Gewerbe | Versteigerung der Produktionshalle der in Konkurs gegangenen Kasperskian AG
Nach nur 30 Sekunden war die Auktion vorbei
Gemeindepräsident Martin Lötscher (links) gratuliert dem Käufer, Georg O. Herriger, VR-Präsident der Swifish AG.
Foto: mengis media / Alain Amherd
Rund 30 Millionen Franken haben Investoren in den Aufbau der Kasperskian AG gesteckt. Nach dem Konkurs kam die Produktionshalle gestern für 2,7 Millionen unter den Hammer – ersteigert von der Swifish Aquafarm AG, die vor Ort eine Zanderaufzucht aufbauen will.
Die Versteigerung der Produktionshalle der in Konkurs gegangenen Kasperskian AG im Restaurant Relais Bayard in Susten war eine überaus kurze Angelegenheit. Nachdem der Konkursverwalter Marc Laug ein paar Hintergründe genannt und das Prozedere erklärt hatte, machte eine Vertreterin der Credit Suisse mit 2,675 Millionen Franken den Start. Georg Otto Herringer überbot mit 2,7 Millionen Franken. Laug betete die Standardsätze «2,7 Millionen zum Ersten, 2,7 Millionen zum Zweiten, 2,7 Millionen zum Dritten» herunter – und nicht einmal 30 Sekunden nach der Eröffnung der Auktion ging der Zuschlag an die Firma Swifish Aquafarm AG, vertreten durch deren Verwaltungsratspräsidenten Georg Otto Herringer. Die richtige Arbeit wurde bereits im Vorfeld geleistet.
Die Gründung der Swifish Aquafarm AG ging am 6. Februar 2020 über die Bühne. Mit dem Ableger der Swifish AG, die Zanderbesatz für Indoor-Fischzuchten liefert, will man die Gunst der Stunde nutzen, um auch in die Zanderaufzucht einzusteigen – und so die Wertschöpfungskette auszubauen.
Gemeinde leistete wichtigen Beitrag
Dass diese Folgenutzung überhaupt zustande kommen könne, sei zu einem grossen Teil der Gemeinde Leuk zu verdanken, führt Laug anfangs aus. Eine entscheidende Grundlage dafür wurde an der Urversammlung vom 9. Dezember 2019 gelegt. Damals hiess die Bevölkerung einen Kreditantrag für die Erschliessung der Industriezone Leukerfeld mit Brauchwasser gut. Im Gegensatz zur Kaviar-Produktion ist man bei der Fischzucht auf grössere Wassermengen angewiesen. Voraussichtlicher Kostenpunkt des Wasseranschlusses: 1,05 Millionen Franken.
Wegen der niederen Deckenhöhe der Produktionshalle sind die Möglichkeiten zur Umnutzung beschränkt, aufgrund der Installationen wie den vorhandenen Fischbecken wäre sie zudem mit enormen Umbaukosten verbunden. Dies erklärt, warum die Interessenten in Susten nicht Schlange standen. Und die Swifish Aquafarm AG ein Schnäppchen machen konnte. «Das ist natürlich ein günstiger Kaufpreis», gibt der erfreute Herringer gegenüber dem WB zu.
Gerade auch, wenn man die Relationen betrachtet. Eine Gruppe von Investoren rund um den ehemaligen Nestlé-Chef Peter Brabeck-Lemathe steckte 2014 und 2015 30 Millionen Franken in die Firma, um im Oberwallis auf nachhaltige Weise Kaviar herzustellen. Die Erwartungshaltung war enorm. Die Geschäftszahlen blieben jedoch bekanntermassen weit hinter den Zielen zurück, sodass im Frühjahr 2019 schliesslich die Liquidation eingeleitet werden musste.
Die beiden grössten Gläubiger der Kasperskian AG sind das Bürgschafts- und Finanzzentrum des Kantons Wallis (CCF) mit einem Schuldbrief über eine Million Franken sowie die Credit Suisse (CS) mit einem Schuldbrief über 7,5 Millionen Franken. Entsprechend war die Bank selbst mit einer Vertreterin vor Ort.
Die 2,7 Millionen Franken werden nun gemäss der im Kollokationsplan festgelegten Rangordnung an die Gläubiger verteilt.
Erste Fische in einem Jahr
Die Swifish Aquafarm AG will die Anlage so schnell wie möglich umbauen. «Wie viel wir hierfür investieren müssen, ist derzeit noch ungewiss», sagt Herringer. Neben der Aufzucht sollen die Zander auch vor Ort verarbeitet werden. Der VR-Präsident will bereits in einem Jahr die ersten (geräucherten) Zanderfilets anbieten können. «Läuft alles nach Plan, rechnen wir mit einer jährlichen Produktionsmenge von 200 Tonnen», führt er aus. Die Besatztiere liefert die Swifish AG aus Lyss. Die beiden Unternehmen würden sich durch ihre nachhaltige Produktion von ihren Kontrahenten abheben. Für den Betrieb der Anlage sollen zwischen zehn und 15 Arbeitskräfte angestellt werden.
Die Produktionshalle im Leukerfeld wurde im Baurecht erstellt. Eigentümerin der Parzelle ist die Burgergemeinde, die sich nun auch wieder über Zinseinnahmen aus dem Baurechtsvertrag, der mit der Ersteigerung an den Käufer übergeht, freuen darf.
Martin Schmidt








Artikel
Kommentare
Noch kein Kommentar