Kindergarten | Anzahl Lektionen soll bereits ab nächstem Schuljahr angehoben werden

Einen Halbtag mehr in der Woche

Länger offen. Bildungsdirektor Christophe Darbellay treibt seine Reform voran.
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Länger offen. Bildungsdirektor Christophe Darbellay treibt seine Reform voran.
Foto: Keystone

Quelle: WB /dab 05.09.18 0
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Wallis | Jeweils vier Lektionen mehr für den ersten und den zweiten Kinder­garten: Bildungsdirektor Christophe Darbellay will seine angekündigte Reform ab dem nächsten Schuljahr einführen. An der Basis regt sich Widerstand.

Kaum im Amt machte Christophe Darbellay ernst. Zu Beginn des vergangenen Schuljahrs 2017/18 liess der frischgebackene Bildungsdirektor verlauten, dass er im ersten HarmoS-Zyklus, also auf Stufe Kindergarten und den beiden ersten Primarschuljahren, Reformen anstrebe. «Hier bin ich der Meinung, dass die Kinder zu wenig Schulstunden haben», sagte Darbellay damals im «Walliser Boten». Sein Vorhaben, die Anzahl Lektionen bei den Kleinsten zu erhöhen, nimmt nun Gestalt an. Seine Dienststelle hat entsprechende Vorschläge ausgearbeitet. An einer Podiumsdiskussion im Steger Haus der Generationen hat der CVP-Staatsrat am Dienstagabend die Richtung vorgezeigt.

So sollen die Kindergärtner in Zukunft jeweils vier Schulstunden à 45 Minuten mehr haben. Die Lektionen der Erstkindergärtner (1H) werden von heute 12 auf 16 Einheiten, jene der Zweitkindergärtner (2H) von 24 auf 28 erhöht. Und dies bereits ab dem kommenden Schuljahr 2019/20.

Wenig Stunden im schweizweiten Vergleich

Die vorgesehenen Änderungen begründet Darbellay unter anderem mit der grossen Aufnahmefähigkeit der Vier- und Fünfjährigen. In diesem Alter könne man den Kindern vieles mitgeben. Es sei wie bei einem Hausbau: Ein gutes Fundament sei das Entscheidende. Auch was die Sozialisierung und – vor allem bei ausländischen Kindern – die Integration betreffe, seien die ersten Jahre der Schullaufbahn am wichtigsten. Und die zusätzliche Schulzeit erlaube es den Kindern, sich besser an die neue Umgebung und die Schulstrukturen anzupassen. Von einer Eins-zu-eins-Betreuung daheim zu einer Eins-zu-zwanzig-Betreuung im Kindergarten – dieser Übergang sei wohl der grösste innerhalb des Schulwesens. Mehr Stunden würden den Kindern sowie den Lehrerinnen deshalb auch mehr Zeit geben, diesen Schritt zu bewältigen. Christophe Darbellay betont auch, dass das Wallis zu den Kantonen mit den wenigsten Schulstunden im ersten HarmoS-Zyklus gehöre – nur Rang 23 im schweizweiten Vergleich. Schliesslich sieht Darbellay in den geplanten Reformen auch eine Chance für das Lehrpersonal. Mit 28 Lektionen hätten die Kindergärtnerinnen weniger Mühe, auf ein 100-Prozent-Pensum von 32 Lektionen zu kommen. Heute sind teils organisatorische und verwaltungsinterne Kunstgriffe der Schulleitungen nötig, wenn eine Kindergärtnerin Vollzeit arbeiten will. Aber ob dies die Mehrheit der Lehrerinnen überhaupt will?

Auf Verordnungsweg

Am Dienstagabend sind sie in Scharen ins Haus der Generationen gepilgert, schätzungsweise 170 Personen, darunter Lehrerinnen, Logopädinnen und Mütter, wollten nun endlich mehr wissen über die Pläne des Staatsrats. Und gleichzeitig wollten sie ihm auch klarmachen, dass sie mit der Erhöhung der Stundenzahl alles andere als zufrieden sind. Laut ­Angela Ritz-Bregy, die für den Verein Lehrpersonen der Primarschulen Oberwallis VLPO das Wort ergriff, hätten sich in einer verbandsinternen Umfrage 75 Prozent der Kindergärtnerinnen gegen die Erhöhung der Stunden ausgesprochen. Die Argumentationen der meisten Voten gingen dahingehend, dass man bereits Mühe habe, das obligatorische Einschulungsalter von vier Jahren zu verdauen. Dass nun die Kleinsten auch noch länger in die Schule sollen, so ein weiterer Grundton, nur damit andere Mütter mehr arbeiten könnten, sei nicht akzeptabel. Die kritischen Voten wurden mit Beifallsjubel quittiert. An der Basis regt sich Widerstand. Die Aussichten der Lehrerinnen und Mütter, Darbellay von seinem Vorhaben abzuhalten, dürften derweil klein sein. Die Erhöhung der Lektionen ist über den Verordnungsweg möglich. Hierfür reicht die Zustimmung des Gesamtstaatsrats. Und auch allfällige Vorstösse im Parlament dürften es schwer haben, zumal die Unterwalliser Ratsmehrheit Darbellays Reformen mit weniger Emotionen anpacken dürften. Im welschen Kantonsteil diskutiert man bereits, wie der Lernstoff auf die zusätzlichen Lektionen verteilt werden könnte. Oder wie die Stundenpläne vereinheitlicht und flächendeckend Blockzeiten eingeführt werden könnten. Schliesslich wird es an den Gemeinden respektive den Schulleitungen sein, wie man nach der Erhöhung der Schulstunden neu die Stunden­pläne, die Tagesstrukturen oder auch die Transporte plant.

David Biner
05. September 2018, 17:18
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