Standpunkt | Von Walter Bellwald

Einen Schritt aufeinander zugehen

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Die Männer tragen Schläfenlocken, einen Hut oder eine kleine Kappe, die sogenannte Kippa, und schwarze Kleidung. Die Frauen tragen einen langen Rock und langärmelige, hochgeschlossene Blusen oder Pullover. Orthodoxe Juden unterscheiden sich aber nicht nur äusserlich von anderen Glaubensgruppen. Sie nehmen nur koschere Speisen zu sich (das heisst Lebensmittel, die einem bestimmten Reinheitsgebot unterliegen) und feiern den Schabbat, der freitags am Abend beginnt und am Samstagabend endet.

Auch hierzulande begegnet man in diesen Tagen vielen jüdischen Gästen. Dabei ist es nicht nur das Äussere, das zum Nachdenken anregt, sondern auch das Unnahbare, das diese Menschen wie eine unsichtbare Mauer umgibt. Die meisten Juden wirken nach aussen hin distanziert, kühl und in sich gekehrt. Das wiederum hat zur Folge, dass die lokale Bevölkerung auf Distanz geht und viele Vorurteile die Runde machen. Juden stinken, sind geizig und bleiben lieber unter ihresgleichen, so der allgemeine Tenor. Dass diese Vorurteile mit Unwissen und Unverständnis ge­koppelt sind, interessiert die meisten nicht. Die Folge: Jüdische Gäste werden verunglimpft und ignoriert.

Aber nicht nur die Einheimischen sind mit der anderen, fremden Kultur überfordert. Auch die jüdischen Touristen tun sich schwer, sich an die hiesigen Vorgaben und Gepflogenheiten zu halten. Statt zu grüssen, stapft man wortlos vorbei, lässt den Abfall einfach liegen und hinterlässt eine gröbere Unordnung. Das wiederum bringt viele Einheimische auf die Palme.

Um die beiden Kulturen einander näherzubringen und gegenseitiges Verständnis zu schaffen, haben Tourismusverbände und der Schweizerische Israelitische Gemeindebund verschiedene Broschüren herausgegeben und jüdische Vermittler eingesetzt. Dieses Konzept scheint voll aufzugehen und zeigt, wie man Vorurteile aus der Welt schaffen kann.

Walter Bellwald

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