Wahlen | Alle Zahlen gesagt: Zum Wahlsystem der Nationalratswahlen

Warum der Vergleich mit dem Grossen Rat hinkt

Grégoire Nicollier. Der Mathe-Professor (HES-SO) erwägt hier verschiedene Szenarien für den 20. Oktober
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Grégoire Nicollier. Der Mathe-Professor (HES-SO) erwägt hier verschiedene Szenarien für den 20. Oktober
Foto: Le Nouvelliste/Sacha Bittel

Quelle: 1815.ch 0

Der Mathe-Professor Grégoire Nicollier (HES-SO) mit dem arithmetischen Blick auf die Wahlen.

Derzeit wird in den Medien und in den Bistros viel über die kommenden Wahlen debattiert. Und dabei oft auf die Grossratswahlen von 2017 verwiesen. Diese, so die gängige Meinung, würden weit weniger weit zurückliegen als die vergangenen Nationalratswahlen 2015. Und sich deshalb in Hinblick auf die kommenden Wahlen auch besser für Prognosen eignen. Sie ahnen es schon? Genau: Dem ist aus mathematischer Sicht nicht so. Der Vergleich hinkt.

Für die Grossratswahlen 2017 wechselte das Wallis nämlich zum ersten Mal zum System des Doppelproporz (wie übrigens schon sieben andere Kantone zuvor). Ein Urteil des Bundesgerichts war hierfür nötig. Entsprechend werden seit den Grossratswahlen 2017 die Walliser Bezirke zur Ermittlung der Parteienstärken in Gruppen von einem bis drei Bezirken mit 14 bis 35 Sitzen zusammengefügt, bevor die Mandate dann in einem zweiten Schritt auf die betroffenen Bezirke verteilt wurden.

Bei den Nationalratswahlen bleibt jedoch alles beim alten, beim einfachen Proporz. Bei den Wahlen im kommenden Herbst wird also nach dem gleichen System gewählt wie noch bei den Grossratswahlen 2013. Denn das Bundesgerichtsurteil hat keinen Einfluss auf das in der Bundesverfassung geregelte Wahlsystem. Bei den Nationalratswahlen wird somit weiter gewählt wie schon seit 100 Jahren. Und auf diese Weise werden in insgesamt 14 Kantonen, die zwischen zwei und neun Nationalratssitze haben und diese in einer Proporzwahl vergeben, quasi «ungerechte» Wahlen durchgeführt. Darunter auch im Wallis.

Mathematisch betrachtet, kommt es nämlich zu Verzerrungen zugunsten der grossen Parteien. Im einfachen Proporz haben grosse Listenverbindungen im Durchschnitt mehr Nationalratssitze als ihnen aufgrund ihres Stimmenanteils eigentlich zustehen würden und kleine weniger. Diese Verzerrung greift auch bei den nachfolgenden Sitzverteilungen auf die Unterlistenverbindungen und auf die Listen. Kurz zusammengefasst: Die Sitzverteilung im Grossen Rat bildet die politischen Kräfteverhältnisse im Kanton besser ab, als es dies die Nationalratswahlen tun werden. Vergleiche mit den Grossratswahlen 2017 könnten trügerisch sein.

Grégoire Nicollier

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