Naters | Interview mit Nationalrat Philipp Matthias Bregy

«Ich bin zufrieden, dass Viola das Militärdepartement bekommen hat»

Der Natischer Gemeinderat Philipp Matthias Bregy wird Nachfolger von Viola Amherd im Nationalrat.
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Der Natischer Gemeinderat Philipp Matthias Bregy wird Nachfolger von Viola Amherd im Nationalrat.
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Der neue Nationalrat Philipp Matthias Bregy (40) erklärt, wieso das VBS ein gutes Departement für Viola Amherd ist und was für Schwerpunkte er in Bern setzen will.

Herr Bregy, als Nachfolger von ­Viola Amherd treffen Sie im ­Nationalrat Ihren Natischer ­Ratskollegen Franz Ruppen wieder. ­Betrachten Sie Ruppen eher als Kumpel oder als Konkurrenten?

Wir beide kennen und schätzen uns schon sehr lange. Bei der Wahl des Gemeindepräsidenten waren wir Konkurrenten, ja. Aber bereits am Tag der Wahl war für uns klar, dass wir zum Wohle von Naters an einem Strick ziehen und gut zusammenarbeiten werden. Wir werden diese Zusammenarbeit zum Wohle des Wallis in Bern fortsetzen.​

Mit Franz Ruppen und Ihnen hat ­Naters jetzt gleich zwei National­räte. Gab es dies schon jemals in der 170-jährigen Geschichte des ­Schweizer Bundesstaats?

Ich darf der 125. Walliser Nationalrat sein – nur vier davon kamen bisher aus Naters. Vor Franz Ruppen wurde in den 1970er-Jahren Paul ­Biderbost in den Nationalrat gewählt. Der erste Natischer Nationalrat hiess Meinrad Michlig. Im Wallis ist es übrigens nichts Ungewöhnliches, dass zwei Nationalräte aus der gleichen Gemeinde kommen. ­Oskar Freysinger und Mathias Reynard sowie der Nachfolger von Oskar Freysinger Jean-Luc Addor kommen ­allesamt aus Savièse.

Im Herbst 2019 sind wieder Nationalratswahlen. Betrachten Sie es als Nachteil, statt vier nicht einmal ein Jahr zur Verfügung zu haben, um sich für eine Wiederwahl zu empfehlen?

Klar, jeder Tag mehr im Parlament ist ein Vorteil. Ich werde in einem kurzen Zeitraum daher viel Präsenz markieren und einiges aufholen müssen. Aber ein Jahr ist besser als kein Jahr, deshalb betrachte ich es gleichwohl als Chance. In jedem Fall freue ich mich riesig darauf.

Wie sieht die politische Agenda von Nationalrat Philipp Matthias Bregy in Bern aus?

Das sind sicherlich alle Themen, die das Wallis betreffen wie die drohende Senkung der Wasserzinsen, der Vollausbau des Lötschbergs oder der interkantonale Finanzausgleich. Auch die Tourismuspolitik wird einen wichtigen Platz in meiner politischen Agenda behalten. Unsere touristische Infrastruktur muss verbessert und erneuert werden. Dabei ist gerade auch der Bund gefordert.

Was kann für den Tourismus auf Bundesebene bewirkt werden?

Der Bund muss mehr Geld für gute und innovative Tourismusprojekte, gerade in Rand- und Bergregionen, bereitstellen, so wie dies in Österreich oder im Südtirol schon längst und in grösserem Umfang geschieht. Am Signifikantesten sieht man dies wohl an den Bergbahnen und Hotels, wo die Schweiz gegenüber dem Ausland einen klaren Nachhol­bedarf hat. Ein anderer zentraler Punkt ist die verkehrstechnische Erreichbarkeit: Um ins Wallis reisen zu können, muss an den Verladestationen Furka und Lötschberg immer noch eine Art «Strafzoll» entrichtet werden. Das ist nicht akzeptabel. Die Verladestationen sind daher ins ­Nationalstrassennetz zu integrieren und über den entsprechenden Fonds zu finanzieren.

Ihre Vorgängerin im Nationalrat Viola Amherd wurde häufig als ­Mitte-Links-Politikerin bezeichnet. Politisiert Nationalrat Bregy jetzt konservativer?

In gesellschaftspolitischen Fragen bin ich sicherlich konservativer als Viola Amherd. In Wirtschaftsfragen werde ich aber, wie bis anhin im Grossen Rat, eine liberale Position einnehmen, so wie dies Viola Amherd übrigens auch gemacht hat. Wir müssen aber ehrlich sein: Überall wo wir – wie beim so eben erwähnten Tourismus – im Wettbewerb mit hoch subventionierten Unternehmen aus dem Ausland stehen, sind dem Liberalismus Grenzen gesetzt.

Viele aus der CVP sind enttäuscht, dass Viola Amherd ins Militärdepartement abgeschoben wurde. Das VBS machte ­unlängst mit Negativschlag­zeilen auf sich aufmerksam. ­Zudem steht im Rahmen der ­Erneuerung der Luftverteidigung eine schwierige Volks­abstimmung bevor, die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge.

Ich war von Anfang zufrieden, dass Viola Amherd das Militärdepartement übernommen hat. Im UVEK hätte sie in einem latenten und ­teilweise unlösbaren Konflikt mit dem Wallis gestanden. Wasser­zinsen, Zweitwohnungsproblematik, Raumplanung oder der Wolf sind nur einige Stichworte. Als erste Verteidigungsministerin der Schweiz wird sie ausgezeichnete Arbeit leisten. Ganz im Gegensatz zu ihrem Vorgänger Guy Parmelin, der im VBS wenig bewegt hat. Durch ihre sachbezogene Politik wird Viola Amherd im VBS für Ruhe und Ordnung und damit letztlich auch für mehr Sicherheit in der Schweiz sorgen. Zudem bin ich überzeugt, dass sie die neuen Kampfjets zum Fliegen und damit ein drohendes Leck in der schweizerischen Luft­sicherheit rasch schliessen wird.

Als Violas Nachfolger im Nationalrat sind Sie aus dem Grossen Rat zurückgetreten. Traurig, dass Sie jetzt auch nicht mehr länger beim FC Grossrat spielen dürfen…

(unterbricht schmunzelnd)… das ist immer noch möglich. Beim FC Grossrat dürfen neben den aktuellen auch ehemalige Grossräte mitspielen. Der FC Grossrat hat etwas über die Sprach- und Parteigrenzen hin Verbindendes. Das hilft, Beziehungen und Vertrauen unter den Par­lamentariern aufzubauen. Und wer weiss, vielleicht werde ich ja nun in den FC Nationalrat berufen.

Frank O. Salzgeber

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