Region | Wer profitiert von den «Snow Days»?

«Snow Days»: Verwirrung um die Finanzierungspraxis

Der Kanton will mit den «Snow Days» den Schneesport im Wallis fördern. Jedoch ist noch unklar, wer in welcher Form von den geplanten kantonalen Subventionen profitieren kann.
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Der Kanton will mit den «Snow Days» den Schneesport im Wallis fördern. Jedoch ist noch unklar, wer in welcher Form von den geplanten kantonalen Subventionen profitieren kann.
Foto: Leukerbad Tourismus

Die geplanten «Snow Days» für Walliser Kids sollen die Gemeindefinanzen entlasten – vorausgesetzt, alle Schüler sind während dreier Tage auf den Pisten.
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Die geplanten «Snow Days» für Walliser Kids sollen die Gemeindefinanzen entlasten – vorausgesetzt, alle Schüler sind während dreier Tage auf den Pisten.
Foto: Archiv Mengis Media / Andrea Soltermann

Quelle: RZ 0

Die nationalen Schlagzeilen überschlugen sich. Das Wallis wolle aus dem Skisport ein Schulfach machen und jedes Kind müsse Skifahren lernen. Bildungsminister Christophe Darbellay relativiert dies nun. Aber: Das neue Finanzierungsmodell, bei dem die Gemeinden entlastet werden sollen, sorgt für Verwirrung.

«Skifahren soll im Wallis zum Schulfach werden». Vor einigen Tagen sorgte «20 Minuten» mit einem entsprechenden Bericht für Furore. Alle Walliser Schulkinder müssten somit in Zukunft verpflichtend die Skier anschnallen. «20 Minuten» berief sich dabei auf Aussagen von Bildungsminister Christophe Darbellay. Doch dieser relativiert nun. Zwar wolle man es tatsächlich allen Kindern ermöglichen, den Schneesport für sich zu entdecken und sich dafür zu begeistern, so Darbellay. Aber: «Die Schneesporttage sind nicht obligatorisch», präzisiert der Staatsrat die kantonalen Pläne, ab kommendem Winter mit den sogenannten «Snow Days» die Walliser Kinder und Jugendlichen vermehrt auf die Pisten bringen zu wollen. Heisst in der Konsequenz: Auch in Zukunft können die Schulzentren im Wallis entscheiden, ob und für wie lange sie ihre Schülerinnen und Schüler in den Schnee schicken.

«Schulfach», ein Mumpitz

Die Irritation rund um die «Snow Days» wurde dabei massgeblich vom Wort «Schulfach» geprägt. Dieses impliziert nämlich ein Obligatorium für alle Schülerinnen und Schüler. Für den Direktor der Schulregion Visp, Bruno Schmid, ist die Bezeichnung «Schulfach» für die Schneesporttage der Schulen daher irreführend. «Um von einem Schulfach sprechen zu können, braucht es ein festes Zeitfenster im Stundenplan über einen langen Zeitrahmen, was bei den Skitagen nicht der Fall ist», so Schmid. «Vielmehr geht es an den Schneesporttagen darum, in einer bestimmten Woche den Schülern unter Anleitung von Schneesportlehrpersonen das Skifahren beizubringen und die FIS-Regeln umzusetzen.» Gestützt auf den Lehrplan 21, welcher Aktivitäten im Freien vorsieht, bietet die Schulregion Visp solche Schneesporttage an. «Für uns als Schule in einem Gebirgs- und Tourismuskanton ist es selbstverständlich, dass wir mit allen Kindern und Jugendlichen in den Schnee gehen», sagt Schmid. Seit mehreren Jahren gehen die Visper Primar- und Sekundarschüler daher einmal jährlich für mehrere Tage auf die Skipisten. Konkret: Sind es bei den Visper Primarschülern vier Nachmittage, so sind es auf Orientierungsstufe zwei ganze Tage. Auch in Leuk haben die Schülerinnen und Schüler die gleichen Möglichkeiten, im Rahmen der Schule mit dem Schneesport in Kontakt zu kommen. «Wir gehen pro Saison mit den Schülern auch mehrmals auf die Pisten», sagt der Leuker Schuldirektor Stefan Wyer. Von einem Zwang zum Skifahren ist aber keine Rede. «Kann jemand daran nicht teilnehmen, so bieten wir ein Alternativprogramm in der Schule an», so Wyer. In Ausserberg gehen die Primarschüler im Winter seit Jahren ebenfalls viermal für einen halben Tag auf die Piste. «Mit diesem Modell sind wir bis jetzt gut gefahren», sagt Kerstin Knubel-Theler, Gemeinderätin aus Ausserberg. Angesprochen auf den Grund, warum man einen halben statt einen ganzen Tag auf die Piste gehe, meint Knubel-Theler, dass vielleicht die Jüngsten nicht genügend Ausdauer für einen ganzen Skitag hätten.

Wer bezahlt was fürs Skifahren?

So weit, so gut. Doch es steht weiterhin die Frage im Raum, wer für die Schneesporttage bezahlen muss – und vor allem auch für was. Gemäss Bundesgericht muss seit diesem Schuljahr die obligatorische Schule für die Eltern grundsätzlich kostenlos sein. «Pro Schüler sind im Schuljahr 300 Franken budgetiert, wovon 90 Franken durch den Kanton gedeckt werden», sagt der für das Schulwesen zuständige Visper Gemeinderat Thomas Antonietti. Den Rest habe die Wohngemeinde zu übernehmen, auch wenn der Betrag die 300 Franken übersteige, so Antonietti weiter. Damit sollen nebst dem Schulmaterial wie Lineal, Bleistifte und Radiergummi auch die kulturellen wie sportlichen Aktivitäten finanziert werden, sofern diese für die Schülerinnen und Schüler als obligatorisch gelten. «Für uns steht ausser Frage, dass die bisherigen Skisporttage obligatorisch sind und die Gemeinde daher die Kosten für den Transport, die Billette und die Schneesportlehrpersonen trägt», sagt der Visper Schuldirektor. Auch in Leuk springen bei der Finanzierung des Schneesports der Kids die Gemeinden in die Bresche. «Ausser der Skiausrüstung übernimmt bei uns die Gemeinde die Kosten für unsere Schneesporttage», sagt der Leuker Schuldirektor. Für Ausserberg hat die Frage rund um die Finanzierung noch einen anderen Aspekt. «Auch wenn das Budget von 300 Franken pro Schulkind für die unentgeltliche obligatorische Schulzeit nicht ausreicht, so sollen nicht die Kinder aus Spargründen darunter leiden müssen», bestätigt Knubel-Theler, dass auch in Ausserberg die Schneesporttage der Schulkinder aus der Gemeindekasse bezahlt werden.

Verwirrung um Halbtage

Diese bei den Gemeinden eingebürgerte Finanzierungspraxis will Bildungsdirektor Christophe Darbellay mit der Einführung der «Snow Days» nun ändern. «Die zukünftigen ‹Snow Days› fallen nicht unter die Regelung der ‹Unentgeltlichkeit der Schule› und werden daher ausschliesslich vom Kanton finanziert», erklärt der Staatsrat. Konkret heisst das, dass der Kanton für die «Snow Days» 2,7 Millionen Franken bereitstellt, um damit die Gemeindefinanzen zu entlasten. Vorausgesetzt, die Gemeinden halten sich an die Bedingungen des Kantons. «Wenn eine Gemeinde von den Subventionen profitieren will, muss ein Anlass im Bereich Schneesport, sprich Ski, Snowboard oder Langlauf, während dreier Tage durchgeführt werden, an welchem alle Kinder und Jugendlichen teilnehmen», so Darbellay. Zusammengefasst: Will eine Schule Geld für ihre Schneesportaktivitäten vom Kanton, muss sie alle Schülerinnen und Schüler über die Dauer von drei Tagen auf die Piste schicken. Was für Verwirrung sorgt. Denn sowohl in Visp und Leuk als auch in Ausserberg erfüllt man die neuen Anforderungen des Kantons offenbar nicht. «Für uns stellt sich in einem solchen Fall die Frage, ob die vier Halbtage angerechnet werden oder ob wir inskünftig auf drei ganze Tage umstellen müssen», so die Ausserberger Gemeinderätin. Inwieweit eine Aufteilung in Halbtage möglich ist, ist momentan unklar. Was seitens Kanton indes klar ist: dass der Skisport bei professioneller Anleitung innerhalb von drei «ganzen» Tagen erlernt werden könne. Wie letztendlich die Subventionsmodalitäten im Detail aussehen, darüber will sich der Kanton derzeit nicht äussern. «Der Kanton wird die Bestimmungen zur Anwendung der kantonalen Subventionen in einem Reglement festlegen und die betroffenen Stellen zu gegebener Zeit informieren», lässt der Bildungsdirektor ausrichten. Bis es so weit ist, werden die Gemeinden für die Skitage ihrer Schülerinnen und Schüler weiterhin geradestehen müssen.

«Die ‹Snow Days› sind nicht
obligatorisch»

Christophe Darbellay, Staatsrat

Thomas Allet

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