Kolumne | Diese Woche zum Thema:

Das 1. Gebot der Öko-Religion: Du sollst nicht zweifeln!

Peter Bodenmann und Oskar Freysinger schreiben in der Rhonezeitung.
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Peter Bodenmann und Oskar Freysinger schreiben in der Rhonezeitung.
Foto: Walliser Bote

Quelle: RZ 0

Der ehemalige SP-Schweiz-Präsident und Hotelier Peter Bodenmann und Alt-Staatsrat und Schriftsteller Oskar Freysinger im Wortgefecht.

Peter Bodenmann, ehemaliger SP-Schweiz-Präsident und Hotelier

Stirbt der Bortelgletscher doch nicht?

Ist die Erde eine Scheibe, um die sich alles dreht? Oder eine Kugel, die sich um die Sonne dreht? Die Aufklä-
rung ist kein Kind der katholischen Kirche, kein Baby der Religion. Im Gegenteil: Wer gegen die Scheiben-Theorie war, musste widerrufen oder landete auf dem Scheiterhaufen.

Der Motor guter Wissenschaft und Politik ist der permanente Zweifel. Man muss mit dem Kopf des anderen denken. Und mit dem Bauch des Gegenübers fühlen.

Es gibt auf der Welt immer mehr ­bestens ausgebildete Klimaforscher. Ihre Modelle werden laufend präziser, auch wegen der immer schnelleren Rechner unserer ETH.

Mehr als 95 Prozent der Klimaforscherinnen und Klimaforscher kommen zum gleichen Schluss: Es ist fünf vor zwölf. Ursache der Klimaerwärmung ist der fossile Kapitalismus. Und somit die von uns verursachten Emissionen. Die Welt kann und muss die Erwärmung auf durchschnittliche 1,5 Grad begrenzen. Wenn nicht, gerät das Klima absehbar ausser Kontrolle.

Das Wallis ist bereits heute stärker betroffen als andere Regionen. Weil die Erwärmung bei uns höher ist als im Durchschnitt und deshalb die Gletscher schneller wegschmelzen.

Daneben gibt es eine kleine Schar von Klimaleugnern. Für sie gab es immer Zeiten mit mehr oder weniger Gletschern. Für sie sind Sonnenflecken-Aktivitäten entscheidender als das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas.

Wer hat recht? Wir haben das Glück, dass der Einstieg in den solaren Kapitalismus wirtschaftlich kein Pro­blem ist. Im Gegenteil: Er rechnet sich dank dem technologischen Fortschritt auch wirtschaftlich.

«Der Einstieg ins ­Solarzeitalter rechnet sich so oder so»

Schritt 1: Wir müssen den Einbau neuer Ölheizungen verbieten. 200 000 Liter Öl verbrennen, wie dies das Baugesuch des Occasionsspitals vorsieht, geht gar nicht. Und bis 2032 müssen wir sinnvollerweise alle bisherigen Ölheizungen durch effiziente Wärmepumpen ersetzen. Dies rechnet sich, weil die Luft-Wasser-Wärmepumpen immer leiser, effizienter und billiger werden.

Schritt 2: Volkswagen setzt voll auf das Elektroauto. Wir werden in Zukunft pro 100 Kilometer durchschnittlich nur 15 Kilowattstunden Strom benötigen.

Schritt 3: Aus der Lonza kann und muss eine Zero-Emission-Fabrik werden. So wie dies der zurückgetretene CEO Ridinger versprochen hat.

Schritt 4: Flugzeuge müssen spätestens ab 2033 nur mehr Treibstoffe tanken dürfen, die synthetisch aus Wind- und Sonnenenergie hergestellt werden.

Verzichten muss niemand. Denn dieser Umstieg kommt uns billiger zu ­stehen als weiterhin Kohle, Öl und Gas verbrennen. Und wenn sich im Nachhinein herausstellen sollte, dass die Klimaleugner recht hatten? Spielt keine Rolle, denn wir hätten trotzdem das Richtige getan.


Oskar Freysinger, ehemaliger SVP-Staatsrat und Schriftsteller

Du sollst nicht zweifeln!

Nein, das Klima ist nicht gerade erst von den Grünen erfunden worden. Neu ist, dass daraus eine Universalreligion mit ihren Priestern, Riten, Dogmen und Prangern entstanden ist.

Die neuen Jehova-Apokalyptiker warnen: In elf Jahren ist alles aus!

Nun wird wacker geglaubt und demonstriert, statt zu argumentieren und zu hinterfragen. «Du sollst nicht zweifeln!» heisst das erste Gebot der Öko-Religion. «Dem IPCC muss geglaubt werden», beschwor selbst der «Mediapart-Fritze» kürzlich auf Kanal 9. Dabei beruhen die Orakel des IPCC fast ausschliesslich auf Computermodellen und strafen die Feldanalysen systematisch mit Nichtbeachtung, wenn sie nicht «wissenschaftlich» untermauern, dass der Mensch der alleinige Verantwortliche für den Klimawandel ist, obwohl er nur vier Prozent des globalen CO2 produziert – das sind 0,00152 % der Luft.

Wo die Wissenschaft zur Glaubensfrage geworden ist, interessieren solarer Einfluss, Vulkanismus, Gulfstream, Verschiebung der Weltachse und andere mit­beteiligte Ursachen der Klimaphänomene niemanden. Dass der IPCC seine Modelle mehrmals gravierend revidieren musste und zugab, dass er die Fakten «angepasst» – das heisst «frisiert» – hat, fällt angesichts der Riesengeschäfte, die sich mit dem neuen Dogma machen lassen, nicht ins Gewicht: Drittweltländer bekommen über den scheinheiligen Ablasshandel mit Zertifikaten Geld. Die Klimaforscher erhalten unter der Bedingung, dass sie den angesagten Weltuntergang «wissenschaftlich» untermauern, massiv Staatsgelder. Die Atomlobby ihrerseits unterstützt das Elektroauto, denn sie verspricht sich ­angesichts der zu erwartenden erhöhten Stromnachfrage einen Kernfrühling (zurzeit werden in China hundert neue Kernkraftwerke gebaut!).

Ziel der Übung ist die Globalisierung des menschlichen Bewusstseins zwecks Beerdigung der ­Nationalstaaten.

Sofort sind FDP und CVP auf den Öko-Strich gegangen und kriechen nun händeringend in Richtung Tofu und Grünwäsche, denn die neue Hölle erscheint als CO2-produzierender Verbrennungsmotor und das Paradies als Komposthaufen. Der neue Gott heisst Gaïa und ist Veganer.

Dabei ist die Schweiz weltweit das leistungsfähigste Land in Sachen Umweltschutz. Sie soll ruhig weiter auf Innovation und Techno­logie setzen. Statt zu demons­trieren, soll die Jugend Physik, Biologie und Chemie studieren.

Der Plastik gehört weg! Ja zum Wasserstoff! Ja zu gesunder Luft, zum Wohl von Mensch und Tier, aber auf vernünftige Weise.

«Die Welt ist verloren», sagen die Klimapropheten.

«Und sie dreht sich doch!» Würde Galilei antworten.

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