Region | Chorleiter gesucht

Oberwalliser Chöre in der Zwickmühle

Gesangliche Qualitäten sind gefragt: Viele Oberwalliser Chöre suchen nicht nur einen Chorleiter, sondern auch Mitglieder.
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Gesangliche Qualitäten sind gefragt: Viele Oberwalliser Chöre suchen nicht nur einen Chorleiter, sondern auch Mitglieder.
Foto: Burkard Vogt/pixelio.de

Quelle: RZ 0

Gleich mehrere Oberwalliser Chöre suchen einen Chorleiter. Doch trotz Inseraten und Mund-zu-Mund-Propaganda gestaltet sich die Suche als schwierig.

Neben Visperterminen ist auch der Kirchenchor St. Theresia in Susten auf der Suche nach einer Chorleiterin oder einem Chorleiter. Wie Kirchenratspräsidentin Viola Anthamatten gegenüber der RZ bestätigt, bisher ohne Erfolg. Trotzdem ist sie zuversichtlich, «dass wir eine Lösung finden werden». In Steg sucht man schon über drei Monate einen Nachfolger für Rudolf Ruppen. «Bisher haben wir keinen Kandidaten gefunden», sagt Vereinspräsident Helmut Grand ernüchtert.

Hoher Aufwand

Die Gründe für den Mangel an Chorleitern sind vielfältig. «Der zeitliche Aufwand ist hoch», bestätigt David Gysel, Vizepräsident im Oberwalliser Chor- und Cäcilienverband (OCV). Gysel weiss, wovon er spricht, ist er doch neben seinem ­Pensum als Lehrer auch als Chorleiter tätig. Schliesslich sei auch die Besoldung immer wieder ein Thema, «auch wenn es diesbezüglich klare Richtlinien gibt», wie Gysel ausführt. Eine ­Patentlösung für das Dilemma gebe es nicht. «Aber», so Gysel, «in Sachfragen bieten wir vom OCV jederzeit unsere Hilfe an.» So bietet der OCV einen Chorleiter-Weiterbildungskurs, verschiedene Workshops an und organisiert jedes Jahr einen sogenannten Ateliertag für Sängerinnen und Sänger.

Nachwuchs fehlt

86 Mitgliederchöre zählt der Oberwalliser Chor- und Cäcilienverband. Die meisten davon sind Kirchenchöre. «Fast in jeder Oberwalliser Gemeinde gibt es einen Kirchenchor. Im Goms mussten sich ein paar Chöre zusammenschliessen, weil es schlicht zu wenig Aktivmitglieder gegeben hat», erklärt ­Gysel, der damit gleich das nächste Problem ­anspricht – den Mangel an Mitgliedern. Während in kleineren Ortschaften wie beispielsweise im Lötschental auch junge Sängerinnen und Sänger mitmachen, gibt es in den grösseren Agglomerationen zu wenig Nachwuchssänger. Das habe mitunter damit zu tun, dass in grösseren Zentren das Vereinsangebot viel grösser sei als in kleineren Ortschaften, sagt Gysel. «Der Kirchenchor hat nicht die erste Priorität.» Der OCV versucht daher eine verstärkte Zusammenarbeit mit der Allgemeinen Musikschule Oberwallis AMO, um junge Leute zum Singen zu bringen.

Verstaubtes Image

Nimmt man die einzelnen Chöre unter die Lupe, fällt auf, dass fast doppelt so viele Frauen in den Chören mitsingen als Männer. Eine eigentliche Erklärung dafür gebe es nicht, sagt Gysel. Nur so viel: «Frauen lassen sich wohl eher begeistern als Männer, in einem Chor mitzusingen.» Um neue Mitglieder zu rekrutieren, geben sich viele Chöre ein neues Image. «Die Kirche hat, gerade bei vielen jungen Leuten, nicht mehr denselben Stellenwert wie früher. Deshalb haben viele Chöre auch weltliche Lieder im Repertoire», so der Vizepräsident des OCV. In der Folge würden viele Kirchenchöre auch nach aussen unter einem neuen Namen als Gesangsverein oder ­gemischter Chor auftreten, um möglichst viele Interessenten anzusprechen. «Einige Chöre suchen auch gezielt Sängerinnen und Sänger als Verstärkung für Gesangsprojekte in der Hoffnung, dass diese nach dem öffentlichen Auftritt dem Chor erhalten bleiben», sagt Gysel. «Aber leider ist das nur selten der Fall.»

Walter Bellwald

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