Kirchen | Der Grosse Stockalper hatte die mächtige Pfeilerbasilika durch die Brüder Bodmer errichten lassen
Neugestaltung im Hause Gottes
Wunderprächtig. Der imposante Innenraum der Gliser Wallfahrtskirche. Sie ist eine Kirche von nationaler Bedeutung.
Foto: Walliser Bote
Für die Neugestaltung des Innenraums gibt es klare Vorgaben des Denkmalschutzes. Denn die Gliser Wallfahrtskirche gilt nicht nur als gut erhaltene Zusammenfassung der Walliser Geschichte, sondern als eine Kirche von nationaler Bedeutung.
Die Pfarrei Glis und seine Wallfahrtskirche können auf eine sehr lange Geschichte zurückblicken. Bei Ausgrabungen fand man gar Spuren einer ländlichen Taufkapelle aus der Frühzeit des Christentums. Und bis ins letzte Jahrhundert hinein fanden in der Advents- und Fastenzeit regelmässig Wallfahrten statt.
Verschiedene Stilepochen haben am einzigartigen Bauwerk Spuren hinterlassen. Die Goldene Pforte, Seitenkapellen und Chor sind etwa Zeugnisse aus der Gotik. Das dreischiffige Langhaus und das Portal stammen aus der Renaissance.
Seitenaltäre stammen aus dem Jahre 1650
Nicht zu übersehen sind auch die barocken Seitenaltäre aus dem Jahre 1650. Beide Altäre sind Werke von Giorgio Bernardi aus Domodossola. Die Gemälde schuf Georg Christoph Mannhaft, der Schwiegersohn des Grossen Stockalpers. Von 1648 bis 1668 liess der Grosse Stockalper durch die Brüder Bodmer die mächtige Pfeilerbasilika errichten. Die offene Arkadenvorhalle wurde zwischen 1660 und 1670 angefügt. In verschiedenen Etappen wurde die Kirche immer wieder renoviert, die letzte Innenrenovation des Kirchenschiffs erfolgte in den Jahren 1994/95.
Nun steht mit der Umgestaltung des Chorraums eine sanfte Innenrenovation an. Pfarrer Daniel Rotzer und das Seelsorgeteam hatten bereits 2012 die Notwendigkeit erkannt, in diesem Haus Gottes von nationaler Bedeutung «aufzuräumen», bzw. die liturgischen Möbel wie Ambo und Altar so zu gestalten, dass sie formal eine Einheit bilden. Dazu wurde ein Wettbewerb lanciert. Das Siegerprojekt wurde am Samstag der Öffentlichkeit vorgestellt (s. Artikel unten links). Pfarrer Rotzer betonte vor den Gästen, dass man mit der Präsentation noch nicht am Ziel sei, «aber auf gutem Weg».
Erhöhung des Kirchenbodens zum Chor hin
Die Architekturbüros mussten sich an die Vorgaben der Denkmalpflege und der Seelsorge halten. Erstere hatte vorerst einen Bericht verfasst. Anhand dieses Berichts schrieb die Jury gemeinsam mit Denkmalpfleger Klaus Troger ein Programm. In diesem waren einerseits die Vorgaben enthalten seitens der Denkmalpflege, aber auch gestalterische Wünsche und Vorgaben vonseiten der Seelsorge aufgeführt. Dieses Dokument diente den eingeladenen Architekturbüros als Vorgabe.
Es galt demnach zu beachten, was man in diesem sakralen Bau überhaupt verändern darf. Die Gliser Kirche zeichne sich im Gegensatz zu zahlreichen anderen Walliser Kirchen durch die Erhöhung des Kirchenbodens zum Chor hin in zwei verschiedenen Stiegenaufgängen aus. Diese Stufenarchitektur bezeichne «einen heiligen Bezirk», der dem Klerus vorbehalten gewesen sei. Die historischen Kirchenbänke aus dem 17. und 18. Jahrhundert seien vor diesem Bezirk errichtet. «Die Architektur und die ältere Ausstattung des Chorbereichs stellen eine interessante, äusserst gut erhaltene Zusammenfassung von Walliser Kunstgeschichte vom Spätmittelalter bis heute dar, welche es zu erhalten gilt», steht im Programm.
Neuer Taufstein und Ort privater Andacht
Klar galt als Vorgabe, dass die Kirche mit der Neugestaltung des Chorraums und weiteren Veränderungen einen neuen Taufort bekommen soll: «Der neue Taufstein soll mit dem neuen Altar und Ambo formal eine Einheit bilden», lautete die Vorgabe. Neben dem Taufstein erhält auch die Osterkerze ihren speziellen Ort. Beide Vorgaben sind im Siegerprojekt einwandfrei umgesetzt.
Die sogenannte de Curten-Kapelle (südliche Seitenkapelle) mit dem Pietà-Altar soll ein Ort für die private Andacht werden. Ausgestattet mit sechs Sitzgelegenheiten und ausgerichtet auf den Altar. Ein Kerzentisch für das Anzünden von Kerzen darf nicht fehlen. Zum neugotischen Beichtstuhl bemerkt die Denkmalpflege: «Der aktuelle Standort dieses Beichtstuhls in der Seitenkapelle kann überdacht, seine Erhaltung jedoch nicht infrage gestellt werden.»
Neues Beleuchtungskonzept für gesamte Kirche
Für die gesamte Kirche ist ebenfalls ein neues Beleuchtungskonzept vorgesehen. Das Siegerprojekt sieht vor, die bestehenden Pendelleuchten im Schiff vorläufig beizubehalten. In Chor und Seitenkapellen sollen mittels Lichtführung und -qualität unterschiedliche Atmosphären geschaffen werden können.
Die Pfarrei trägt die Kosten des Umbaus. Ein Voranschlag ist noch nicht erstellt. Ein Konto Renovation besteht seit Längerem. Zeitgleich mit der Neugestaltung des Chorraums ist eine Gesamtreinigung der Innenraumschale geplant. Mit der Sanierung der Innenhülle will man zuwarten, bis der Dorfplatz umgestaltet ist. Dessen Startschuss in die Bauetappe fällt im Mai. Während der Bauphase in der Wallfahrtskirche in diesem und nächstem Jahr dient werktags die Josefskapelle als Alternative.
Die Ausstellung der Wettbewerbsarbeiten mit dem Siegerprojekt «Canto nuovo» ist im Gliser Pfarreiheim nochmals für alle Interessierten am 6. und 7. April jeweils von 19.00 bis 20.00 Uhr geöffnet. Auch der Jurybericht liegt auf.
Daniel Zumoberhaus








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