Frontal | Jörg Solèr, Standortleiter Lonza-Werk Visp

«Wir werden rund 70 zusätzliche Lehrstellen schaffen»

Jörg Solèr, Standortleiter des Lonza-Werks in Visp.
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Jörg Solèr, Standortleiter des Lonza-Werks in Visp.
Foto: Paul Gsponer/Lonza

Jörg Solèr: «Die Zahl der ­Mitarbeitenden wird sicher steigen»
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Jörg Solèr: «Die Zahl der ­Mitarbeitenden wird sicher steigen»
Foto: Paul Gsponer/Lonza

Quelle: RZ 0

Nach der Effizienzsteigerung der letzten Jahre geht es im Lonza-Werk Visp nun um einen Ausbau der Produktpalette und Wachstum. Standortleiter Jörg Solèr erklärt im Interview, wie dies geschehen soll und weshalb Lonza darum als Arbeitgeber wieder an Attraktivität gewinnen wird.

Jörg Solèr, seit rund anderthalb Jahren läuft im Werk Visp das Programm «Visp 2030». Was verbirgt sich hinter diesem Programm?
«Visp 2030» ist unser Weg in die Zukunft. Das heisst, dass wir uns die Frage stellen, in welche Richtung wollen wir mit dem Werk Visp gehen, wie wollen wir uns entwickeln?

Und in welche Richtung wollen Sie mit dem Werk Visp?
«Visp 2030» hat verschiedene Stossrichtungen. Da wären einerseits unsere Grossbaustellen. Bekanntlich entsteht ja mit Ibex ein neues Werk für die Produktion von Biopharmazeutika. Die Strategie ist hier ganz klar auf Wachstum und die Aufnahme neuer Produkte in unser Portfolio ausgelegt.

Wie sehen die anderen Stossrichtungen aus?
Ein weiterer zentraler Punkt von «Visp 2030» ist die Analyse und Weiterentwicklung unseres bestehenden Produkteportfolios. Das bedeutet einerseits, dass wir uns von Produkten, die nicht mehr rentabel sind oder die nicht mehr zu unserer allgemeinen Strategie passen, trennen werden. Solche Entscheidungen wurden bereits getroffen, zum Beispiel mit dem Ausstieg aus dem Geschäft mit Dünger. Andererseits wollen wir aber auch jene Produkte, die wir für zukunftsträchtig und zu Lonza Visp passend ansehen, verbessern und weiterentwickeln. Hier steht die Konzentration auf unsere eigenen Stärken im Vordergrund und damit auch eine Steigerung der Rentabilität.

Bei «Visp 2030» handelt es sich also nicht um ein Effizienzprogramm, wie es der Vorgänger «Visp Challenge» war?
Der Ansatz ist langfristiger und umfasst verschiedene Elemente, obwohl Effizienz natürlich ein Thema bleibt. Auch mit «Visp 2030» wollen wir an unserer Effizienz arbeiten. Das primäre Ziel dabei ist es, dass wir nicht mehr in eine Situation geraten, die eine Restrukturierung unter Zeitdruck nötig macht, wie es vor «Visp Chal­lenge» der Fall war. Alles in allem kann man sagen, dass «Visp 2030» ganzheitlicher ist, da wir uns auf das Neue, das Bestehende und die Effizienz gleichermassen konzentrieren.

Von aussen betrachtet hat man das Gefühl, Lonza konzentriere sich zunehmend auf die Biotechnologie, die «klassische» Chemie würde verschwinden. Täuscht dieser Eindruck?
Natürlich ist die Biotechnologie ein Wachstumsmarkt für Lonza, entsprechend gross ist auch unser Engagement in diesem Bereich. Aber auch in der chemischen Produktion sehen wir weiterhin grosse Chancen. Wir konnten unsere Ergebnisse im chemischen Bereich in Visp laufend verbessern und wir konnten uns am Markt weiter behaupten. Daher konzentrieren wir uns nicht nur auf das Neue, sondern wollen auch in den klassischen Bereichen des Werks Visp weiter zulegen.

Beim Programm «Visp Challenge» wurden Stellen am Standort Visp abgebaut, wie sieht das mit dem neuen Programm aus?
Heute gehen wir davon aus, dass wir am Standort Visp in den kommenden Jahren keine Reduktion an Mitarbeitern erleben. Ganz im Gegenteil. Betrachtet man das anvisierte Wachstum, werden mehrere Hundert Stellen in neuen Bereichen geschaffen werden. Natürlich wird es Verschiebungen innerhalb des Werks geben, gesamthaft betrachtet wird die Zahl der Mitarbeitenden aber sicher steigen. Das ist das Positive an der derzeitigen Situation. Obwohl wir, wie gesagt, weiter auch Optimierungen anstreben, wissen unsere Mitarbeiter, dass ihre Arbeitsplätze sicher sind. Alles andere wäre auch nicht gut.

Wie meinen Sie das?
Bei «Visp Challenge» sind wir durch einen Transformationsprozess gegangen, der auch eine Reduktion der Arbeitsplätze beinhaltet hat. Müssten wir jetzt so weitermachen, so wäre «Visp Chal­lenge» nicht erfolgreich gewesen.

Also werden Sie auf die Suche nach neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gehen?
Unser Signal für die kommenden Jahre ist: «Lonza ist offen für Menschen, die qualifizierte Arbeit suchen und die Interesse haben, neue Wege zu ­gehen.»

Allein für das Ibex, das sich im Bau befindliche biopharmazeutische Werk, benötigen Sie 200 neue Mitarbeiter. Wo nehmen Sie diese her?
Dazu muss man etwas ausholen. Das Ibex stellt wie gesagt einen wichtigen Pfeiler in unserer Wachstumsstrategie dar. Gleichzeitig wollen wir damit unsere Marktposition stärken. Das gelingt uns nur, indem wir nicht nur neue Anlagen bauen, sondern diese auch direkt betreiben können. Das heisst, dass wir Personal, das bereits für Lonza in Visp arbeitet und über das nötige Know-how verfügt, im Ibex einsetzen werden. Das Vorhandensein dieses Personals ist mit ein Grund, warum das Ibex in Visp gebaut wird. Die Lücken, die dadurch in den angestammten Betrieben entstehen, müssen wir auffüllen, genauso wie wir das Team des Ibex ergänzen müssen. Unser Ziel ist es, von Anfang an auf höchstem Niveau zu arbeiten und an vorderster Front der Entwicklung zu stehen. Lonza muss sich in dieser Angelegenheit nicht verstecken. Wir werden zeigen, dass wir ein absolut konkurrenzfähiges Angebot im Markt anbieten können. Dies spricht sich bereits herum...

…und die Fachkräfte melden sich bereits bei Ihnen?
Das Projekt hat in der Tat eine grosse Sogwirkung. Auf unsere Stellenausschreibungen haben wir sehr viele Bewerbungen von bestens qualifizierten Leuten erhalten, die einerseits Teil eines solchen wegweisenden Schritts sein wollen, andererseits auch das Wallis als attraktiven Arbeitsort, mit zum Beispiel einem grossen Freizeitangebot, ansehen. Natürlich werden wir uns auch aktiv um weitere Fachkräfte, zum Beispiel an den Fachhochschulen und Universitäten, bemühen müssen. Wir sind jedoch sicher, dass wir dies erfolgreich umsetzen können.

Wie sieht es denn mit «normalen» Arbeitern aus?
Natürlich werden wir für unseren Wachstumskurs nicht nur hoch qualifizierte Fachkräfte brauchen, sondern auch beispielsweise fachmännische Schichtarbeitende. Aber auch bei diesen Positionen sind wir sicher, dass wir das Potenzial haben, genügend Leute anzuziehen. Auch hier ist von uns Einsatz gefordert. Schliesslich kommen wir aus einer Restrukturierungsphase, in der viele das Gefühl hatten, «bei Lonza wird niemand mehr angestellt». Jetzt legen wir aber einen anderen Gang ein, brauchen also wieder neue Mitarbeitende. Diese Leute müssen wir abholen, was uns aber sicherlich gelingen wird.

Eine andere Möglichkeit ist es, die künftigen Arbeitnehmer selbst auszubilden. Hat die Oberwalliser Jugend noch genug Interesse an einer Ausbildung bei Lonza?
Ich glaube, das Interesse der Jugend an Lonza wird weiter steigen.

Warum dies?
Unser Vorgehen ist ein anderes. Einerseits sprechen wir die jungen Leute früher an und zeigen ihnen auf, welche Möglichkeiten sie bei Lonza haben, was sicher das Interesse an Lonza als Ausbildungsstätte wieder steigern wird. Dazu gehört auch, dass wir auch Schülerinnen und Schüler ansprechen wollen, die vielleicht nicht die allerbesten Noten haben. Wir sind davon überzeugt, dass, auch wenn mit 14 oder 15 Jahren nicht die besten schulischen Leistungen vorliegen, bei vielen dieser jungen Leute ein grosses Potenzial vorhanden ist, welches wir nutzen wollen. Wenn man sich in einer Restrukturierungsphase befindet, kann man es sich leisten, nur die Besten zu nehmen. In einer Wachstumsphase hingegen müssen wir uns um junge Leute als künftige Arbeitnehmer bemühen. Daher fragen wir uns aktiv, was die jungen Leute brauchen, damit sie bei uns Karriere machen wollen, in der Überzeugung, dass diese Jugendlichen die Zukunft sind. Zudem ist uns klar, dass man die Jugendlichen dort abholen muss, wo sie sind, wenn man sie für eine Karriere in seinem Unternehmen gewinnen will. Das heisst, dass wir auch stark in den sozialen Netzwerken präsent sind, um junge Leute anzusprechen.

Das heisst, dass Lonza Visp auch neue Lehrstellen schaffen wird?
Ja, wir werden über 70 neue Lehrstellen schaffen. In Zahlen heisst das, dass statt heute 180 junge Leute in Zukunft 250 bis 300 Jugendliche bei Lonza Visp in Ausbildung sein werden.

Martin Meul

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Infos

Vorname Jörg
Name Solèr
Geburtsdatum 22. August 1977
Familie verheiratet
Beruf Chemieingenieur
Funktion Standortleiter Lonza-Werk Visp
Hobbies Theologie, Wandern
Die Quecksilberaffäre ist für Lonza so gut wie erledigt. Ja
In 50 Jahren wird es in Visp keine
klassische Chemie mehr geben.
Joker
Die Walliser Jugend misst Lonza zu wenig Bedeutung bei. Ja
Der Joker darf nur einmal gezogen werden.  

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