Deutschland | Halle-Attentat sollte internationale Internet-Subkultur erreichen

«Das sind Motive der weltweiten radikalen und populistischen Rechten.»

Ein schwerbewaffneter Täter hatte am Mittwoch versucht, in einer Synagoge in Halle/Saale ein Blutbad unter Dutzenden Gläubigen anzurichten. Der 27-jährige Deutsche hat vor der Synagoge und danach in einem nahen Döner-Imbiss zwei Menschen erschossen.
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Ein schwerbewaffneter Täter hatte am Mittwoch versucht, in einer Synagoge in Halle/Saale ein Blutbad unter Dutzenden Gläubigen anzurichten. Der 27-jährige Deutsche hat vor der Synagoge und danach in einem nahen Döner-Imbiss zwei Menschen erschossen.
Foto: Keystone

Quelle: SDA 1

Der mutmassliche Täter der Angriffe in Halle/Saale wollte nach Experteneinschätzung eine internationale rechte Internet-Subkultur erreichen. Zu diesem Ergebnis kommt der Extremismusforscher Matthias Quent mit Blick auf ein am Mittwoch verbreitetes Video, das die Tat zeigen soll.

«Er spricht Englisch und er greift Verschwörungstheorien auf, zum Beispiel über die angeblich zerstörerische Macht des Judentums. Er äussert sich auch abwertend über Feminismus», sagte Quent der Deutschen Presse-Agentur. «Das sind Motive der weltweiten radikalen und populistischen Rechten.»

Ein schwerbewaffneter Täter hatte in Halle versucht, in eine Synagoge einzudringen und dort unter Dutzenden Gläubigen ein Blutbad anzurichten. Der mutmassliche Rechtsextremist soll vor der Synagoge und in einem Döner-Imbiss zwei Menschen erschossen und mindestens zwei weitere verletzt haben. Er wurde festgenommen.

«Das Video folgt der Ästhetik eines Videospiels, auch durch die Ego-Shooter-Perspektive», sagte Quent. Die Aufnahmen folgen der Perspektive des Täters, immer wieder ragt der Lauf einer Waffe ins Bild.

«Der Täter heroisiert sich, seine Opfer will er demütigen.» Dennoch solle man Erfahrung mit Videospielen als einen möglichen Auslöser nicht überbewerten - sonst müssten solche Taten viel häufiger sein. «Ausserdem würde es die politische Motivation aus dem Fokus rücken», warnte Quent. «Was er äussert, das sind nicht nur Einzelmeinungen eines Spinners. Es ist Ausdruck einer verbreiteten rechtsextremen Ideologie.»

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Kommentare

  • Gerfriede Bunkenstedt, Kalpetran - 42

    "[..]nicht überbewerten - sonst müssten solche Taten viel häufiger sein. [...] nicht nur Einzelmeinungen eines Spinners. Es ist Ausdruck einer verbreiteten rechtsextremen Ideologie.»"

    Das ist das Vernünftigste, was ich seit vielen, vielen Jahren zu diesem Thema in Zeitungen lesen durfte. Denn darin steckt die deutliche Aussage:
    Die überwiegende Mehrheit der Menschen ist nicht bescheuert, sondern voll in Ordnung!
    Danke dafür.

    Es ist relativ leicht, von außen auf eine Situation zu blicken. Wichtig ist, wie es in dem Artikel auch angeschnitten wird, zum einen zu erkennen, dass die "rechte Szene" international vernetzt ist - das schliesst die Schweiz nicht aus!
    Zum anderen machen die Deutschen mit der AfD gerade erst die Erfahrung, wie sie Österreich mit der FPÖ und die Schweiz mit der SVP bereits schon längst kennt, nämlich dass mit solchen Parteien innerhalb einer Demokratie zwei gefährliche Dinge passieren:

    1. Die Polarisierung Rechtspopulisten vs "alle anderen". Da alle demokratischen Parteien in einen Topf geschmissen werden, geht ein demokratischer Diskurs hinsichtlich unterschiedlicher Lösungsansätze verloren. Auch die permanente Gegenüberstellung von SVP und SP, als deren "Gegenpol", wie es hier in den Mengis Medien gerne getan, lässt die SP als eine "radikale" Partei erscheinen, was einfach nicht stimmt. Jeder der mal mit SPlern über politische Themen diskutiert hat weiss, dass sie einen Standpunkt haben, der nicht CVP, CSP oder FDP ist - dafür haben wir verschiedene Parteien - aber dass es sich um Realpolitiker und wahre Demokraten handelt.
    Wie gesagt, solche Parteien (AfD, SVP, FPÖ...) unterdrücken sachliche Demokratie, weil sie polarisieren.

    2. Mit der übertriebenen Medienaufmerksamkeit, die solchen Parteien und ihren undifferenzierten, vereinfachten und radikalen Äusserungen entgegengebracht wird, fühlen sich solche Arschlöcher, wie der Attentäter von Halle, in ihren Ansichten bekräftigt.
    Denn diese rechtspopulistischen Demagogen distanzieren sich weder von solchen Taten, noch stellen sie sich auf die Seite der Opfer.
    Dies kann man auch so verstehen, dass sie solche Taten begrüssen. Jedenfalls ist dies nicht nur ein klares Zeichen, was sie von Demokratie halten, sondern sie fördern die gesellschaftliche Spaltung, nähren den Hass und untermauern die Demokratie.
    Denn Demokratie ist nicht nur "abstimmen", sondern vor allem eine Gesellschaft zu erhalten, die jedem Einzelnen die Freiheit für sein persönliches Leben zusichert.

    Es ist nicht ausgeschlossen, dass es auch in der Schweiz zu ähnlichen Attentaten kommen wird, wenn man dummen Menschen weiter in ihrem Gefühl bekräftigt, dass "andere" rechtloses Freiwild sind.

    Deutschland wird jetzt eine Cäsur machen müssen.
    Während des NSU Prozesses wurde deutlich, wie tief verwoben das rechtsradikale Netz in Deutschland ist. Da verschwanden Zeugen und Beweise, um den Staub nicht zu hoch wirbeln zu lassen. Denn die NSU hatte Muslime angegriffen.
    Nun hat es Juden getroffen. Und geschichtlich ist Deutschland verpflichtet, sich auf die Seite der Juden zu stellen.
    Auch dran erkennt man, zu welchen kranken Auswüchsen der ganze Sch... führt, wenn man den Rechtsradikalen und Rechtspopulisten zu lange nicht genug Paroli entgegensetzt.

    Pardon, für den langen Text. Nichmals Danke fpr Euren Artikel!! und Allen ein schönes Wochenende!

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