Interview | Hugo Burgener, Direktor des Spitalzentrums Oberwallis

«Im Optimalfall geht das neue Spital 2025 in Betrieb»

Hugo Burgener ist Direktor des Spitalzentrums Oberwallis.
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Hugo Burgener ist Direktor des Spitalzentrums Oberwallis.
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Für den Direktor des Spitalzentrums Oberwallis (SZO), Hugo Burgener, steht mit dem baldigen Start zum Erweiterungs- und Neubau des Spitals Brig eine intensive Zeit bevor. Im Interview spricht er über den Zeitplan, Spitzenbelastungen am Spital und die Suche nach über 700 neuen Angestellten.

Hugo Burgener, ein Blick aus Ihrem Büro­fenster zeigt es: Das Baugerüst für den Neubau am Spital Brig steht. Dies nachdem es in den letzten zwei Jahren recht ruhig um das neue Spital geworden ist. Haben Sie sich eine Auszeit gegönnt?

(lacht) Nein, das auf keinen Fall. Wir haben den Neu- und Erweiterungsbau hier in Brig auch in den letzten zwei Jahren intensiv vorangetrieben. Womit Sie aber recht haben ist, dass wir ­gegenüber der Öffentlichkeit nicht viel Neues ­kommuniziert haben. Das liegt aber daran, was wir in den letzten zwei Jahren getan haben.

Und das wäre?

Vor zwei Jahren haben wir der Öffentlichkeit ja präsentiert, wie das Spital in Zukunft optisch aussehen wird, also wie sich der Neubau präsentieren wird und was wir auf dem Gelände sonst noch vorhaben. Daran hat sich auch kaum etwas geändert. Im Inneren haben wir das ganze ­Konzept aber fast komplett auf den Kopf gestellt. Das heisst, dass wir geplant und erarbeitet ­haben, in Zusammenarbeit mit 200 verschiedenen ­Nutzergruppen, wo zum Beispiel welche Ab­teilungen angesiedelt werden, wo operiert ­werden wird, was im Erdgeschoss sein wird usw. Das heisst, wir haben die Gebäude des neuen ­Spitals mit Leben gefüllt. Das alles mit dem Ziel, damit wir im ­neuen Spital die kürzesten und sinnvollsten Wege haben werden und dass wir unseren ­Angestellten, aber natürlich auch den Patienten eine optimale Nutzung anbieten ­können. Dies war eine sehr intensive und auch keine leichte Aufgabe.

Wo lagen die Schwierigkeiten?

Nehmen wir das Beispiel der Operationssäle. ­Natürlich möchte die chirurgische Abteilung ­direkt daneben angesiedelt sein. Das Gleiche gilt aber auch für die Intensivstation oder die ­Gynäkologie. Für uns galt es nun, all diesen ­verschiedenen Anspruchsgruppen und ihren ­Bedürfnissen gerecht zu werden. Wir haben versucht, die optimale Lösung für jeden zu finden. Optimal deshalb, weil es bei so vielen Bedürfnissen die perfekte Lösung nicht geben kann. Ausserdem wollten wir vermeiden, dass wir in der Planungsphase Fehler machen, die uns ­später teuer zu stehen kommen. Dazu haben wir das Spital in ein virtuelles Modell umgewandelt, das man am Computer betreten und ausprobieren kann. Jeder, der künftig am neuen Spital arbeitet, konnte die verschiedenen Bereiche ­sozusagen ausprobieren und aufgrund dieser ­Erfahrungen Verbesserungsvorschläge ein­bringen. So wollten wir zum Beispiel verhindern, dass wir nach der Fertigstellung sagen: «Oh, hier wäre eine Steckdose aber noch gut gewesen.»

Nun steht das Baugerüst, die Baubewilligung wurde aufgelegt. Wie sehen die nächsten Schritte und der Zeitplan allgemein aus?

Die Frist für Einsprachen ist abgelaufen und wie erwartet gab es auch solche. Diese werden wir nun behandeln. Viele der Einsprachen drehen sich dabei um den zu erwartenden Lärm der ­Helikopter, andere um den Schattenwurf der Gebäude usw. Sobald diese Einsprachen vom Tisch sind, werden wir das Bauprojekt aus­schreiben und nach der Vergabe der Arbeiten mit dem Bau loslegen.

Und wann wird das Spital den Betrieb aufnehmen?

Das ist schwer zu sagen. Es hängt natürlich stark davon ab, wie schnell wir uns mit den Einsprechern einigen können oder ob einzelne davon schlussendlich vor Gericht landen. Dann kann auch gegen die künftigen Arbeitsvergaben eingesprochen werden, was ebenfalls ein juristisches Nachspiel ergeben würde. Daher ist es schwer, eine zeitliche Prognose abzugeben.

Was wäre denn im optimalen Fall?

Wenn alles perfekt läuft, ist im nächsten Jahr Spatenstich. Das heisst wir beginnen mit dem Abriss des alten armasuisse-Gebäudes. Fertig mit dem Neu- und Erweiterungsbau wären wir dann fünf Jahre später, also 2025. Aber wie gesagt, das wäre der perfekte Fall. Auf alle Fälle werden wir zunächst einmal das neue Parkhaus auf der Südseite erstellen, dann folgt der Neubau im Norden und zum Schluss werden wir das bestehende ­Spitalgebäude ausbauen.

Kommen wir von der Zukunft zur Gegenwart. So langsam wird es am SZO wieder etwas ­ruhiger, denn die Zeit der vielen Skiunfälle geht dem Ende entgegen. In der Hochphase waren praktisch alle Betten in Visp und Brig belegt. Stösst das SZO in solchen Momenten an seine Grenzen?

Nein, das nicht. Wie haben eine langjährige ­Erfahrung mit diesen Spitzenzeiten und sind entsprechend eingespielt. Wir passen die Dienstpläne des Personals entsprechend an und verschieben im Bedarfsfall, auch recht kurzfristig, geplante Operationen. Das kann im Einzelfall für die Patienten sehr unangenehm sein, das ist richtig. Es kann sogar sein, dass wir Leute, die schon eingetreten sind, wieder nach Hause schicken. Aber so können wir gewährleisten, dass alle diejenige Versorgung am SZO erhalten, die in der aktuellen Situation nötig ist. Man muss sich aber auch immer vor Augen führen, dass der letzte Sommer und der jetzige Winter eher die Ausnahme waren. Wir hatten sehr gute Wetterbedingungen, was viele ­Touristen und entsprechend viel Arbeit für uns bedeutet. Wir hatten in den letzten zwei ­Monaten 190 Eintritte mehr als im Vorjahr. Der Blick in die Zukunft hingegen macht mir doch etwas Sorgen.

Warum das?

Das hängt direkt mit dem Rückgang an Hausärzten und der demografischen Entwicklung ­zusammen. In den kommenden Jahren werden viele Hausärzte in der Region in Pension gehen, was zu einem Problem werden wird. Denn es scheint nicht so, als könnten alle diese Stellen mit Nachfolgern besetzt werden. Dann werden die Fallzahlen am SZO deutlich zunehmen. All diese Patienten, die keinen Hausarzt mehr haben werden, können im Krankheitsfall gar nicht anders, als sich ans Spital zu wenden.

«Eine Grundversorgung durch Hausärzte ist kosteneffizienter»

Zudem merken wir, dass gerade junge Leute oder auch Personen aus anderen Kulturkreisen das Prinzip der Hausarztmedizin nicht mehr kennen oder nie gekannt haben. Auch diese Leute kommen im Krankheitsfall direkt auf den Notfall, was die Fallzahlen am SZO in die Höhe treibt. Diesem Fakt ver­suchen wir bei unseren Planungen gerecht zu werden. Der ambulante Bereich am neuen Spital wird darum deutlich grösser sein, als dies heute der Fall ist.

Den Bemühungen um eine Kostenreduktion im Gesundheitswesen wird das aber nicht guttun.

Eine Behandlung im Spital ist immer teurer als eine beim Hausarzt, das ist so. Aber wir ver­suchen, unseren Teil dazu beizutragen, die ­Kosten so tief wie möglich zu halten. Dadurch, dass wir vermehrt auf ambulante Behandlungen setzen und weniger auf stationäre sollten sich die Kosten in Grenzen halten. Aber es ist klar, eine Grundversorgung durch Hausärzte ist sicher kosteneffizienter. Mit dem ambulanten Bereich am Spital wollen und müssen wir aber für die Zukunft einen Mittelweg gehen.

Aber nicht nur die Hausärzte gehen in ­Pension, auch bei Ihrem Personal wird es in den kommenden Jahren zu grossen Um­wälzungen kommen. Welche Herausforderungen warten in diesem Bereich auf Sie?

Bis 2025 werden wir 60 Prozent der heutigen Belegschaft ersetzen müssen, das sind über 700 Stellen und natürlich eine nicht zu unter­schätzende Aufgabe. Wir haben schon vor ­einiger Zeit unsere Personalabteilung am SZO auf­gestockt, da wir um diese Personalentwicklung natürlich nicht erst seit gestern wissen.

Aber auch andere Spitäler im Land stehen vor der gleichen Herausforderung. Wie kann das SZO im Kampf um qualifiziertes Personal bestehen, schliesslich gibt es ja Ärzte und Pflegepersonal in der Schweiz nicht gerade im Überfluss?

Bei der Rekrutierung von Ärzten haben wir einen entscheidenden Vorteil, und zwar den der Randregion in den Bergen. Das klingt paradox, doch so ist es. Viele Ärzte und Pflegeverantwortliche, die in der Schweiz arbeiten wollen, suchen nach einem Arbeitsort abseits der städtischen Zentren. Dies vor allem, um ihren sportlichen Hobbys nachgehen zu können, oder weil sie für sich und ihre Familie ein ruhiges Lebensumfeld suchen. Genau das kann das SZO im Oberwallis bieten. Beim Pflegepersonal ist dieser Faktor zum ­jetzigen Zeitpunkt zwar noch weniger von ­Bedeutung, doch auch hier haben wir die ­nötigen Schritte eingeleitet, um die künftig offenen ­Stellen besetzen zu können. Das Spital hat ­hierbei jedoch weniger Probleme als die umliegenden Pflegeheime.

Warum dies?

Das liegt an der Institution Spital. Das Spital ist für junge, frisch ausgebildete Pflegefachkräfte meist die erste Anlaufstelle, um sich «die Sporen abzuverdienen» und Erfahrungen zu sammeln. Viele wechseln dann erst später in andere ­Pflegeinstitutionen. Dementsprechend müssen wir für die Rekrutierung von Pflegepersonal nicht nur den Fokus Spital im Auge haben, sondern den Bedarf als Gesamtregion Oberwallis betrachten.

Martin Meul

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Infos

Zur Person

Vorname Hugo
Name Burgener
Geburtsdatum 6. Juli 1971
Familie verheiratet, drei Kinder
Beruf Direktor SZO
Funktion Dr. rer. pol
Hobbies Ski fahren, Langlauf, Hochgebirgstouren

Nachgehackt

Ich rate meinen Kindern von einem Job
im Gesundheitswesen ab.
Nein
Die Medizin erstickt in der Bürokratie. Nein
Die Politik wirft den Spitälern zu viele
Steine in den Weg.
Nein
Der Joker darf nur einmal gezogen werden.  

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