Kommentar | Geruchsbelästigungen in Raron

«Chlii stinke muess es»

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Wenn es so richtig stinkt, dann ist das wirklich nicht angenehm. Als jemand, der in Visp aufgewachsen ist, kann ich davon ein Lied singen. Nun stinkt es also auch in Raron, doch anders im Städtchen weiter östlich ist hier die Natur der Übeltäter (vgl. Artikel oben), oder kurz gesagt der «Stinker». Für die Nase mag das keine grosse Rolle spielen, doch anders als der beste Freund des Menschen sind wir vernunftbegabten Wesen in der Lage, unsere Nasen nicht nur in die Luft, sondern auch in Bücher oder in diesem Fall in die Internetseite des Bundesamtes für Umwelt zu stecken. Dort erfährt man denn auch einiges über die Moore in der Schweiz. So wurden in den vergangenen 200 Jahren fast 90 Prozent aller Moore im Land zerstört. Im Jahr 1987 sagte das Schweizer Stimmvolk indes deutlich Ja zur sogenannten «Rothenthurm-Initiative» und stellte die verbliebenen Moore damit unter den Schutz der Bundesverfassung. Moore leisten durch ihre spezielle Beschaffenheit als Lebensraum einen wichtigen Beitrag zur Regulierung des Wasserhaushaltes von Gebieten, wirken durch das Binden von CO2 dem Treibhauseffekt entgegen und sind Heimat einer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt. Allerdings kann es vorkommen, dass sie eben auch einmal, wie im Rarner Fall, für Naserümpfen sorgen. Wie vieles im Leben haben also auch Moore ihre zwei Seiten. Der Wunsch der Rarner Bevölkerung, die Geruchsbelästigungen durch das Flachmoor Mutt «abzustellen», ist zwar verständlich, aber auch kurzsichtig. Eine intakte Umwelt ist schliesslich das
A und O, egal ob im Kleinen oder global gesehen. Anstatt kritisch in Richtung Moor zu schnüffeln, sollte man in Raron vielmehr stolz darauf sein, einen solch einzigartigen und bedrohten Lebensraum sein Eigen nennen zu können und vielleicht bei der nächsten ­Geruchsemission einfach die Schultern zu zucken und zu sagen: «Chlii stinke muess es.» Und als Visper kann ich Ihnen sagen: Wenns wieder einmal stinkt, dann macht es am meisten Sinn, ­einfach tief durchzuatmen.

Martin Meul

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