Kommentar | Initiative für mehr Vaterschaftsurlaub

Der Vaterschaftsurlaub ist gefährlich

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Die Schweizer Bevölkerung wird sich schon bald dazu äussern können, ob es in der Schweiz einen Vaterschaftsurlaub von 20 Tagen pro Kind geben soll. Die nötigen Unterschriften wurden vergangene Woche eingereicht. Was vielen, die gedenken in Zukunft zum ersten oder wiederholten Mal Eltern zu werden, ein Lächeln aufs Gesicht zaubern dürfte, muss jedoch durchaus auch kritisch betrachtet werden. Natürlich stellt sich die Frage nach der Finanzierung. Ein Vaterschaftsurlaub dürfte die Erwerbsersatzordnung einiges kosten, denn der Urlaub für Väter nach der Geburt eines Kindes soll gleich bezahlt werden wie jener für Mütter. Kostenschätzungen sind schwer, die einen reden von 200 Millionen Franken pro Jahr, das Initiativkomitee in seinem Argumentarium von 380 Millionen. Mit dem Verweis auf die zusätzliche Belastung der Sozialsysteme hatte der Nationalrat ein ähnliches Vorhaben im letzten Jahr bereits abgelehnt. Doch um Geld soll es dieses Mal nicht gehen. Die Initiative hat nämlich noch einen anderen Schwachpunkt, und zwar den der Flexibilität. Während man sich beim Mutterschaftsurlaub relativ gut auf die Absenz der Mutter nach der Geburt einstellen kann, wird dies bei den Vätern, sollte die Initiative Erfolg haben, sehr schwer werden. Die Väter sollen ihre 20 Tage Vaterschaftsurlaub während eines Jahres nach der Geburt des Kindes beziehen können, wie sie wollen. Sprich also an einem Stück, als einzelne Tage oder als Kombination von beidem. Das jedoch dürfte vor allem für kleine Firmen ein planerischer Super-GAU sein. Der «Erfolg» dürfte sein, dass sich künftig nicht nur Frauen, was nicht so sein sollte, sondern auch Männer bei einer Anstellung für ihre Familienplanung rechtfertigen müssen. Ganz zu schweigen davon, dass die arbeitenden Kollegen den «flexi­blen» Ausfall von Vätern kompensieren müssen. Die Initiative ist daher gefährlich, denn die Arbeitgeber werden Wege finden, den Schaden für sie gering zu halten. Ausbaden werden es dann die, die sich eigentlich über den Vaterschaftsurlaub gefreut haben.

Martin Meul

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