Eischoll | Pro Natura wehrt sich

Heftige Kritik an Windpark-Projekt in Eischoll

Die Energiegewinnung aus Windkraft ist in der Schweiz nicht unumstritten.
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Die Energiegewinnung aus Windkraft ist in der Schweiz nicht unumstritten.
Foto: MENGIS MEDIA/Andrea Soltermann

Quelle: RZ 0

Das geplante Windenergieprojekt in Eischoll stösst bei der Pro-Natura-Oberwallis-Geschäftsführerin auf Widerstand. Der Alpenraum sei kein geeigneter Ort für den Betrieb von Windrädern, findet Eva-Maria Kläy.

Zwar steckt das Windenergieprojekt in Eischoll noch in den Kinderschuhen, doch schon sorgt der Plan der Gemeinde, im Gebiet der unteren Senggalp drei Windräder zu bauen, für heftige Kritik. «Oskar Freysinger trifft den Nagel auf den Kopf mit seiner Einschätzung zur Windenergie im Wallis», meint Geschäftsführerin Eva-Maria Kläy von Pro Natura Oberwallis. «Die Schweiz und auch das Wallis sind wenig effiziente und geeignete Standorte für diese Form der Energiegewinnung.»

Optische Ablenkung

Kläy führt gleich mehrere Kritikpunkte am Bauvorhaben von drei Windrädern, das rund 20 Millionen Franken kosten und 20 Kilowattstunden Strom liefern soll, wie der «Walliser Bote» Anfang Jahr berichtete, ins Feld. «Da sich die Rotoren von Windrädern bewegen, ist man ständig gezwungen hinzuschauen», sagt Kläy. «Einem ruhigen Empfingen der Landschaft ist dies überhaupt nicht zuträglich.» In diesem Zusammenhang geht die Forschung davon aus, dass optische Reize, die das Gehirn nicht vorherbestimmen kann, besonders wichtig sein können. «Ein sich drehendes Windrad produziert genau einen solchen visuellen Reiz», sagt Eva-Maria Kläy. «Wir ‹müssen› also ständig hinschauen, da eine Bewegung von unserem Gehirn immer als potenzielle Gefahr wahrgenommen wird. Was im Strassenverkehr wichtig ist, kann in der Natur sehr störend wirken.» In diesem Zusammenhang verweist Kläy zudem darauf, dass der Entscheid, einen Windpark zu bauen, zudem in einem regionalen Kontext stehen würde. «Wenn auch die Bevölkerung von Eischoll sich an den Windrädern oberhalb im Wald weniger stören würde, so wäre es beispielsweise für die Ferienregion von Bürchen genau umgekehrt», betont die Geschäftsführerin von Pro Natura Oberwallis. «Mit direkter Aussicht auf die neuen Windräder wäre hier ein Verlust des Erholungswertes unumgänglich.»

Nervtötender Infraschall?

Doch nicht nur optisch würden Windräder, wie jene, die in Eischoll geplant sind, den Menschen auf die Nerven gehen, sagt die Pro-Natura-Oberwallis-Geschäftsführerin weiter. «Ob Windparks durch die Emissionen von sogenannten Infraschallwellen einen negativen Einfluss auf die Gesundheit der Menschen haben, ist leider nur rudimentär erforscht», sagt Kläy. «In einem Land, in dem heftig über Strahlung und deren Auswirkungen gestritten wird, ist dies ein Faktor, der nicht unterschätzt werden darf.» In Dänemark beispielsweise seien aufgrund dieser Thematik weitere Windpark-Projekte an Land vorerst gebremst worden.

Mehr Effizienz als Lösung

Um die Ziele bei der Energiewende dennoch erreichen zu können, schlägt Eva-Maria Kläy einen anderen Weg vor. «Bevor wir im Oberwallis über Windenergie diskutieren, sollten die technischen Neuerungen in der bestehenden Wasserkraft sowie bei der Energiegewinnung mit Holz, Biomasse und Sonnenlicht besser ausgeschöpft werden», ist sie überzeugt. «Viele Wasserkraftwerke sind veraltet. Werden diese aber saniert, so kann deutlich mehr Strom produziert werden.» Als Beispiel nennt Kläy das Kraftwerk Zwischbergen, wo grössere Rohre und neue Turbinen eingebaut werden. «So können mit der gleichen Wassermenge 60 000 Haushalte mehr mit Strom versorgt werden.» Zudem sei dieser Strom sicher abrufbar, wenn man ihn brauche. «Bei Windanlagen ist viel mehr vom Zufall, sprich dem sehr launischen Wind abhängig.»

Widerstand vorprogrammiert?

Insgesamt dürfte es das Windparkprojekt in Eischoll nicht leicht haben. Umweltverbände mit Schwerpunkt im Landschafts- und Vogelschutz prüfen neue Windparkprojekte sehr detailliert. Auch Pro-Natura-Oberwallis-Geschäftsführerin Kläy kündigt an, in Eischoll zum gegebenen Zeitpunkt sehr genau hinzuschauen. Doch auch in der Bevölkerung nimmt die Kritik gegenüber Windkraft zu. So wurden im letzten Jahr gleich mehrere Projekte versenkt. Im November 2019 beispielsweise sprach sich in der Region Lumnezia GR eine deutliche Mehrheit an der Urne gegen einen geplanten Windpark aus. Deshalb ist Eva-Maria Kläy überzeugt, dass es in den Bemühungen um die Energiewende viel Realismus braucht: «Mit einer ideologisch grün gefärbten Debatte werden Windräder falsch eingeschätzt und verleiten zu Fehlinvestitionen via Subventionen», sagt sie. «Es darf bezweifelt werden, ob der finanzielle Aufwand, aber auch die Menge an aufgewendeter Energie für Herstellung, Transport und Installation einer Windturbine im Gebirge, durch die später gewonnene Energie wettgemacht wird. Ganz zu schweigen vom Minderwert auf die Landschaft, der sich wiederum im Tourismus zu Buche schlagen könnte.»

Martin Meul

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