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«Ich habe mich ein wenig mit dem Wallis versöhnt»

Regula Imboden
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Regula Imboden ist als Schauspielerin, Sprecherin und Regisseurin national erfolgreich. Ihre neusten Projekte führen sie zurück ins Wallis. Im Interview spricht sie über Heimat und Identität in ihrem Beruf.

Regula Imboden, Sie kommen gerade von einer Theaterprobe in Zürich. Gestern noch waren Sie in Brig unterwegs. Empfinden Sie dieses Umherreisen nicht als stressig?
Nein, denn ich bin gerne unterwegs. Mir hat es immer schon gefallen, mit einem Bein hier und dem anderen dort zu stehen. Dass ich so an verschiedenen Projekten in der ganzen Schweiz beteiligt sein kann, gibt mir ausserdem die Möglichkeit, mit vielen interessanten Leuten zusammenzuarbeiten.

Sie sind also schweizweit tätig. Was hat Sie dazu bewogen, jetzt wieder vermehrt im Wallis zu arbeiten? Hatten Sie Sehnsucht nach der Heimat?
Ich habe mich im Laufe der Zeit etwas mit dem Wallis versöhnt. Die Distanz, die ich in den letzten Jahren gewonnen habe, hat mir geholfen, meine Heimat aus einer anderen Perspektive zu sehen. Vielleicht habe ich auch deswegen wieder Lust bekommen, im Wallis zu arbeiten.

Leute, die in Klischees denken, kann ich nicht ernst nehmen

Glauben Sie, dass Ihre Herkunft auch Auswirkungen auf Ihr künstlerisches Schaffen hat?
Ich denke, dass die eigene Herkunft immer einen Einfluss auf einen hat. Ich habe einen Teil, der zum Wallis gehört und den ich nicht abstreiten kann. Jedoch glaube ich, dass man diese Einwirkung, die das Umfeld auf einen hat, zu einem gewissen Teil steuern kann.

Was hat Sie denn in Ihrer ehemaligen Heimat besonders geprägt?
Ich glaube, dass es positiv auf uns Walliser abfärbt, dass wir so viele Sonnenstrahlen abbekommen. Das hat sich bestimmt auch gut auf mein Gemüt ausgewirkt. (Lacht)

Trotzdem haben Sie sich entschlossen, das Wallis zu verlassen. Woher kam dieser Wunsch?
Mein Bezug zum Wallis war nie besonders stark. Ich hatte hier vergleichsweisse wenig kulturelle Inputs. Ab einem gewissen Zeitpunkt fühlte ich mich deshalb in meinem Schaffen etwas eingeschränkt. Dies war einer der Gründe, warum ich meine Heimat verlassen und mir neuen Raum gesucht habe. Ich hatte den Drang, mich auszuleben und zu entfalten.

Werden Sie in der restlichen Schweiz trotzdem noch manchmal als «die Walliserin» wahrgenommen?
Wie ich wahrgenommen werde, kann ich natürlich zu einem grossen Teil selber beeinflussen. Da ich mich in der Ausserschweiz sehr wohlfühle, werde ich meist auch nicht mehr unbedingt mit meiner Heimat in Verbindung gebracht. Trotzdem gibt es natürlich manchmal Leute, die mich auf meine Walliser Wurzeln ansprechen.

In welcher Weise werden Sie auf das «Walliserinsein» angesprochen?
Es gibt viele Meinungen und Vorurteile über das Wallis und seine Bewohner. Manchmal werde ich auch gezielt auf bestimmte Themen angesprochen. Menschen, die mich auf meine Herkunft reduzieren und in Klischees denken, kann ich jedoch nicht wirklich ernst nehmen. Zum Glück sind solche aber auch die Ausnahme.

Wie sieht es mit dem Wunsch aus, auch die Schweiz zu verlassen und international tätig zu werden?
Auch wenn ich schon international gearbeitet habe, spürte ich nie wirklich den Drang, mich aus der Schweiz zu verabschieden. Es gibt hier viele Orte, an denen ich mich sehr wohlfühle.

Da Sie schweizweit unterwegs sind, kommen Sie auch in Berührung mit verschiedenen Sprachen. Welche ist für Sie persönlich die wichtigste?
Die Vielfalt der Schweizer Mundart finde ich sehr interessant. Jeder hat seine ganz eigene Kraft und Dynamik. Der Walliser Dialekt jedoch, ist für mich eher eine schwierige Arbeitssprache. Mir ist eigentlich besonders die Fremdsprache Hochdeutsch ans Herz gewachsen, denn mit ihr arbeite ich am häufigsten. Ausserdem gefallen mir Klang und Ausdruck des Deutschen.

Walliserdeutsch ist eher eine schwierige ­Arbeitssprache

Weshalb sehen Sie gerade Ihre Muttersprache als schwierig für Ihre Arbeit an?
Die Sprache ist immer ein Tor zu einer bestimmten Welt und somit ein wichtiges Instrument für uns. Das Walliserdeutsch verändert sich zwar stetig, hat aber immer noch einen vergleichsweise kleinen Wortschatz. Viele Begriffe existieren in unserer Mundart gar nicht. Das macht es schwerer, sich auszudrücken. Deshalb ist dieser Dialekt meiner Meinung nach eher eine ungeeignete Arbeitssprache.

Sie arbeiten sehr breit gefächert und sind unter anderem auch als Regisseurin und Sprecherin tätig. Liegt Ihnen eine dieser Tätigkeiten besonders am Herzen?
Da ich frei arbeite, habe ich das Glück, mich an vielen spannenden Projekten beteiligen zu können. Jede dieser Arbeiten ist anders und genau diese Vielfalt schätze ich. Allgemein kann ich aber sagen, dass
eine Arbeit mir mehr Spass macht, je komplexer sie ist und je mehr ich mich darin vertiefen kann. Das Feld ist dabei weniger wichtig als die Intensität.

Hat sich Ihr Interesse in diesem breiten Tätigkeitsfeld mit den Jahren vielleicht auch verschoben?
Ja, mein Interesse ist vielfältiger geworden und hat sich mit der Zeit vermehrt hinter die Bühne verschoben. Mich fasziniert der Prozess, eine Idee von Anfang bis Ende zu konzipieren und schliesslich auf die Bühne zu bringen. Es ist faszinierend, ein eigenes Projekt wachsen zu sehen.

Von welchen Themen lassen Sie sich bei der Erarbeitung solcher Projekte inspirieren?
Ein Thema, welches mich besonders fasziniert, ist der Mensch in seiner eigenen Welt. Wie er sich ihr anpasst, oder sich ihr entgegenstellt. Wie sie ihn prägt, was ihn antreibt und zu was er fähig sein kann. Mich interessiert, was alles in einem Menschen stecken kann. Diese Thematik greife ich deshalb gerne in meinen Projekten auf. Als Schauspielerin bin ich oft aber auch Teil einer Idee von jemand anderem. Es ist dann Herausforderung, sich in Stoff und Thema zu vertiefen.

Mich interessiert, zu was ein Mensch alles fähig sein kann

Stehen Sie als Schauspielerin lieber vor der Kamera oder auf einer Bühne?
Film und Theater sind zwei völlig unterschiedliche Vorgänge. Was für mich jedoch in beiden Feldern im Vordergrund steht, ist die Figurenarbeit. Wenn ich die Möglichkeit habe, mich intensiv mit meiner Figur auseinanderzusetzen und mich in sie hineinzuleben, spielt es für mich keine Rolle, ob ich sie auf einer Bühne oder vor der Kamera spiele.

Haben Sie schon konkrete Pläne für nächste Projekte?
Nein, da ich jetzt gerade noch zu sehr in verschiedene andere Zusammenarbeiten vertieft bin. Wenn mich der Stoff eines Projektes in den Bann zieht, so wie momentan, bin ich sozusagen «wunschlos glücklich». Ich bin sehr dankbar dafür, eine so erfüllende Arbeit zu haben. Ich komme meist noch gar nicht dazu, mir Gedanken zu machen, was ich als Nächstes in Angriff nehmen will und werde.

Alexandra Pfammatter

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Infos

Zur Person

Vorname Regula
Name Imboden
Geburtsdatum 7. November 1966
Familie ledig
Beruf Schauspielerin
Hobbies Reisen, gut essen und ins Kino gehen

Nachgehakt

Die Oberwalliser Kulturlandschaft könnte mehr Vielfalt vertragen. Ja
Auch privat ist es nützlich, eine gute Schauspielerin zu sein. Nein
Mein Aussehen vor der Kamera ist mir sehr wichtig. Nein
Der Joker darf nur einmal gezogen werden.  

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