Tagesschulstrukturen sind nicht fair

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In Visp sollen in absehbarer Zukunft alle Schülerinnen und Schüler der OS auf das Angebot einer Tagesschulstruktur zurückgreifen können (vgl. Seite 4). Damit will die Gemeinde allen Eltern der Schulregion die Möglichkeit geben, ihre Kinder über Mittag betreuen und verköstigen zu lassen. Das ist nur fair, denn mit ­welcher Begründung auch sollen Eltern aus der Gemeinde Visp mittags zwingend nach Hause kommen und kochen müssen, während Eltern aus Visperterminen sorgenfrei bei der Arbeit bleiben können, im Wissen, dass ihre Kinder verköstigt werden und sogar betreut Hausaufgaben erledigen können. Es geht also einerseits um Gleichbehandlung, aber andererseits auch um gesellschaftlichen Wandel. Die Mutter, die zur Mittagszeit vor dampfenden Kochtöpfen auf ihre Kinder wartet, wird zunehmend zum Auslaufmodell. Natürlich muss da die Schule einspringen und, wie es nun auch in Visp geplant ist, zum «Rundum-sorglos-all-inclusive-Hotel» avancieren. Gerne wird dabei jedoch ausgeblendet, welche Folgeeffekte solche Angebote nach sich ziehen. Da wäre einerseits das Geld. In Visp muss aufgerüstet , vielleicht sogar eine richtige Mensa gebaut werden. Das kostet. Gleichzeitig braucht es mehr Lehrkräfte, denn ein betreutes Mittagsstudium, das sämtlichen OS-Schülern offensteht, kann ohne zusätzliches Personal kaum gestemmt werden. Die Anstellung von zusätzlichen Kräften kostet ebenfalls. Folgerichtig wäre es daher, jene Eltern, die Angebote der Schule ausserhalb des eigentlichen Stundenplans nutzen, richtig zur Kasse zu bitten. Doch das geht nicht, das Bundesgericht hat nämlich entschieden, dass Schule grundsätzlich kostenlos sein muss. Deshalb zahlen die Eltern nur für das Mittagessen ihrer Kinder, die Kosten für die Betreuung stemmt die Allgemeinheit. Fair ist das nicht, denn so zahlen jene Familien, die ihre Kinder über Mittag zu Hause verköstigen, gleich doppelt. Gesellschaftlicher Wandel hin oder her – soziale Gerechtigkeit darf nie zur Disposition gestellt werden.

Martin Meul

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