Zweitwohnungsbau | Bitsch liegt bei Quote doch über 20 Prozent

Bundesamt pfeift Bitsch bei Zweitwohnungsbau zurück

Der Anteil an Zweitwohnungen in Bitsch ist höher als gedacht.
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Der Anteil an Zweitwohnungen in Bitsch ist höher als gedacht.
Foto: Walliser Bote

Quelle: RZ 0

Das Bundesamt für Raumentwicklung hat den Prozentsatz an Zweitwohnungen in Bitsch neu bewertet. Bis mindestens im nächsten Jahr dürfen daher in der Gemeinde keine Zweitwohnungen mehr gebaut werden.

Noch im Frühling sah die Welt in Bitsch rosig aus. Stolz verkündete die Gemeinde in der Person von Gemeindepräsident Edgar Kuonen, dass der Zweitwohnungsanteil in der Gemeinde unter die Marke von 20 Prozent gefallen, und der Bau von Zweitwohnungen somit wieder möglich sei. Zwar müsse man noch den entsprechenden Nachweis erbringen, dass der Zweitwohnungsanteil tatsächlich gefallen sei, doch «diesen Nachweis zu erbringen, ist kein Problem», liess sich Kuonen im «Walliser Boten» zitieren.

Doch ein Problem

Allerdings war Kuonen mit seiner Einschätzung wohl etwas voreilig. Denn das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) hat die Gemeinde zurückgepfiffen. Konkret liegt der Anteil an Zweitwohnungen wieder über 20 Prozent, was bedeutet, dass in Bitsch vorerst keine weiteren Zweitwohnungen mehr gebaut werden dürfen. Der Grund dafür, dass der Prozentsatz an Zweitwohnungen ­höher liegt als von der Gemeinde angenommen ist die Tatsache, dass sechs der als Erstwohnungen klassierten Immobilien länger als zwei Jahre leer stehen, wie Lukas Kistler, Kommunikationsbeauftragter des Bundesamts für Raumentwicklung, auf Anfrage der RZ schriftlich bestätigt. «Ob eine Wohnung mehr oder weniger zwei Jahre lang leer steht, können wir über das Gebäude- und Wohnungsregister feststellen», schreibt Kistler weiter.

Nicht nur in Bitsch

Die Gemeinde Bitsch stellt dabei jedoch keinen Einzelfall dar. «Bitsch ist nicht die einzige Gemeinde, bei der das ARE einen anderen Zweitwohnungsanteil berechnete als die Gemeinde selbst. Wir haben im laufenden Jahr auch Wohnungsinventare anderer Gemeinden nicht akzeptiert», so Kistler. Auch wenn die Gemeinden die Richtig- und Vollständigkeit der Angaben bestätigen würden, prüfe das ARE immer die entsprechenden Angaben, jedoch nicht, weil man kein Vertrauen habe. «Stellen wir Abweichungen zwischen den von den Gemeinden angegebenen Zahlen und den von uns erhobenen Daten fest, gehen wir nicht von einer Täuschungsabsicht aus», schreibt Kistler weiter. «Oft handelt es sich um fehlende Ressourcen, das Gebäude- und Wohnungsregister korrekt zu führen, oder die Daten und Angaben zu erheben und zu verifizieren.» Gerade Gemeinden wie Bitsch, deren Zweitwohnungsanteil knapp bei 20 Prozent liege, hätten einen hohen Aufwand für die Nachführung der Daten, weshalb es zu Unstimmigkeiten kommen könne.

Ärger bei der Gemeinde

Wie hoch der Anteil an Zweitwohnungen in Bitsch momentan genau ist, kann das ARE indes nicht beziffern. «Der Zweitwohnungsanteil in der Gemeinde Bitsch lag am 31. 12. 2017 nach unserer Prüfung knapp über 20 Prozent», schreibt Kistler. «Eine Bestätigung der Gemeinde, dass die Daten vollständig nachgeführt sind, liegt derzeit nicht vor.» Deshalb könne man keine verlässlichen Angaben zum aktuellen Zweitwohnungsanteil von Bitsch machen. Ende 2018 würden aber wieder alle Wohnungsinventare der Gemeinden erhoben und Ende März 2019 veröffentlicht, so das ARE weiter. Der Bitscher Gemeindepräsident Edgar Kuonen ist indes ­wenig begeistert über die Nachrichten aus Bundesbern. «Die Mitteilung des Bundes bestätigt die Absurdität des Zweitwohnungsgesetzes», sagt er. «Ehemalige Erstwohnungen, welche mehr als zwei Jahre leer stehen, werden nach diesem Gesetz zu Zweit­wohnungen. Es scheint fast so, als versuche das ARE, die Gemeinden über die 20-Prozent-Marke zu drücken.» Die Gemeinde Bitsch halte jedoch fest, dass der Zweitwohnungsanteil mittelfristig wieder unter die 20-Prozent-Marke fallen werde, da der aktuelle Bauboom von Erstwohnungen den Anteil der Zweitwohnungen sinken lasse. Dann könnte in Bitsch wieder der eine oder andere Bau einer ­Zweitwohnung bewilligt werden.

Martin Meul

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