Frontal | Z'Hansrüedi

«Bis 2042 werde ich auf der Bühne stehen»

Hansrüedi Zbinden ist seit 19 Jahren mit der Schnitzelbankgruppe «Üfheeru» unterwegs.
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Hansrüedi Zbinden ist seit 19 Jahren mit der Schnitzelbankgruppe «Üfheeru» unterwegs.
Foto: RZ

Die Schnitzelbankgruppe «Üfheeru» im Element.
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Die Schnitzelbankgruppe «Üfheeru» im Element.
Foto: zvg

Quelle: RZ 0

Er ist nicht nur Musiker, sondern auch bekannt für seinen bissigen Humor. Hansrüedi Zbinden (58) über die Schnitzelbankgruppe «Üfheeru» und warum er bis 2042 weitermachen will.

Hansrüedi Zbinden, wie geht es Ihrer Stimme?
Es geht so. Meine Stimmbänder sind ein bisschen lädiert, aber das hat nichts mit der Fasnacht zu tun, sondern damit, dass ich sie zu sehr strapaziere. Jetzt mache ich regelmässig Stimmtherapie, und das schlägt auch gut an. Aber meine Stimme wird nie mehr so sein wie früher. Damit habe ich mich arrangiert.

Auch dieses Jahr sind Sie mit Ihrer Fasnachtsgruppe «Üfheeru» unterwegs. Worin liegt der Reiz, die Leute in den Beizen mit Schnitzelbänken zu unterhalten?
Wir probieren die Leute zu unterhalten, und wenn sie wieder mal von Herzen lachen können, so ist das beste Unterhaltung. Zudem sind die Schnitzelbankgruppen ein bisschen ein Gegenpol zu den lauten Tönen der Guggenmusiken. Das schätzen unsere Zuhörer. Früher habe ich auch sozialkritische Verse eingebaut und wollte auf Missstände aufmerksam machen und etwas bewegen. In der Zwischenzeit haben diese Rolle aber die Medien und sozialen Netzwerke eingenommen.

Sind Sie noch nervös vor Ihren Auftritten?
Nein, nervös nicht mehr, aber eine gewisse Anspannung ist da. Meine Kollegen hingegen sind öffentliche Auftritte nicht gewohnt und entsprechend nervös. Wichtig ist, dass die Freude überwiegt. Wehe, einer unserer Gruppe schaut bei den Auftritten ernst drein. Und wenn einer bei seiner Schnitzelbank aus der Rolle fällt, dann lachen wir ihn gnadenlos aus.

Und auch die Zuhörer amüsieren sich…
Als wir vor knapp zwanzig Jahren unseren ersten Auftritt hatten, hat das niemand interessiert. Heute hingegen kehrt sofort Ruhe ein, wenn wir das Lokal betreten, und die Leute hören interessiert zu. Das ist auch für uns sehr dankbar.

Sie sind nicht nur in der Region Brig-Glis und Naters unterwegs, sondern besuchen auch das Goms und seit einem Jahr die Region Leuk-Susten. Passen Sie Ihr Programm entsprechend an?
Natürlich. In jedem Ort werden ein, zwei Schnitzelbänke präsentiert, die speziell zur jeweiligen Region passen. Dieses Jahr habe ich rund 144 Verse gemacht. Pro Auftritt brauchen wir 30 bis 40 Verse, die restlichen Schnitzelbänke brauchen wir nicht.

Gibt es auch Personen, die Ihre Witze nicht so lustig finden?
Das gibts. Die meisten Leute verstehen Spass und haben auch Freude an unseren Auftritten. Manche verstehen die Pointe falsch und fühlen sich brüskiert. Dann rufen sie mich an und ich erkläre ihnen die Sache. Dass sich die Leute bei mir melden, finde ich sehr gut. Das ist mir wesentlich lieber, als wenn hinter unserem Rücken geredet wird. Wir wollen in erster Linie niemanden beleidigen, aber wenn jemand in der Öffentlichkeit steht, muss er damit rechnen, dass er auf die Schippe genommen wird.

Sie sind der Kopf der Gruppe und schreiben die Verse. Woher holen Sie die Ideen?
Die Themen an sich sind leicht zu finden, wenn man im Internet stöbert oder die Zeitungen liest. Schwieriger hingegen ist es, eine passende Pointe zu finden, die auch alle verstehen. Das braucht Zeit. Und bei manchen Themen findet man gar keine Pointe wie beim amerikanischen Präsidenten Donald Trump, der übertrifft sich von Woche zu Woche selbst und ist selber ein Witz.

Und Sie zaubern die Reimsprüche einfach so aus dem Ärmel?
Überhaupt nicht. Ich bin stunden- und tagelang damit beschäftigt, ein gutes Programm zusammenzustellen. Nach aussen darf es aber so aussehen, als ob mir die Verse zufielen. Das finden die Leute amüsant. Sobald etwas nach Routine aussieht, nehmen dich die Leute nicht mehr ernst. Das ist auch unser Erfolgsrezept. Wir üben nie, sondern treten nur auf. Dadurch schwappt die Freude aufs Publikum über. Ich bin hochzufrieden mit unserem Programm. Allerdings braucht es noch eine gute Interpretation. Mit einer falschen Betonung kann man die ganze Pointe kaputt machen.

Welche Themen haben sich dieses Jahr aufgedrängt?
Wir suchen immer einen roten Faden für unser Programm. Nach einigen Jahren hat «Mäni» Manfred Bittel dieses Jahr das Handtuch geworfen. An seine Stelle tritt Ephraim Salzmann, und der ist Vegetarier. Damit war das Thema für dieses Jahr gegeben.

Wie witzig finden Sie sich eigentlich selbst?
(überlegt lange) Eigentlich finde ich uns nicht so witzig. Aber das ist irgendwie logisch. Ich arbeite stundenlang an den Versen und kann sie irgendwann nicht mehr hören. Meine Kollegen hingegen amüsieren sich köstlich, wenn sie die Schnitzelbänke hören. Und das ist wichtig: Solange meine Kollegen die Verse lustig finden, kommen sie auch beim Publikum an.

Gibt es eigentlich so was wie eine Rivalität unter den Schnitzelbankgruppen?
Eher nicht, im Gegenteil: Wir suchen immer wieder neue Schnitzelbankgruppen, die mit uns beim sogenannten «Schnitzulcheer» mitmachen. Momentan sind wir fünf Schnitzelbankgruppen, die dabei sind. Das finde ich eine wunderschöne Sache. Beim Bunten Abend in Naters kam es früher mal vor, dass man sich mit den anderen Gruppen verglichen hat. Aber im positiven Sinne. Heute gibt es am Bunten Abend leider keine eigentliche Schnitzelbankgruppe mehr. Heute zählen mehr Show und Effekte. Das bedaure ich ein bisschen.

1999 hatten Sie mit Ihrer Gruppe den ersten Auftritt. Wie kam es dazu?
Bis 1999 war ich 14 Jahre lang mit den «Chäsmade» unterwegs. Dann habe ich mich von der Gruppe getrennt und irgendwann dazu entschlossen, selber eine Gruppe zu gründen. Auch mein Bruder Erich, der inzwischen verstorben ist, war dabei. Sein Lieblingsspruch war immer «äh Üfheeru». Und so haben wir das übernommen und uns auf die Fahne geschrieben «Wier tie jezz üfheeru mit Üfheeru und fä jezz a.» Im ersten Jahr waren mein Vater Ruedi und mein Bruder Erich dabei, sowie «Ami», «Jorgesch» und ich. Ein Jahr später ist dann noch mein Bruder Fredy dazugekommen.

Welcher Auftritt ist Ihnen in all den Jahren besonders in Erinnerung geblieben?
Der Schnitzelbankabend in Glis vor zehn Jahren. Das war der letzte Auftritt mit meinem Vater. Damals war er schon ziemlich krank, und bei der Verabschiedung ist der ganze Saal aufgestanden und alle haben applaudiert. Das war Gänsehautfeeling pur. Mein Vater war der geborene Unterhalter und konnte die Leute richtig begeistern.

Heute, 19 Jahre später, stehen Sie immer noch auf der Bühne. Gibts kein Aufhören für «Üfheeru»?
Doch, wir haben tatsächlich vor, aufzuhören. 2042 stehen wir zum letzten Mal auf der Bühne. Der Grund ist einfach: Mein Vater stand noch mit 81 Jahren auf der Bühne, und dieses Jubiläum möchte ich schlagen. Dann bin ich 82-jährig (lacht). Im Ernst, solange wir Freude haben und die Leute uns gerne hören, machen wir weiter. Wir hatten über all die Jahre nur einen einzigen Austritt zu verzeichnen. Dazu kommt der Tod meines Vaters Ruedi und meines Bruders Erich. Sonst sind wir noch die gleiche Formation.

Sie sind Musiker, Unterhalter und Enter­tainer. In dieser Reihenfolge?
Unterhalter und Entertainer sind eine schöne Ergänzung zum Musiker. Bei meinen musikalischen Auftritten kann ich auch hin und wieder auf einen Fasnachtsvers zurückgreifen. Und wenn ich neben meinen musikalischen Auftritten auch noch bei einer Schnitzelbankgruppe wie «Üfheeru» mitmache, dann wirkt das sehr bodenständig und die Akzeptanz bei den Leuten ist gross.

Ganz allgemein: Wie finden Sie die Fasnacht im Oberwallis?
Je länger, je besser. Aber man muss differenzieren. Eine Schnitzelbankgruppe gehört für mich zur Fasnacht. Guggenmusiken gibt es für mich zu viele im Oberwallis. Was ich auch nicht gut finde, ist die Tatsache, dass man mit den Auftritten bereits im November anfängt. Dass die Guggenmusiken heute nicht mehr in den Beizen auftreten, finde ich hingegen wieder gut. Wenn die Leute die Fasnacht missbrauchen, um sich volllaufen zu lassen, ist das ein «Seich». Wenn sie aber vom Alltag abschalten und sich amüsieren, ist das etwas Herrliches. Ich würde mir wünschen, wenn wieder mehr Leute an der Fasnacht teilnehmen würden. Schade nur, dass sich heute nicht mehr so viele maskieren wie früher.

Apropos Alkohol: In Ihren Liedern besingen Sie ja das Saufen…
Das ist teilweise ironisch gemeint. Das Lied «Laffti no meh» besingt ja genau das Gegenteil. Da schreibe ich ein Lied, das sich gegen den Alkoholkonsum richtet, und was passiert? «Alli Glaffni singend das Lied.» Das hat mich anfangs ein bisschen irritiert (schmunzelt).

Nächstes Jahr feiert Ihre Gruppe das 20-Jahr-Jubiläum. Was planen Sie?
Keine Ahnung. Das lassen wir auf uns zukommen. Jetzt schauen wir mal, wie sich Ephraim in unsere Gruppe integriert, und dann sehen wir weiter.

Nach der Fasnacht wenden Sie sich wieder Ihrer eigentlichen Arbeit zu und singen im Tonstudio Ihre neue CD ein mit dem sinnigen Titel «uhüerugüet»…
Eigentlich sollte die CD «hüerugüet» heissen, aber weil die «Genderbüebe» schon eine CD mit dem gleichen Titel hatten, musste ich meinen Titel kurzfristig anpassen (grinst). Ich hoffe, dass die neue CD ihrem Titel entsprechend beim Publikum ankommt.

Walter Bellwald

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Infos

Vorname Hansrüedi
Name Zbinden
Geburtsdatum 21. März 1960
Familie verheiratet
Beruf Musiker
Hobbies Fahnenschwingen, Fasnacht, Musik
Die Schnitzelbänkler im Oberwallis sterben aus. Nein
Die Fasnachtszeitungen könnten noch bissiger sein. Ja
Naters ist die Hochburg der Oberwalliser Fasnacht. Ja
Der Joker darf nur einmal gezogen werden.  

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