Ski alpin | Der Zermatter Elia Zurbriggen hat genug vom Kämpfen: Ein Abschied völlig ohne Groll

«Das war’s – jetzt gibt’s etwas Neues»

Rollenwechsel. Elia Zurbriggen wechselt vom Skisport ins Gastgewerbe.
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Rollenwechsel. Elia Zurbriggen wechselt vom Skisport ins Gastgewerbe.
Foto: mengis media

Quelle: WB /alb 0

Rückenschmerzen, Hundertstelpech, Krankheit und jetzt noch das Coronavirus – für Elia Zurbriggen ist in dieser Saison ein bisschen viel des Schlechten zusammengekommen. Jetzt hat der Zermatter entschieden: Ende Saison ist Schluss.

Schon Mitte Saison hats nach Abschied ausgesehen. Doch Elia Zurbriggen hat sich den Entscheid nicht leicht gemacht. «Ich wollte nicht überstürzt alles aufgeben, was ich später vielleicht bereut hätte, sondern wollte ganz bewusst kämpfen, kämpfen, kämpfen. Das habe ich auch gemacht, soweit es möglich war».

Die Form war da, aber es gab keine Rennen

Ganz am Schluss hat ihn das dann auch noch das Coronavirus ausgebremst. «Ich wäre gerne noch das eine oder andere Rennen gefahren, aber das war halt nicht mehr möglich», so der 29-Jährige. Dabei wäre die Form nicht so schlecht gewesen. Nach gesundheitlichen Problemen und einer Formbaisse im Januar hatte er sich gut erholt. In Savognin etwa gewann er einen FIS-Riesenslalom. «Das war zwar gut und recht, aber damit machst du natürlich keinen Sprung nach vorn», ist sich Zurbriggen bewusst.

Die letzte Saison war nicht untypisch für die Karriere von Elia Zurbriggen. Er war nahe dran, er kämpfte, aber oft fehlte ihm auch etwas das Wettkampfglück. In den ersten vier Weltcuprennen dieser Saison schied er zweimal aus, zweimal verpasste er die Qualifikation für den zweiten Lauf um wenige Hundertstel. Ein bisschen Wettkampfglück in der einen oder anderen Situation und vieles würde ganz anders aussehen. «’Hätte’ und ‘wäre’ bringen dich nun mal nicht weiter. Es ist manchmal nicht viel, das über eine Karriere entscheidet. Im Sport geht’s nun mal um Hunderstel, das macht die ganze Sache ja auch spannend», ist er sich bewusst.

Fakt ist: Zurbriggen steht nach dieser Saison ohne zählbares Resultat da und da wird man gnadenlos nach hinten durchgereicht. «Ich war mal im Weltcup unter den ersten 30, jetzt bin ich im Europacup nicht mal mehr unter den besten 30. Und da musst du dich schon fragen, ob du die Motivation, die Leidenschaft und die Freude noch hast, um so weit unten nochmals zu starten», betont Elia Zurbriggen.

«Ich habe eine schöne und lange Zeit gehabt»

Elia Zurbriggen freilich mag sich nicht beklagen. «Ich habe in meiner Karriere auch öfters Glück gehabt. Als ich zu Beginn der Karriere die ersten Weltcuppunkte geholt habe, bin ich mehrfach als 30. noch in den zweiten Lauf gerutscht, das muss man auch sehen», so Zurbriggen. Er geht denn auch völlig ohne Groll. «Ich habe im Skisport eine lange und gute Zeit gehabt. Mit 17, 18 Jahren hätte ich nie gedacht, dass ich es noch in den Weltcup schaffe. Dann klappte das doch noch. Ich konnte mit den Besten mitfahren und das eine oder andere gute Resultat herausfahren und ich kann heute sagen: Es war okay», so der Zermatter.

Am 24. Februar 2013 holte Elia Zurbriggen beim Riesenslalom von Garmisch-Partenkirchen erstmals Weltcup-Punkte. Insgesamt fuhr er 15-mal in die Punkte, 2015 konnte er in Vail an den Weltmeisterschaften teilnehmen und belegte Rang 28. Den Karrierehöhepunkt erlebte er im Frühling 2017. Nach längerer Durststrecke holte er sich den Gesamtsieg im Europacup und mit dem achten Rang beim Riesenslalom von Kranjska Gora das Bestergebnis im Weltcup. «Der Erfolg im Europacup war speziell, weil es eine Wertung über die ganze Saison war. Ich musste das letzte Rennen gewinnen, um noch eine Chance zu haben. Das habe ich dann geschafft, das war schon eine besondere Genugtuung. Das und der achte Rang in Kranjska Gora werden mir wohl am meisten in Erinnerung bleiben», so Elia Zurbriggen.

Im Umfeld hat sich einiges verändert

Die Begeisterung für den Skisport ist zwar immer noch da, er hätte es sich auch durchaus zugetraut, nochmals nach oben zu kommen. «Ich war im Weltcup und ich glaube schon, dass es möglich wäre, da wieder hinzukommen». Doch im Umfeld hat sich auch einiges verändert. Elia Zurbriggen hat eine Familie. «Das ist auch mit einer Verantwortung verbunden, ich kann nicht einfach jeden Franken in den Skisport stecken. Ich bin deshalb zum Schluss gekommen, dass der Zeitpunkt gekommen ist für ein neues Kapitel».

Neue Herausforderungen

Er wird künftig mehr zu Hause sein, mehr Zeit in Zermatt und mit der Familie verbringen können. Es gibt aber auch Projekte, die er zusammen mit der Familie realisieren will. Es bestehen Pläne im Bereich Gastronomie, da gibt’s kleinere und grössere Projekte. «Es sind zwar grad schwierige Zeiten und wir müssen sehen, wie sich das entwickelt. Die Gastronomie ist etwas ganz anderes als der Skisport und ich freue mich auf die Herausforderung». Er ist sich bewusst: Auch das wird nicht einfach.

Aber Elia Zurbriggen hat gelernt zu kämpfen…

Alban Albrecht

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