Kolumne | Diese Woche zum Thema:

Bebt die Erde im Wallis nächstens nicht nur politisch?

Peter Bodenmann und Oskar Freysinger schreiben in der Rhonezeitung.
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Peter Bodenmann und Oskar Freysinger schreiben in der Rhonezeitung.
Foto: Mengis Media

Quelle: RZ 0

Der ehemalige SP-Schweiz-Präsident und Hotelier Peter Bodenmann und Alt-Staatsrat und Schriftsteller Oskar Freysinger im Wortgefecht.

Peter Bodenmann, ehemaliger SP-Schweiz-Präsident und Hotelier

Bebt die Erde im Wallis nächstens nicht nur politisch?

Früher oder später kommt es im Wallis zu einem grösseren Erdbeben. Wann, wissen wir nicht. Trotzdem müssen und können wir uns darauf vorbereiten. Gehen wir vier Problemzonen durch.

Erdbeben 1: Alle Versuche schweizerisch, eine solidarische Erdbebenversicherung zu schaffen, sind gescheitert. Unabhängig davon ob sie von links (Leutengger-Oberholzer) oder von rechts (Oscar Freysinger) kamen. Die Erdbebenregionen bleiben auf sich selbst gestellt.

Erdbeben 2: Die reiche Gemeinde Brig-Glis hat ihre eigenen Schulhäuser noch nicht erdbebensicher gemacht. Genauso wenig wie etwa die Simplonhalle. Die SVP-verseuchte Gemeinde subventioniert stattdessen Curlerinnen und Curler mit Millionen. Aber für die Sicherheit ihrer Jugend investiert sie nichts. Wie ist das möglich? Wer hat hier versagt? Warum schlafen die sonst immer besorgten Eltern? Müssten die Mütter den Verantwortlichen Ursprung, Brogli, Amoos, Chanton und Co. nicht endlich mit Aufsichtsbeschwerden Beine machen? Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Erdbeben 3: Wer einen Kredit von der Neuenburger Kantonalbank will, muss eine Erdbebenversicherung vorweisen. Sinnvoll wäre eine obligatorische Erdbebenversicherung für alle Gebäude in den Kantonen. Die Walliser Kantonalbank ist zwei Milliarden wert. Sie weigert sich bisher – im Gegensatz zu Neuenburg und Baselland – von ihren Kunden eine obligatorische Erdbebenversicherung zu verlangen. So wie dies die SP im Grossen Rat seit Jahr und Tag fordert. Hier besteht dringender Handlungsbedarf, weil der Kanton für seine Kantonalbank haftet.

Erdbeben 4: Politisieren ist antizipieren. Man muss und kann bestehende Gebäude so sicher machen, dass möglichst wenig Menschen Opfer eines grossen Walliser Erdbebens werden. Aber viele dieser Bauten müssen nach einem grossen Erdbeben trotzdem abgebrochen werden. Weil Renovationen unter dem Strich oft teurer kommen als Neubauten. Das kann auch eine Chance sein, wenn man sich darauf vorbereitet. Damit man den Wiederaufbau nicht so kopflos anpackt wie in Gondo. Mehr dazu ein andermal.

Wir haben einen Verfassungsrat. Drei Grundsätze gehören in die neue Verfassung: Erstens die Gemeinden müssen ihre Schulhäuser, Versammlungszentren und Kirchen erdbebensicher machen. Zweitens die Walliser Kantonalbank darf Hypokredite nur vergeben, wenn sie dank Erdbebenversicherung keine unnötigen Risiken eingeht. Und drittens muss der Kanton sich vorbereiten, dass am Tag nach dem grossen Beben Chancen genutzt werden.

Das alles hat mit rechts und links gar nichts zu tun. Sondern mit gesundem Menschenverstand.


Oskar Freysinger, ehemaliger SVP-Staatsrat und Schriftsteller

Nicht vor einem Beben zittern, sondern handeln

Vor ein paar Wochen bebte die Erde im Sanetschgebiet. Es wurden viele kleine Stösse registriert. Schäden gab es keine. Trotzdem weist diese seismologische Aktivität auf das Gefahrenpotenzial hin, das Erdbeben im Wallis darstellen.

Insbesondere die Rhoneebene im Mittelwallis ist gefährdet, weil ein Beben dort aufgrund der abgelagerten Sedimente und des damit zusammenhängenden Gelee-Effekts um das Zehnfache verstärkt und zeitlich verlängert werden kann. Die Seitenhänge sind aufgrund des felsigen Untergrunds weniger gefährdet.

Das letzte grosse Beben im Wallis fand 1946 in der Region Siders/Sitten statt. Seine Magnitude lag bei 6,1 auf der Richterskala. Vier Menschen wurden dabei getötet, die Situation geriet zeitweise ausser Kontrolle und die Sachschäden waren erheblich. Was hat sich seither getan?

Unter meiner Leitung wurde in der HES-SO Wallis ein Simulator eingerichtet, auf dem Schulklassen und Bevölkerung die Wucht eines Erdbebens erleben und das richtige Verhalten einüben können.

Es wurde zudem der Versuch gestartet, schweizweit eine Erdbebenversicherung einzuführen, was im Parlament scheiterte. Auch eine kantonale Lösung kam nicht zustande, weil nicht genügend Kantone mitmachen wollten. Bleibt also nur die Lösung einer privaten Erdbebenversicherung.

Ein Umstand, der das Schadenpotenzial im Fall eines Bebens im Mittelwallis in die Höhe treibt, ist der Umstand, dass sich die Bausubstanz um ein Vielfaches vervielfältigt hat. Die möglichen Schäden werden sich nicht wie 1946 auf 28 Millionen Franken beschränken, sondern möglicherweise in die Milliarden gehen. Die neuen seismischen Normen SIA 260 bewirken zwar, dass Neubauten relativ erdbebensicher sind. Im Fall von Sanierungen (wie beim Hochgebäude der Walliser Polizei in Sitten) konnten seismische Massnahmen getroffen werden. Die ältere Bausubstanz wie insbesondere in den Stadtzentren Sitten und Siders bleibt jedoch nach wie vor gefährdet.

Der Kanton ist seit einigen Jahren dabei, eine präzise Gefährdungskarte zu erstellen, damit im Fall eines Bebens zumindest kein Chaos entsteht, Rettungsmassnahmen gezielter und schneller eingeleitet und Spendengelder sowie andere finanzielle Zuschüsse den am meisten Betroffenen rascher zugeleitet werden können. Auch die Zusammenarbeit mit den Versicherungen wurde optimiert.

Dass es im Wallis in Zukunft wieder zu einem heftigeren Beben kommen wird, ist sehr wahrscheinlich. Wie und wo genau, ist schwer vorhersehbar. Wir können lediglich dafür sorgen, dass der Schaden so gering wie möglich ist.

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