Standpunkt | Schulhaussanierung in Binn

Ein Binner Schildbürgerstreich?

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In Binn gibt es neu also ein saniertes Schulhaus. Drei Millionen Franken wurden ausgegeben, damit rund 12 Binner Schülerinnen und Schüler weiterhin im Dorf zur Schule gehen können. Zwar beinhaltet der Betrag auch den Bau eines Bistros sowie Büroräumlichkeiten für die touristischen Akteure im Dorf, ein grosser Teil des Geldes floss aber dennoch in die sanierten Klassenzimmer, nämlich rund 800 000 Franken. Auf einen einzigen Schüler gesehen macht das die stolze Summe von knapp 60 000 Franken, womit man auch schon bei der durchaus berechtigten Frage wäre: Haben sich die Binner einen Schildbürgerstreich erlaubt? 800 000 Franken für einen Schulbetrieb auszugeben, dessen Zukunft alles andere als gesichert ist, scheint in der Tat eine nicht besonders nachhaltige Aktion zu sein. Man erinnere sich: Auch in Eggerberg wurde vor ein paar Jahren das Schulhaus saniert. Heute geht dort kein Kind mehr zur Schule. Eigentlich wollte man dafür sorgen, dass das Dorf attraktiv bleibt, schlussendlich hat man sich aber nur ein teures Denkmal des Scheiterns gesetzt. Ein Schildbürgerstreich halt. Das gleiche Szenario ist nun auch in Binn mehr als nur theoretisch denkbar. Denn trotz aller Beteuerungen der Verantwortlichen ist eine eigene Schule im Dorf noch lange kein Garant dafür, dass sich Familien mit Kindern ansiedeln oder die Abwanderung ausgebremst wird. Das soziale Leben besteht nämlich aus mehr als Schule, gerade für Kinder. Was nützt es, wenn das Kind zwar im Dorf zur Schule gehen kann, man es aber trotzdem für seine Hobbys ins Tal fahren muss? Da ist es doch viel einfacher, gleich im Tal zu wohnen, denn Schulen gibt es da auch. Dennoch ist es verständlich, dass man in Dörfern wie Binn nach jedem Strohhalm greift, damit der Blick in die Zukunft nicht ganz so düster erscheint. Problematisch ist jedoch, dass der Kanton dabei mitmacht und keine nüchterne Betrachtung der Dinge an den Tag legt. Denn immerhin hat das neue Binner Schulhaus die Kantonskasse mit 233 000 Franken belastet.

Martin Meul

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