Oberwallis | Mit fast 90 Jahren noch täglich im Laden

«Die ganze Welt kommt zu uns auf Besuch»

Sophie Harnisch erlebt, wie der Rhonegletscher jedes Jahr schmilzt. 
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Sophie Harnisch erlebt, wie der Rhonegletscher jedes Jahr schmilzt. 
Foto: RZ

Sophie Harnisch in der Kasse.
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Sophie Harnisch in der Kasse.
Foto: RZ

Quelle: RZ 0

Seit mehr als 20 Jahren führt Sophie Harnisch den Souvenir-Laden bei der Gletschergrotte auf dem Furkapass. Müde scheint die bald 89-Jährige aber trotz ihres 100-Prozent-Pensums noch lange nicht zu sein.

«Die Arbeit hier tut mir gut und hält mich jung», sagt Sophie Harnisch lächelnd. Auch eine kürzlich durchgeführte Hüft-OP kann sie nicht bremsen. Im Dezember feiert sie ihren 89. Geburtstag und steht während der Saison von Ende Mai bis Mitte Oktober noch immer täglich im Basar beim Belvédère, etwa drei Kilometer unterhalb der Furka-Passhöhe. Daneben bedient sie auch die Kasse für die Gletschergrotte. Unzählige Besucher lösten bei ihr die Eintrittstickets für den circa 100 Meter langen Eistunnel, der seit 1870 jedes Jahr wieder neu in den Rhonegletscher geschlagen wird. Nirgends sonst in Europa kann so nahe an einen Gletscher gefahren werden wie zur Eisgrotte im Rhonegletscher. «Die ganze Welt kommt zu uns auf Besuch», sagt Harnisch, um gleich hinzuzufügen,«leider sehr wenige Walliser.» Mit der internationalen Gästeschar hält sie auch mal gerne ein kleines Schwätzchen, auf Deutsch, Französisch, Italienisch oder Englisch. «Besonders die Japaner flippen jeweils aus, wenn ich Ihnen erzähle und zeige, dass man von hier sogar die Spitze des Matterhorns erkennen kann», erzählt Harnisch. Manchmal schweift ihr Blick auch zur Grimsel hinüber: «Wir auf der Furka haben meist das bessere Wetter, dann habe ich ein bisschen Mitleid mit denen da ­drüben», sagt Harnisch. Viele der Gäste kommen wieder. Nicht wenige sind beim erneuten Besuch erstaunt, ja entsetzt, wie sehr sich der Gletscher im Laufe der Jahre ver­ändert hat, wie stark er seit dem letzten Besuch zurückgegangen ist. Harnisch nimmt dies relativ gelassen: «Ich halte es da mit dem griechischen Philosophen Heraklit, der sagte: Panta rhei – alles fliesst.» Dieses Motto ist auch auf einer Tafel bei der Kasse zu lesen: «Alles fliesst und nichts bleibt. Es gibt kein eigentliches Sein, nur ein ewiges Werden und Wandeln.»

Vom Schuhgeschäft zum Basar

Einen Wandel gab es auch im Leben der gelernten Kindergärtnerin Harnisch, die an der Briger Bahnhofstrasse jahrelang einen Schuhladen führte. Nach dem Tod ihres Mannes löste sie in den 1990er-Jahren das Geschäft auf. Die Mutter von Phi­lipp Carlen, dem Besitzer der Gletschergrotte, ist die Base von Sophie Harnisch. So hat es sich ergeben, dass sie vor über 20 Jahren die Leitung des Souvenirgeschäfts beim Furkapass übernommen hatte. Vor zwei Jahren, bei einem Auftritt in der TV-Sendung von Kurt Aesch­bacher, kündigte Harnisch an, beruflich kürzertreten zu wollen und ihr Pensum auf 50 Prozent zu reduzieren. Bis jetzt ist daraus nichts ­geworden, doch hat sie sich vor­genommen: «Nächstes Jahr, wenn ich 90 Jahre alt werde, ist es end­gültig Zeit aufzuhören hier am ­Rhonegletscher.»

Frank O. Salzgeber

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