Asyl | «Europameister» bei der Abschiebung

Schweiz bei Wegweisung von Asylsuchenden europaweit an der Spitze

Die Schweiz überstellt deutlich mehr Personen an andere Dublin-Staaten, als sie selbst von diesen übernimmt. (Symbolbild)
1/1

Die Schweiz überstellt deutlich mehr Personen an andere Dublin-Staaten, als sie selbst von diesen übernimmt. (Symbolbild)
Foto: Keystone

Quelle: SDA 0

Knapp 57 Prozent der Wegweisungen von Asylsuchenden zurück in deren Heimatstaat hat die Schweiz 2017 vollzogen, während der Wert in der Europäischen Union nur bei knapp 37 Prozent lag.

Dafür hat das Staatssekretariat für Migration (Sem) eine Erklärung: Kaum ein Land habe mehr Rückkehrabkommen geschlossen als die Schweiz, nämlich 66, sagte Daniel Bach, SEM-Sprecher, am Sonntag gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Ausserdem wendet die Schweiz das Dublin-Abkommen konsequent an, wie ein Papier des Sem vom 11. April dokumentiert. Für kaum ein europäisches Land funktioniere Dublin so gut wie für die Schweiz, heisst es darin. Die Schweiz überstelle deutlich mehr Personen an andere Dublin-Staaten, als sie selbst von diesen übernehme.

In Staaten mit prekärer Sicherheitslage wie Afghanistan oder Somalia würden nur vergleichsweise wenige Wegweisungen verfügt, heisst es in dem Papier weiter, aus dem der «SonntagsBlick» zitierte. Dieser zieht daraus den Schluss, die Schweiz schaffe «wieder in Kriegsgebiete» aus. Bach stellt das allerdings in Abrede.

Die Schweiz sei «bestrebt, im Einzelfall rechtskräftige Wegweisungen auch in diese Staaten zu vollziehen», heisst es im Sem-Papier. Aufgelistet wird ein Sonderflug in den Irak im Jahr 2017, eine polizeilich begleitete Rückführung im November 2018 nach Somalia und eine ebensolche im März dieses Jahres nach Afghanistan - die erste nach fast zweijährigem Stillstand.

Afghanistan werde nicht flächendeckend als Kriegsgebiet eingestuft - einzelne Regionen, darunter die Hauptstadt Kabul, gälten als zumutbar für eine Rückkehr, andere wiederum nicht. Diese Einschätzung habe sich nicht geändert, sagte Bach gegenüber Keystone-SDA. Das gleiche gelte für Somalia. Untersucht werde die individuelle Verfolgungsgefahr bei einer Rückschaffung.

Die Schweiz fährt im Wegweisungsvollzug gemäss Sem-Papier eine Doppelstrategie: Sie beteiligt sich einerseits an der europäischen Rückkehrpolitik und den entsprechenden Massnahmen und Instrumenten wie gemeinsamen Frontex-Flügen. Andererseits setzt sie auf die direkte bilaterale Zusammenarbeit mit Herkunftsstaaten, zum Beispiel durch den Abschluss von Migrationsabkommen.

Artikel

Kommentare

Noch kein Kommentar

Kommentar

schreiben

Loggen Sie sich ein, um Kommentare schreiben zu können.

zum Login

Artikel

Empfehlungen

Heute im WB

Aktuell auf 1815.tv

Ostermarkt in Brig

zum Video

In der aktuellen RZ

Kolumne | Diese Woche zum Thema:

Jean-Michel Cina: Problembär Nummer 1

Peter Bodenmann und Oskar Freysinger schreiben in der Rhonezeitung.

RZ | Der ehemalige SP-Schweiz-Präsident und Hotelier Peter Bodenmann und Alt-Staatsrat und [...]

Anmeldung - WB Newsletter

Walliser Bote - Newsletter

Rotten Verlag News

Oberwalliser Baby-Galerie

Deborah MehariNevin Fabian CinaMelissa Schwarz
zur Baby-Galerie
Aktuelle Verkehrsmeldungen

Sitemap

Impressum

MENGIS GRUPPE

Pomonastrasse 12
3930 Visp
Tel. +41 (0)27 948 30 30
Fax. +41 (0)27 948 30 31