Goms | Kritik an Kurtaxenerhöhung

Erklärungsnot infolge der Kurtaxenerhöhungen?

Ein Teil der Mehreinnahmen durch die höheren Taxen soll im Goms in eine Gästekarte fliessen.
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Ein Teil der Mehreinnahmen durch die höheren Taxen soll im Goms in eine Gästekarte fliessen.
Foto: zvg

Quelle: RZ 23

Dank höherer Kurtaxen sollen im Goms die touristischen Leistungen verbessert werden. Doch was heisst das konkret? Befindet sich Obergoms Tourismus in Erklärungsnot? Nein, heisst es seitens des Tourismusverbands. Konkrete Projekte würden schon bald lanciert.

Vielerorts laufen vor allem die Zweitwohnungsbesitzer gegen die neuen Kurtaxenreglemente Sturm. Von Abzocke und Ausbeutung ist die Rede. Im Goms drohen daher beispielsweise einige Zweitwohnungsbesitzer, das lokale Gewerbe zu boykottieren, in Saas-Fee muss sich der Staatsrat mit 15 Einsprachen gegen die neue Regelung befassen. Ein Entscheid wird hier bis Ende Monat erwartet.

Gästekarte als Gegenwert im Goms

Die Tourismusverbände halten die Kritik an den Erhöhungen derweil für verfehlt. Von den über die höheren Kurtaxen zusätzlich generierten Mitteln würden alle profitieren, kontern sie unisono die Kritik der Zweitwohnungsbesitzer. Im Goms beispielsweise, wo Obergoms Tourismus mit den höheren Kurtaxen pro Jahr 600 000 zusätzliche Franken generieren will, soll eine Gästekarte den versprochenen Mehrwert bringen. «Der Gast bekommt etwas für sein Geld», versichert Roberto Imoberdorf, Geschäftsführer von Obergoms Tourismus. Die Zweitwohnungsbesitzer sehen dies jedoch anders und werfen den Tourismusorganisationen Phrasendrescherei vor. Bruno Imsand von der Gommer IG der Zweitwohnungsbesitzer sagte gegenüber dem «Sonntags Blick»: «Es ist nicht klar, was der Vorteil dieser Karte ist.»

Erklärungsnot des Tourismusverbands?

In der Tat scheint es, als ob die Tourismusorganisation den Zweitwohnungsbesitzern nicht schlüssig vermitteln kann, warum die Kurtaxen, sowohl für Einzelübernachtungen als auch die Pauschalen, um mehr als 100 Prozent erhöht wurden. Das lässt Roberto Imoberdorf aber nicht gelten. «Die Regions- und Wirtschaftszentrum Oberwallis AG (RWO) arbeitet aktuell am Projekt zur Einführung einer regionalen Gästekarte. Wir sind hier Teil der Pilotregion. Im Rahmen dieses Projekts erarbeitet man mögliche Leistungen, welche die Gästekarte enthalten soll», sagt er. «Das Projekt soll bis Ende Oktober abgeschlossen sein.» Von den 600 000 Franken Mehreinnahmen soll die Hälfte für Leistungen dieser Gästekarte eingesetzt werden. Welche Leistungen die Gästekarte enthalten soll, ist derzeit aber noch nicht klar. Der RWO schwebt eine Karte nach dem Vorbild des Bürgerpasses in Saas-Fee oder der Goldcard in Grächen vor. Allerdings hat das Projekt Schwierigkeiten. Dem Projektbericht der RWO vom Dezember 2016 ist nämlich zu entnehmen, dass man im Zeitplan zurückliegt. Grund dafür sind Verzögerungen bei der Arbeit in Arbeitsgruppen und Schwierigkeit bei der Terminfindung. Für Imoberdorf eine unangenehme Sache, denn so muss er die Zweitwohnungsbesitzer noch länger vertrösten, ohne konkrete Vorteile der Karte nennen zu können. Bei der Verwendung der anderen Hälfte der Mehreinnahmen wird der Geschäftsführer allerdings konkreter. «300 000 Franken pro Jahr werden in die Verbesserung der touristischen Infrastruktur wie Wander- und Bikewege gesteckt», sagt Imoberdorf. Weiter betont Imoberdorf, dass keine Querfinanzierung für Projekte, beispielsweise seitens der Gemeinden, stattfinden würde. «Das kantonale Gesetz regelt die Verwendung der Mittel», hält er fest. «Sämtliche Mittel aus den Kurtaxen sind zweckgebunden wieder dem Tourismus zuzuführen.»

Aktien für Zweitwohnungsbesitzer

Im Streit mit den Zweitwohnungsbesitzern hat Obergoms Tourismus vergangene Woche einen Schritt auf die IG zugemacht. «Der Verwaltungsrat der Obergoms Tourismus AG hat der IG Zweitwohnungen Goms ein Aktienpaket zum Kauf angeboten», sagt Imoberdorf. «Nehmen die Zweitwohnungsbesitzer an ihrer Mitgliederversammlung diese Kaufoption wahr, erhalten sie auch einen Sitz in unserem Verwaltungsrat.» Die IG dürfte Anfang März über das Angebot entscheiden. Was die grundsätzliche Kommunikation in Sachen Kurtaxenreglement betrifft, räumt Imoberdorf gewisse Fehler ein. «Meiner Meinung nach hätte man vielleicht etwas proaktiver kommunizieren müssen, um Unklarheiten bereits im Vorfeld besser aus dem Weg zu räumen», sagt er.

Einsitz ins «Grächner Parlament»

Auch Grächen arbeitet zurzeit intensiv an einer Kurtaxenanpassung. Das Modell richtet sich im Wesentlichen nach bereits bekannten Reglementen wie beispielsweise in Leukerbad oder aber im Goms. So wird der Ansatz der Einzelübernachtung von heute 2 Franken 50 auf neu drei Franken pro Nacht angehoben. Auch die Zweitwohnungspauschale erfährt eine Erhöhung. Hier erscheint der «Gegenwert» aber als ungleich deutlicher. So erhalten Zweitwohnungsbesitzer die Bergbahnabos (Sommer und Winter) zum Einheimischentarif. Dem Vernehmen nach kostet das Abo demnach gut 100 Franken weniger. Als weitere Gegenleistung erhalten die Zweitwohnungsbesitzer, welche beabsichtigen, sich künftig als Verein zu formieren, Einsitz in den zwei Mal jährlich stattfindenden «runden Tisch» («Parlament» aus Vertretern der Ferienwohnungen, Touristischen Unternehmung, Skischulen, Hoteliers usw). Das Reglement hat bereits einige Hürden genommen und, wie es heisst, habe es an einer Konsultativabstimmung eine Zweidrittelmehrheit erhalten. Der politische Entscheid der Urversammlung steht jedoch noch aus. Die geplante Abstimmung wurde verschoben, weil in anderen Gemeinden mit ähnlichen Reglementen Einsprachen eingegangen seien. Diese Entscheide wolle man zuerst abwarten, heisst es in Grächen.

Martin Meul
Peter Abgottspon

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Kommentare

  • Heimweh-Gommer - 164

    Habe heute eine Offerte( 6stellige ) für den Umbau meiner Ferienwohnung im Goms verlangt und zwar bei einem Unternehmen im Bezirk Brig. Da die Gommer nur noch an sich denken und einkassieren wollen ( neue Kurtaxe ) sollen sie auch meine Arbeit nicht erhalten.

  • üSSERSCHWIZER - 332

    Weil ich vor Jahren bereits geahnt habe, dass sich die finanzielle Belastung für meine Zweitwohnung im Wallis unverhältnismässig steigend bewegen wird, habe ich sie abgeschoben. Wir Schweizer werden mit allen möglichen indirekten Steuern ausgenommen wie eine Gans.

  • Grunder Einwohner - 4214

    Im Saas-Grund ist es nicht besser. Der Grunder Gemeindepräsident Bruno Ruppen lässt stattdessen eine Konsultativabstimmung über die Zukunft der WinterCard und lokalen Bergbahnen durchführen - gemäss heutigem Schreiben des Verwaltungsrats der Bergbahnen Hohsaas AG an die Bevölkerung als Bruno Ruppen's Einzelaktion und "Machtgehabe". Kurtaxenpflichtige Zweitwohnungsbesitzer hat der Gemeindepräsident jedoch an seinen Zirkus ausdrücklich nicht eingeladen: "Eingeladen zu dieser Veranstaltung sind alle Bewohnerinnen und Bewohner mit Wohnsitz in Saas-Grund" ...

  • Grusig - 336

    Warum verkauft Goms nicht die wunderschönen Kunst/Nacktgestalten wo öffentliche Plätze>Wanderwege Zieren, würde bestimmt mehr einbringen als eine Kurtaxen Erhöhung.

  • Erich - 2361

    Viele Destinationen in der Schweiz sind viel teurer. Alle wollen das alles verfügbar ist. Es soll absolute Ruhe herrschen. Aber das wichtigste, es darf nichts kosten. Die Gäste des Goms sind Billige , billige Gäste. Nicht nur im Portemonnaie.

    • André - 349

      Stell dir vor, wir billigen Gäste sind in Österreich herzlich willkommen.

    • Roli - 305

      Lieber Erich, intelligente und gut ausgebildete Menschen verlassen leider das schöne Tal. Und wer bleibt wohl..., mit ihrem Kommentar haben sie die Antwort gleich selbst verfasst.

    • Üsserschwizer - 6114

      Lieber Erich, du irrst dich gewaltig. Nicht wir wollen alles, sondern die Tourismusverantwortlichen machen den ruinösen Wettbewerb mit - notabene ohne Absprache, Kozept und ohne unser Einverständnis. Jeder will alles anbieten. Angeblich um den Anschluss (?) nicht zu verpassen. Vermutlich wenn einige konkurs gehen...
      Als Pensionär benutze ich weder den Pumptrack noch den Kinderhütedienst oder fahre im Sommer jeden Tag Gratissessellift. Den Risikosport Skifahren musste ich aufgrund gesundheitlicher Gründe aufgeben. Und als Halbtaxabonnent bringt mir die Gästekarte gar nichts.
      Das mit den billigen Gästen, das nehme ich hingegen ERNST, deshalb kehre ich dem Goms in Zukunft auch den Rücken. Offensichtlich hat das Goms genug Gäste, die nicht so billig sind wie ich.

  • Karl - 5413

    Das ist doch nicht nur in Goms so. Auch in Leukerbad, Inden, Albinen usw. erhält man für einen massiven Kurtaxenaufschlag 10% Rabatt für die Torrentbahnen. Was sich hier der Kanton ohne demokratische Abstimmung geleistet hat ist gelinde ausgedrückt eine Frechheit! Da sollten sich die Walliser ein Beispiel an der Gemeinde Klosters ein Beispiel nehmen. Dort wurde gegen eine Erhöhung der Kurtaxen von den Einwohnern abgestimmt. Das nenne ich Zusammenhalt von Zweitwohnungsbesitzer und Einheimischen.

  • Franco Belltrani - 6015

    Die Nachfrage nach Unterkünften, Bergbahn-Tickets, Skikursen, Leihskiern, Brötchen, Milch - und allem anderen auch - sinkt und sinkt. Es kommen immer weniger Gäste. Und die Reaktion der Verantwortlichen ist die Erhöhung der Kurtaxe. Eine Bevölkerung, die das mit sich machen lässt, hat nichts besseres Verdient!

  • Üsserschwizer - 6713

    Meine lieben Gommer/Innen, liebe Einheimische. Ich habe es einfach satt, im Goms nicht mehr als normaler Gast behandelt - sondern als Eigentümer einer Ferienwohnung nur noch ausgenommen zu werden. Hätte ich ein Zelt und nicht eine Ferienwohnung, wäre ich schon lange weg.
    Der Wegzug ist jedoch beschlossene Sache - obschon mir bewusst ist, ein sehr schönes Tal zu verlassen.
    Vielleicht werdet ihr glücklicher mit reichen Fremden im Goms, als mit uns Üsserschwizer.

  • G. Bregy - 4813

    Da wäre der Präfekt gefordert ! Warum hört man von ihm nichts, sonst ist dieser auch bei jeder Gelegenheit präsent.

    • ZZTop - 146

      es gibt keine Warmspeisen und wenn nur ein halbes Glas Montangner.

    • Tom - 278

      Ganz einfach, der muss sich in Szene setzen bei Jägern. Denn diese Problematik ist diesem Herren zu komplex.

  • Gast - 465

    Weniger ist mehr, aber vermutlich scheuen sich die Gommerverantwortlichen vor zuviel Arbeit.

  • Zweitwohnungsbesitzer - 6314

    Die Frage ist doch, wie im Krimi: cui bono? Wem nützt's? Dem durchschnittlichen Zweitwohnungsbesitzer werden 600 Franken pro Jahr oder mehr zusätzlich aus der Tasche gezogen. Dafür soll er, vielleicht, irgendwann, irgendwelche wahllosen Wohltaten erhalten - die er entweder nicht braucht oder vorher mit diesem Geld (oder weniger) selbst bezahlt hat. Was braucht der Langläufer Bergbahnermässigungen, der ältere Wanderer Snowparks?

    Nützen tut diese Art der Umverteilung nur wenigen: den Dorfkönigen, die mit dem den "Gästen" (so hiess das früher mal) zwangsweise abgenommenen Geld ihre Klientel versorgen können, die im Gegenzug irgendwelche bisher nicht nachgefragten Dienstleistungen erbringen oder auf einem gemütlichen Pöstchen irgendwo in der Tourismusorganisation unterkommen.

    • Suzie Quamber - 4210

      Der Fisch stinkt immer am Kopf zuerst.

  • Beobachter - 609

    Das Allheilmittel - die einzigen innovativen Ideen unserer Verantwortlichen bestehen darin, die Gebühren und Steuern zu erhöhen.

  • Tom - 689

    Wenn ich durchs Goms fahre sehe ich nur Autoschlangen welche zum Autoverlad wollen. Abgesehen vom Winter ist es nicht mal möglich irgendwo ein Kaffee zu trinken. Alles geschlossen. Und da wir auch keine Kurtaxe helfen.

  • martin - 705

    Kapital Einheimische !!!
    Um ein Tal wie Goms am Leben zu erhalten, braucht es nicht noch teuere Kurtaxen sondern Familien mit festem Wohnsitz .

  • EX-GOMMER - 785

    Schuster bleib bei deinen Leisten "Goms ist kein St Moritz oder Gstaad. Kleiner Tipp " Goms als eine Einheit vermarkten Preise flach halten und vom hohen Ross absteigen.

    • Gommergast - 549

      Frage an den Ex-Gommer: Wieso setzen die Verantwortlichen den heissen Tipp nicht um?

      Viele Eigentümer von Ferienwohnungen die nicht vermieten wollen oder können (alte Wohnung, etc) sind am Verzweifeln ob der Sturheit im Gommer Tourismus.

      Das Geschwätz um die Gästekarte nervt sehr. Wir sind nämlich nicht blöd, tatsächlich in der geistigen Lage, die Leistung und Gegenleistung s e l b s t beurteilen zu können.

      Viele sind an einer Gästekarte überhaupt nicht interessiert, werden aber ohne jegliches Stimmrecht genötigt, diese mit einer völlig überrissenen Kurtaxenpauschale zu finanzieren.
      Zudem ist es uns verboten, den Aufenthalt nicht mehr pro Übernachtung abzurechnen. So behandelt man keine Gäste, sondern unerwünschte Personen.

    • Ruedi L - 2637

      Ja genau, war grad 1 Tag in Zermatt und bin nun froh wieder im ruhigeren Goms zu sein.
      Hier also sanfter und nachhaltiger Tourismus vom Schlagwort mit wertvollen Inhalten füllen. Die einheimische Kultur unterstützen, zB mit dem Besuch von Ausstellungen, Konzerten, Lesungen. Es läuft so Einiges, das gepflegt werden muss.

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