sich inzwischen offen für eine Fusion. Und Sie?

«Das kann ich noch nicht sagen. Wir wollen erst mal ein Gefühl entwickeln. Was ist gut, was schlecht? Was meint die Bevölkerung, was die Hotellerie? Wir müssen mit allen Leuten reden. Wir können nicht irgendetwas implantieren und dann sind alle dagegen. Das wollen wir nicht. Wir wollen auch noch in zehn Jahren durch die Strassen gehen dürfen.»

Zurück zu den Saastal Bergbahnen: Nach dem Kapitalschnitt und der Zeichnung von 6,2 Mio. an neuen Aktien gehören Ihnen jetzt 29,4 Prozent der STB. Edmond Offermann hat noch 22,7 und die Gemeinde noch 21,5 Prozent. Haben Sie mit Offermann schon ausgemacht, wann Sie seine Anteile übernehmen werden?

«Nein, noch nicht. Aber wir haben dafür zwei Jahre Zeit. Es ist ja offiziell, dass wir das übernehmen können. Das wurde so abgestimmt.»

Die Schröcksnadel-Gruppe hält in fast ­allen Skigebieten und Tourismusunter­nehmungen, bei denen sie beteiligt ist, die Aktienmehrheit. Können Ihren Erfahrungen nach Bergbahnen so erfolgreicher ­geführt werden?

«Es gibt ein Skigebiet, Hochficht bei Linz, bei dem wir nur 50 Prozent haben. Ich wollte damals zuerst nicht, ohne die Mehrheit zu haben. Doch der andere Partner war ein Stift, also die Kirche. Ich sagte mir dann: Die denken in Jahrhunderten. Also ist das gescheit. Mit denen kannst du das machen.»

Hochficht blieb aber die Ausnahme. Sonst streben Sie stets die Aktienmehrheit an.

«Man muss schon auf das Geschäft Einfluss nehmen können. Klar, du kannst allein genauso Fehler machen. Aber dann kann man auch zu den Fehlern stehen. Wichtig ist, dass der Hauptaktionär zu 100 Prozent hinter dem Geschäftsführer steht. Sonst geht das immer hin und her und die ganze Energie verloren.»

Apropos Geschäftsführer: Konnten Sie schon einen Nachfolger für Rainer Flaig finden?

«Wir besprechen das noch.»

Nach der Übernahme von Offermanns ­Aktien hätten Sie nebst der Aktienmehrheit auch drei von fünf Stimmen im Verwaltungsrat. In der Folge fürchten manche, dass die Gemeinde künftig nichts mehr zu sagen hat.

«Na, wir wollen die Gemeinde immer einbinden. Die Gemeinde ist da, hat den Boden. Da kann man nicht gegen sie regieren. Das Ziel haben wir nicht.»

Macht es Sinn, dass alle Bahnen während der gesamten Saison betrieben werden?

«Wir müssen schauen, welche Auslastung wir bei welcher Bahn haben. Klar, macht es keinen Sinn, dass immer alle Bahnen in Betrieb sind. Das machen wir bei anderen Bahnen auch nicht. Wenn die Saison ausläuft und nicht mehr viele Gäste auf der Piste sind, muss man sich schon überlegen, den Betrieb zu reduzieren. Aber hier wissen wir das noch nicht. Wir wollen jetzt lernen und spüren. Ich bin ein sehr feinfühliger Mensch. Wir kommen nicht hierher und sagen, das und das muss sein.»

Ein Blick in die Kristallkugel: Wo stehen die Saastal Bergbahnen in fünf Jahren?

«In einem Skigebiet kann man nicht erwarten, von heute auf morgen Geld zu verdienen. Das geht nur langsam. Für das schnelle Geld muss man in andere Geschäfte gehen. Mit Skigebieten geht das nicht. Doch, wenn man es gut macht, kann auch da etwas rausschauen.»

Als Investor wollen Sie möglichst rasch in die Gewinnzone zurück.

«Wer nicht an etwas glaubt, wird nie etwas erreichen. Saas-Fee und das Saastal sind eine der schönsten Gegenden der Welt. Warum sollte das nicht gehen? Sicher, Zermatt hat noch das Matterhorn. Das haben wir nicht. Aber wir können sicher gut vom Tourismus leben, ohne Zermatt etwas wegzunehmen. Wir können viel Nachfrage schaffen, denn so viele schöne Gegenden gibt es auf der Welt gar nicht.»

Zermatt und Saastal als eine grosse ­Destination?

«Man sagt, die Zermatter schauen nicht nach Norden. Aber wir schauen gerne nach Süden, auch wenn ich gar nicht beurteilen kann, ob da eine günstige Verbindung überhaupt möglich wäre.»

Nicht zuletzt engagieren Sie sich auch für Grossveranstaltungen. Wann findet die Ski-WM in Saas-Fee statt?

«Wahrscheinlich bin ich dann schon lange nicht mehr Präsident des Österreichischen Skiverbands.» (lacht) «Es gibt ja immer vier Jahre Vorlaufzeit, und den Austragungsort schlägt jeweils der Nationale Skiverband vor. Darauf habe ich in der Schweiz keinen Einfluss.»

Interview: Martin Kalbermatten

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Infos

Die Schröcksnadel-Gruppe

Peter Schröcksnadel (geboren am 30. Juli 1941 in Innsbruck) ist ein österreichischer Unternehmer und seit 1990 Präsident des Österreichischen Skiverbands (ÖSV). Von 2009 bis 2012 war er Präsident der European Ski Federation (ESF). Ferner war er Vizepräsident des ÖOC (Österreichisches Olympisches Comité).

Neben seiner Tätigkeit als ÖSV-Präsident ist Peter Schröcksnadel Geschäftsführer von vier Tochtergesellschaften des ÖSV, namentlich Austria Skiteam Handels und Beteiligungs GmbH, Austria Ski Nordic Veranstaltungs GmbH, Austria Ski WM und Grossveranstaltungs GmbH und Austria Ski Veranstaltungs GmbH. Die Firmen gehören zu den wichtigsten Veranstaltern von Grossereignissen und anderen Wintertourismusevents in Österreich.

Des Weiteren ist Peter Schröcksnadel ­Geschäftsführer der Sitour Management GmbH. Das heute weltweit tätige Unternehmen beschäftigt in Österreich 30 Mitarbeiter und ist in mehreren Ländern Europas, den USA und Japan vertreten. Das Unternehmen ist heute in der Gruppe der Feratel untergebracht. Die Feratel Media Technologies GmbH in Innsbruck ist heute einer der führenden internationalen Entwickler und Anbieter touristischer Informationssysteme (Panoramafernsehen, Hotelcards, Infoterminals, Buchungslösungen u. a.). Diese Firma hat ebenfalls einige internationale Niederlassungen und betreibt Webcams in über einem Dutzend europäischen Ländern und den USA. Weiter gehören dazu 30 Prozent an der Schweizer Firma Intermaps, dem führenden Anbieter von Apps zum Thema Tourismus im Alpenraum.

Peter Schröcksnadels Sohn Markus Schröcks­nadel, welchen er als seinen Nachfolger aufbaut (SM Holding GmbH in Rum), ist wiederum Geschäftsführer der Vereinigten Bergbahnen GmbH, welche ebenfalls in 100-prozentigem Besitz der Familie steht. Zur Familiengruppe gehören auch die SV Beteiligungs GmbH und VB-HIWU Beteiligungs GmbH in Innsbruck (Beteiligungen in der Tourismusinfrastruktur).

Die Sitour Management und Vereinigte Bergbahnen halten etliche Skigebiete und Tourismusunternehmen. Einige davon: 80 Prozent an der Grossglockner Bergbahnen Touristik GmbH, 50 Prozent an der Grossglockner Hotel und Infrastruktur GmbH (GBT Ski-Holding GmbH in Heiligenblut), 100 Prozent an der Patscherkofelbahnen GmbH (1996–2014), 100 Prozent an der Ötscherlift GmbH & Co KG, 99 Prozent an der Unterberghornbahnen Kössen GmbH & Co KG, 53 Prozent an der Hinterstoder-Wurzeralm Bergbahnen AG, 50 Prozent an der Hochficht Bergbahnen GmbH,
51 Prozent der Hochkar Bergbahnen GmbH, 60 Prozent an der Kasberg-Bahnen HWB Betriebs GmbH und jüngst 29,4 Prozent an den Saastal Bergbahnen.

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