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Gewalt auf Fussballplätzen – jetzt spricht der Präsident

Aristide Bagnoud ist Präsident des Walliser Fussballverbands.
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Aristide Bagnoud ist Präsident des Walliser Fussballverbands.
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Quelle: RZ 0

Der Walliser Fussballverband beginnt in dieser Saison mit den Feierlichkeiten zum 100-Jahr-Jubiläum. Präsident Aristide Bagnoud spricht über Herausforderungen, Gewalt auf dem Fussballplatz und Lösungen.

Aristide Bagnoud, der Walliser Fussballverband (WFV) feiert diese Saison sein 100-Jahr-Jubiläum. Was wünschen Sie dem Verband?

Es ist mir ein grosses Anliegen, dass sämtliche Veranstaltungen, die der Walliser Fussballverband im ganzen Kanton Wallis zum Jubiläumsjahr organisiert, reibungslos über die Bühne gehen. Der Höhepunkt wird im Herbst 2019 mit einem Galaabend sein. Eine besondere Freude ist es, dass wir dabei sämtliche Finalspiele im Cupwettbewerb für die Junioren wie auch für die Aktiven im Frühjahr 2019 im Stade de Tourbillon austragen dürfen.

Wo liegen die grössten Herausforderungen für den WFV?

Eine grosse Herausforderung besteht darin, die unterschiedlichen Mentalitäten über den Fussball zu vereinen. Die Leute in St-Gingolph sind anders als in Naters. Ich schaue mir unterschiedliche Spiele im ganzen Kanton an und stelle grosse Mentalitätsunterschiede fest. Als Verband versuchen wir, eine Einheit zu schaffen.

Sie sprechen die Mentalitätsunterschiede an. Wie nehmen Sie die Oberwalliser Vereine wahr?

Das Oberwallis bildet im Kanton Wallis eine Minderheit und so treten viele Teams aus dem deutsch sprechenden Teil auch auf dem Fussballplatz auf: selbstbewusst und als Einheit, die sich nicht versteckt. Das ist eine tolle Mentalität, die das Oberwallis auszeichnet.

Einmal pro Woche publiziert der Verband auf seiner Homepage die «Offiziellen Mitteilungen». Darin werden Spieler und Funktionäre immer wieder wegen respektlosem Verhalten gebüsst. Worin sehen Sie die Gründe, dass es wöchentlich Keilereien und Ausschlüsse wegen respektlosem Verhalten auf den Fussballplätzen gibt?

In Genf haben die Verantwortlichen das Problem, dass es immer wieder zu physischen Vorfällen kommt. Im Wallis ist die Anzahl physischer Probleme gering. Jedoch gibt es immer wieder verbale Auseinandersetzungen und Anfeindungen gegen Spieler, Trainer oder Zuschauer.

Nochmals: Warum ist das so?

Das ist schwer abzuschätzen. Einerseits gibt es auf dem Fussballplatz immer grosse Emotionen, andererseits sind viele Trainer frühere Spieler und müssen sich in ihrer neuen Rolle als Trainer erstmals zurechtfinden, das ist ein Rollentausch. Grundsätzlich denke ich, dass der Fussball unsere Gesellschaft reflektiert.

…und der WFV sieht sich durch die Schiedsrichter-Rapporte dann gezwungen, Bussen und Spielsperren auszusprechen.

Ja, das müssen wir oft aufgrund des Rapports tun, obwohl es eigentlich nur bedingt der richtige Weg ist. Ich nenne ein Beispiel: Ein Spieler begeht eine Tätlichkeit an seinem Gegenspieler und wird deshalb gebüsst. Nun ärgert sich der Verein, dass der Spieler im nächsten Spiel vielleicht nicht eingesetzt werden kann. Das ist falsch. Eine Sanktion auf der Seite des Vereins wäre die richtige Vorgehensweise. Jeder Spieler darf Fehler machen, doch es geht darum, dass er daraus etwas lernt. Aus meiner Sicht passiert das nur, wenn der Verein auch Sanktionen trifft.

Stichwort Schiedsrichter. Mehrere Schiedsrichter haben wegen Beleidigungen auf dem Spielfeld aufgehört, Spiele zu leiten.

Das darf nicht passieren. Ich sehe – gerade im Juniorenfussball – einen Grund dafür bei den ­Eltern der Spieler. Sie bringen sich für meinen Geschmack zu sehr von der Seitenlinie ein und respektieren meist auch nicht den Abstand, den sie zum Spielfeldrand einhalten müssten. Die ganz Kleinen spielen aus Freude Fussball, es darf nicht sein, dass Eltern ihnen das Spiel zerstören und sie unter Druck setzen. Oder eben: Dass sie die Schiedsrichter derart heftig kritisieren, dass diese dann aufhören.

Was spielt die Zweisprachigkeit des Kantons Wallis dabei für eine Rolle?

Eine grössere Rolle als die Zweisprachigkeit spielt die Tatsache, dass Schiedsrichter im Wallis nicht immer gut französisch oder deutsch sprechen. Manchmal müssen wir mit ihnen Kontakt aufnehmen, um ihren Schiedsrichterbericht zu verstehen. Aber glücklicherweise kommt das nur selten vor. Allerdings muss das auf dem Platz ja kein Problem sein, wenn man sich gegenseitig von Schiedsrichter zu Spieler nicht immer versteht.

Simon Kalbermatten

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