Region | Digitale Dorfplätze als Patentlösung?

Bergdörfer rüsten für die Zukunft

Emanuel Forny arbeitet selbst von einem Coworking Space aus.
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Emanuel Forny arbeitet selbst von einem Coworking Space aus.
Foto: RZ

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Um zukunftsfähig zu werden, sollen Berggemeinden digitale Dorfplätze schaffen. In Ernen und Eischoll wurden bereits erste Ideen zur konkreten Umsetzung ausgetauscht, in Saas-Fee und Guttet-­Feschel folgen sie noch.

In Eischoll und Ernen haben die Diskussionen bereits im März ­begonnen, in Saas-Fee und Guttet-Feschel sollen sie Ende Mai statt­finden. Auch Fieschertal gehört zu den fünf Walliser Berggemeinden, die im alpenweiten Projekt «Smart-Villages» dabei sind; ein Workshop ist dort aber nicht geplant. In den vier anderen Gemeinden wird aber bereits über den digitalen Dorfplatz diskutiert, um die Abwanderung zu bremsen, neue Anwohner anzu­locken – oder generell zukunfts­fähig zu werden.

Tagsüber leere Bergdörfer

Derzeit entleeren sich die meisten Bergdörfer jeweils tagsüber. «In ­Eischoll verlassen etwa 138 Pendler täglich das Dorf und legen auf dem Weg zur Arbeit jährlich etwa 1,34 Millionen Kilometer zurück, in ­Ernen sind es sogar 150 Einwohner, die dafür aber etwas weniger weit pendeln, nämlich nur 1,19 Millionen Kilometer pro Jahr», erfährt man beim Steger Emanuel Forny, der von Montag bis Mittwoch für das VillageOffice in Zürich arbeitet. Er ist es auch, der die Gespräche mit den Einwohnern von Ernen und ­Eischoll geleitet hat. Für ihn ist klar: «Der digitale Dorfplatz könnte eine Massnahme sein, damit Berg­gemeinden zukunftsfähig werden.»

Neuer Dorf-Treffpunkt

Eine Massnahme könnten mit Computern, Internet und Sitzungs­zimmern ausgestattete Coworking Spaces sein. Im Oberwallis existiert erst in Eischoll etwas Vergleich­bares. In den Coworking Spaces soll man sich zum stunden- oder gar ­tageweisen Arbeiten treffen können, aber genauso zum Kaffeeklatsch oder um neue Ideen zu entwickeln. «Der digitale Dorfplatz soll mehr sein als nur ein öffentlich zugänglicher Bürotisch mit einem Stuhl, sondern ein neuer Dorf-Treffpunkt», betont auch Peter ­Niederer, Vizedirektor der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Berggebiete (SAB), deren Direktor Thomas Egger ist und unter dessen Leitung die Digitalisierung der Bergdörfer vorangetrieben werden. So könnten etwa Kinder-Tagesstätten oder kleine Restaurants in diese öffentlich zugänglichen Büroräume integriert werden. Auch in manchen Coworking Spaces, in denen Forny arbeitet, sind kleine Restaurants integriert. «Trotzdem sind wir mit einer Tür etwas abgetrennt und haben auch ruhige Räume zur Verfügung, um mal ungestört zu telefonieren», erzählt Forny.

Spurgruppen konkretisieren

«In Tourismusdestinationen könnten die Coworking Spaces ­sogar von Touristen oder Zweitwohnungsbesitzern genutzt werden, um selbst vom Urlaubsort aus mal einen halben Tag zu arbeiten», meint Forny. Ob diese Idee in Saas-Fee jedoch aufgegriffen wird, ist für Gemeindeschreiber Bernd Kalbermatten noch offen. Dort, ebenso wie in Guttet-Feschel, sollen erste Workshops mit der Bevölkerung erst im Mai stattfinden. Ohnehin muss in jeder der fünf Pilot-Gemeinden individuell festgelegt werden, wie sich die Digitalisierung konkret umsetzen lässt. Zumal bei den Diskussionen, die Forny in Ernen und Eischoll bereits geleitet hat, auch der Wohnraum, die Kinderbetreuung und die Mobilität als vordergründige Notwendigkeiten genannt wurden, um zukunftsfähig zu werden. Es wurden auch bereits Spurgruppen, in Ernen mit elf, in Eischoll mit 13 Teilnehmern gebildet, welche die von den Gesprächsteilnehmern vorgespurten Themen nun weiterentwickeln und konkretisieren wollen.

Christian Zufferey

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