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Ironman aus Leidenschaft

Waldemar Grichting will im Herbst auch auf der Ironman-Halbdistanz in Nizza für Furore sorgen.
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Waldemar Grichting will im Herbst auch auf der Ironman-Halbdistanz in Nizza für Furore sorgen.
Foto: zvg

Quelle: RZ 0

Dem Ausdauersport ging Waldemar Grichting (42) schon in der Jugend nach. Trotzdem verdankt er es einem Zufall, dass er 2017 in Hawaii zum Ironman-Vizeweltmeister in seiner Kategorie gekürt wurde.

In jungen Jahren gehörte der inzwischen verheiratete Oberwalliser zum Sichtungskader des Schweizerischen Skiverbandes (SSV). «Mein ‹Sportaderli› habe ich von meinem Vater», erklärt Grichting seine Sport-Faszination. Sein Vater sei früher ein guter Langläufer gewesen, was auch ihn dazu bewogen habe, sportlich aktiv zu werden. Den Einstieg im Ausdauerbereich machte der heutige Kantonspolizist ziemlich früh. «Anfangs habe ich mich für vieles interessiert: Eishockey, Skifahren und Langlauf.» Als Siebenjähriger packte er mit Unterstützung seines Vaters die Gelegenheit und schloss sich der JO-Langlaufgruppe in Leukerbad an. Während rund 15 Jahren konnte er sich in verschiedenen Leistungsstufen etablieren – vom Walliser Kader bis zum C-Kader des SSV. Im Zuge seiner Lehre zum Forstwart und mangels fehlender sportlicher Perspektiven kehrte er mit knapp 21 Jahren dem Langlaufsport den Rücken. «Ganz aufgehört habe ich mit dem Sport nicht», erklärt der zweifache Familienvater.

Kommissar Zufall

Vom Triathlon war Waldemar Grichting schon immer fasziniert, auch wenn er sich anhören musste, dass dies nur «Spinner und Verrückte machen würden». Nicht dies hielt ihn vorerst vom Triathlon ab, sondern der eigentliche Hinderungsgrund war, «dass ich kein besonders guter Schwimmer war», sagt der ehemalige Forstwart. Wie kam es trotzdem dazu? Im Jahr 2000 absolvierte er die Weiterbildung zum Kantonspolizisten in Sitten. «Bis im Sommer 2003 war ich bei der mobilen Einheit in Brig.» Nach einer Zusatzausbildung wechselte Grichting im September ’03 zur Kapo Zürich. Der Zufall wollte es, dass er dort zwei Polizeikollegen traf, wovon einer bereits dem Triathlonsport nachging und der andere gut und regelmässig schwamm. So schloss er sich ihnen zum Schwimmtraining an. «Es war ein schleichender Prozess, aber ich merkte, dass die Basis von früher noch vorhanden war, sodass mich der Ausdauersport wieder packte.»

Ironman Hawaii als Ziel

Trotz zögerlichem Start in die Triathlonszene war der Ehrgeiz beim Oberwalliser geweckt. «Mein damaliges Ziel war, dass ich unbedingt beim Ironman Hawaii starten wollte», so der gebürtige Badner. Das erste Rennen über die Langdistanz von 140,6 Meilen absolvierte er 2004 in Zürich. «Für mich war es der Härtetest, um zu sehen, ob ich dem gewachsen bin.» Mit jedem weiteren Rennen merkte er, dass ihm die Langdistanz liegt. Die Resultate wurden stets besser, trotzdem gab es Rückschläge. «Ich hatte schon immer Probleme mit meinem Magen, sodass ich während einigen Jahren an meiner Ernährung ‹herumbastelte›.» Seit rund drei Jahren hat er dies im Griff und wird nicht mehr durch Krämpfe während des Wettkampfs geplagt. «Ich kann mich voll auf das Rennen konzentrieren», ist er erleichtert. 2012 ging für ihn ein Traum in Erfüllung. Via Qualifikation in Frankfurt sicherte er sich einen Startplatz für Hawaii. «Der erste Moment war für mich einschüchternd, denn du siehst dort die ‹Besten von den Besten›.» Der erste Start sollte nicht der letzte bleiben. In den folgenden Jahren konnte er verschiedentlich seine Form auf den Prüfstand stellen, sodass er im Oktober 2016 nochmals die Qualifikation für Hawaii anpackte. «Ich habe mir schliesslich in Vichy erneut einen Platz erkämpfen können.» Dank guter Vorbereitung und einer stabilen Gesundheit reiste er bereits zwei Wochen vor der Weltmeisterschaft an. «Während des Rennens spürte ich, dass es mir gut läuft. Jedoch hatte ich keine Ahnung, wo ich rangmässig stehe.» Am Ende die totale Überraschung. «Beim Zieleinlauf hörte ich, dass ich in meiner Kategorie Zweiter geworden bin.»

Zielorientiert in die Zukunft

Mit dem Titel als Vizeweltmeister im Rucksack lässt sich sicher viel im Sponsoringbereich machen. Täuscht der Eindruck? «Das Interesse an meinem Resultat war anfänglich sehr gross», so der ehemalige Langläufer. Mit einem Generalimporteur aus dem Thurgau sowie einem Velosponsor sei die Ausbeute in einem überschaubaren Rahmen. «Im vergangenen Jahr wurde ich von ‹My Leukerbad› unterstützt, aber der Vertrag wurde leider nicht mehr verlängert.» Wäre allenfalls ein Wechsel in den Profi-Bereich eine Lösung? «Nach Hawaii habe ich mir dies kurz überlegt. Ohne finanzielle Absicherung meiner Familie wollte ich das Risiko in meinem Alter nicht mehr eingehen.» Nichtsdestotrotz geht der Familienmensch weiterhin seiner Leidenschaft nach. «Dieses Jahr habe ich mir die Weltmeisterschaft auf der Halbdistanz in Nizza Anfang September zum Ziel gesetzt.» Die Qualifikation hat er Ende April in Marbella als Zweitplatzierter geschafft. «Nach meinen Ferien mit meiner Familie in Costa Rica werde ich wieder mit dem Aufbautraining beginnen», zeigt sich der Ironman-Vizeweltmeister wieder voll fokussiert.

Thomas Allet

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