Liberaler Block | Wie sich die FDP von der Fast-Wahl Grichtings vor vier Jahren blenden liess

Der Macher machte keine Schaffer

Herzschlagfinale 2015. Pierre-Alain Grichting mit CVP-Konkurrent Jean-René Fournier (links).
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Herzschlagfinale 2015. Pierre-Alain Grichting mit CVP-Konkurrent Jean-René Fournier (links).
Foto: Keystone

Quelle: 1815.ch /dab 0

Die FDP konnte 2015 beinahe die CVP-Hochburg im Ständerat schleifen und holte sich 2017 mit Frédéric Favre ihren Staatsratssitz zurück. Beide Erfolge werden überschätzt.

Die Kandidatur von Pierre-Alain Grichting hätte zur Blaupause für die FDP im Wallis werden können. Die Liberalen schienen mit dem Unternehmer endlich jemanden gefunden zu haben, der wie kein anderer die beiden Sprachen, die beiden Kantonsteile und die jeweiligen Wählerstimmen zusammenführen kann. Und dabei wirtschaftliche Eigeninitiative, Mut sowie Offenheit verkörpert. Aber es wurde nichts mit dem grossen Neuanfang. Der Grichting-Effekt verpuffte bald.

In der Zwischenzeit ist die Partei im Oberwallis ohne Präsident. Und mit Ach und Krach zimmerte man eine Rumpf-Liste zusammen. Ohne Nomination, quasi von Gnaden der Unterwalliser. Damit Spitzenkandidat Philippe Nantermod wenigstens ein paar Stimmen aus dem fernen Osten des Kantons erhält. Keine andere Partei foutiert sich ähnlich um das Oberwallis wie die FDP. Bei den Linken nimmt man sich gegenseitig genügend ernst, um noch unerbittlich zu streiten wie vor den Staatsratswahlen 2017. Und die CVPO, die CSPO sowie die SVPO holten vor vier Jahren acht Prozent ihrer Stimmen aus dem Welschwallis. Immerhin.

Die FDP liess sich 2015 blenden vom Herzschlagfinale und der Fast-Wahl Grichtings in den Ständerat. Etwas mehr Selbstreflexion hätte geholfen, gewisse Fehler zu vermeiden. So fiel das knappe Resultat nicht nur für Grichting und für die FDP aus, sondern eben auch gegen die CVP und den Status quo. Es war auch eine Protestwahl gegen die Walliser Polit-Geschichte mit dieser ungebrochenen Dominanz. Und Grichting konnte mit dieser Hoffnung die Wähler mobilisieren, etwas Historisches, noch nie Dagewesenes zu schaffen.

Ganz offensichtlich ging die Parteispitze im Unterwallis davon aus, dass man den Schwung mitnimmt und im Oberwallis fortan alles praktisch von allein gehen werde. Aber im öden Politikalltag geht nur selten etwas von allein. Die Grünen mussten 40 Jahre mit ihren Ständen und Aktionen auf die Strassen, um jetzt zur salonfähigen Pop-Partei zu werden. Im Oberwallis tingelt SVP-Präsident Franz Ruppen nun seit 15 Jahren von einer Vorstandssitzung zur nächsten Sektionsgründung, von einem Stammtisch zum kommenden Schäferfest. Es braucht Sektionen, Strukturen und Mandate. Und in der Politik muss man beinahe schon eine Musse haben für Leerläufe. Diese hatte Grichting nie.

Der Macher-Effekt hätte über die Wahlen 2015 hinaus gewirkt, wenn er drangeblieben wäre und vor allem im Oberwallis eine Basis mit aufgebaut hätte. Stattdessen liess er sich nun von der C-dominierten Kantonsregierung zum Verwaltungsratspräsidenten der Walliser Kantonalbank ernennen. So haben ihn die Staatsräte Christophe Darbellay und Roberto Schmidt unter Kontrolle. Genau wie ihren Regierungskollegen Frédéric Favre. Der FDP-Mann wurde 2017 dank der grossen Unterstützung der C-Wählerschaft in die Regierung gewählt. Die CVP hat so die FDP ein Stück weit einverleibt. Das dürfte mit ein Grund sein, warum man die «Blauen» im Oberwallis nur wenig vermisst. Mit der Liste der Grünliberalen startet nun ein neues liberales Projekt im Wallis. Die jungen Kandidaten stehen ganz am Anfang. Das Grichting-Kapitel der FDP dürfte ihnen ein Lehrstück sein, wie man es nicht machen sollte.

David Biner

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