Notstand | Zwölf Kantone haben Unterstützung von der Armee angefordert

Corona-Notstand bringt weitere Einschränkungen

Die grösste Armee-Mobilisierung seit dem Zweiten Weltkrieg ist im Gange.
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Die grösste Armee-Mobilisierung seit dem Zweiten Weltkrieg ist im Gange.
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Mobilisierung der Schweizer Armee für den Coronavirus-Notfall am Dienstag in Ambri.
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Mobilisierung der Schweizer Armee für den Coronavirus-Notfall am Dienstag in Ambri.
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Am Montag sind Soldaten für das Spitalbataillon 5 aus verschiedenen Teilen der Schweiz in der Kaserne von Stans eingetroffen.
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Am Montag sind Soldaten für das Spitalbataillon 5 aus verschiedenen Teilen der Schweiz in der Kaserne von Stans eingetroffen.
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Quelle: SDA 0

Im Zuge des landesweiten Corona-Notstandes sind in vielen Lebensbereichen weitere Einschränkungen und Massnahmen beschlossen und kommuniziert worden. Derweil stieg die Zahl der Corona-Toten in der Schweiz auf 35, über 3000 Personen waren infiziert.

Bei 2772 der positiv Getesteten sei die Ansteckung mit Sars-CoV-2 bestätigt, und bei 256 Fällen stehe nach einem ersten positiven Resultat die Bestätigung noch aus, hiess es im Situationsbericht zur epidemiologischen Lage des Bundesamtes für Gesundheit (BAG).

Das BAG meldete 21 Todesfälle. Gemäss der Zählung der Nachrichtenagentur Keystone-SDA und gestützt auf kantonale Angaben sind bisher 35 Menschen an der Infektion gestorben, meist Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen.

Inzwischen haben zwölf Kantone Unterstützung von der Armee angefordert. Die Gesuche stammen aus dem Kanton Tessin, den beiden Basel, Graubünden, Neuenburg, Thurgau, Wallis, Bern, Waadt, Solothurn, Appenzell Ausserrhoden und Nidwalden. Insgesamt handelt es sich um über 60 Unterstützungsgesuche.

Mobilisierung der Armee verläuft ruhig

Über die grösste Armee-Mobilisierung seit dem Zweiten Weltkrieg zog der stellvertretende Armeechef Aldo Schellenberg eine positive erste Bilanz. Diese verlaufe ruhig, professionell und zügig, sagte er in der Sendung "Heute Morgen" von Radio SRF.

Trotz rasch steigender Corona-Zahlen ist die medizinische Versorgung in der Schweiz derzeit sichergestellt. Das teilten die Kantone am Mittwoch auf Anfrage mit. Wie viele Betten mit Beatmungsgeräten exakt bereitstehen und belegt sind, ist nicht bekannt. Die Spitäler sind laufend daran, zusätzliche Kapazitäten zu schaffen

Maximal könnten in der Schweiz 1200 Intensivpflegebetten bereitgestellt werden, hatte Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Dienstag gesagt. Die Armee verfügt über zusätzliche Ressourcen. Sie hat zusätzliche 204 Beatmungsgeräte für mögliche Patienten mit der Lungenkrankheit Covid-19.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) verstärkt seine Informationskampagne und stellt Gemeinden und Städten ab sofort kostenlos Coronavirus-Plakate "So schützen wir uns" zur Verfügung. Diese können - ebenfalls kostenlos - an den Plakatstellen der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) angebracht werden.

Grenze immer undurchlässiger

Derweil hat der Bundesrat an der Grenze weiter die Schraube angezogen. Er hat das Einreiseverbot mit Ausnahmen nach Italien, Frankreich, Deutschland und Österreich auch auf Spanien ausgedehnt. Zudem hat er die Erteilung von Visa für vorerst drei Monate ausgesetzt.

Das Virus lässt auch das politische Leben weiter abstürzen: Der Abstimmungssonntag vom 17. Mai 2020 wird verschoben. Das hat der Bundesrat entschieden. Die Begrenzungsinitiative der SVP, das revidierte Jagdgesetz sowie die Vorlage über die Kinderdrittbetreuungskosten gelangen später an die Urne.

Abgesagt sind auch die Kommunalwahlen im Kanton Tessin vom 5. April sowie die Konsultativabstimmung zu Grossfreiburg in neun Gemeinden am 17. Mai.

"Schweizerfonds" mit 100 Milliarden

Die zunehmend unter dem Coronavirus leidende Schweizer Wirtschaft soll mit einem "Schweizfonds" unterstützt werden. Dies forderten die beiden ETH-Wirtschaftsprofessoren Hans Gersbach und Jan-Egbert Sturm. Der Hilfsfonds soll ihrer Meinung nach mit 100 Milliarden Franken ausgestattet werden.

Die vom Bundesrat bisher getroffenen Massnahmen und die von ihm bereitgestellten 10 Milliarden reichten nicht aus, begründen die beiden Professoren ihren Vorstoss am Mittwoch in einer Mitteilung. Die Funktionsfähigkeit des gesamten Wirtschaftssystems sei gefährdet. Es drohten starke Wertschöpfungseinbrüche und eine Insolvenzwelle. Der Bundesrat will am Freitag informieren.

Bereits am Mittwoch hat die Landesregierung entschieden, dass ab Donnerstag bis zum 4. April in der Schweiz niemand betrieben werden darf. Sie will damit Unternehmen in finanziellen Nöten entlasten.

"Punktuelle Überlast"

Auch die Telekommunikationsinfrastruktur läuft wegen der Corona-Krise am Limit. Der Bund schreibt von einer historisch einmaligen Situation, Swisscom und Sunrise berichteten von "punktueller Überlast". Zu einer grösseren Panne kam es aber am Mittwoch nicht.

Auf Baustellen im Kanton Genf darf wegen der Ausbreitung des Coronavirus ab Freitag nicht mehr gearbeitet werden, auf den Baustellen im Kanton Waadt seit Mittwoch 18 Uhr nicht mehr.

Die Gewerkschaft Unia hatte die Regierungen in mehreren Kantonen dazu aufgefordert, einen Baustopp anzuordnen. Der Schweizerische Baumeisterverband (SBV) ist hingegen der Ansicht, dass mit flächendeckenden Baustellenschliessungen niemandem gedient sei.

Um Hamsterkäufen einen Riegel zu schieben, hat der Bundesrat den grössten Teil der Medikamente rationiert, darunter die gängigsten Schmerzmittel und fiebersenkenden Medikamente.

Schweizer Touristen sitzen fest

Hunderte Reisende aus der Schweiz sitzen wegen des Ausbruchs der Corona-Pandemie derzeit irgendwo im Ausland fest. Auf der Plattform Itineris des Aussendepartements EDA haben sich rund 15'000 Personen registriert.

Die Reisebüros tun ihr Möglichstes, um die Heimreise von Kunden zu organisieren. Die Helpline des EDA erhält nach Angaben von Aussenminister Ignazio Cassis täglich über 1000 Anrufe. Er rief die Reisenden auf, keine Zeit zu verlieren bei der Buchung eines Fluges in die Schweiz. Sie sollten dies tun, bevor die Grenzen geschlossen würden.

Den Umstand, dass immer mehr Menschen von zuhause aus arbeiten, und damit kein öV-Abo brauchen, bekommen momentan auch die Angestellten des SBB-Kundendienstes zu spüren. Zahllose Pendlerinnen und Pendler wollen ihre Abonnemente sistieren. Die SBB bitten um Verständnis, dass die Bearbeitung momentan länger dauert.

Erste Anzeigen wegen Verstössen

Am Mittwoch kam es zu ersten Anzeigen wegen Missachtung der behördlichen Weisungen, namentlich im Kanton Wallis. In grösseren Städten war die Polizei laut Augenzeugen vermehrt präsent, musste aber offenbar noch nicht einschreiten, wie eine Umfrage von Keystone-SDA vom Mittwoch ergab.

Wer die Weisungen der Behörden nicht befolgt, muss unter Umständen mit harten Strafen rechnen: Es drohen bis zu drei Jahre Gefängnis.

Das derzeit eher Auto als Zug und Bus angesagt ist, bekam auch das Berner Inselspital zu spüren. Es fehlen plötzlich Parkplätze, weil Angestellte mit dem Auto zur Arbeit fahren. Die Stadt sucht mit dem Spital nach Lösungen. Im Gespräch sind freie Pausenplätze, die fürs Parkieren verwendet werden könnten. Auch Sportfelder und Abschnitte von zwei grossen Strassen in der Nähe des Inselspitals werden auf deren Eignung untersucht.

Swiss-"Grounding" - SRF-Höhenflug

Die Corona-Krise ruft auch Erinnerungen ans Swissair-Grounding wach: Die Fluggesellschaft Swiss stellt ab Donnerstag bis zu 24 Maschinen auf dem Militärflugplatz Dübendorf ab. Wegen der Corona-Krise werden die Flugzeuge derzeit nicht gebraucht.

Das Abstellen auf dem Militärflugplatz geschieht in Absprache mit der Luftwaffe, wie die Swiss am Mittwoch mitteilte. Es handelt sich um Maschinen des Typs A320, die normalerweise auf Kurz- oder Mittelstreckendistanzen unterwegs sind.

Das Coronavirus verhilft dafür dem Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) zu neuen Höhenflügen: Die Hauptausgabe der "Tagesschau" vom Dienstag erreichte 1,35 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer. Das entspricht einem Marktanteil von 69,3 Prozent.

Das bedeutet, dass von allen Einwohnern, die zu dieser Zeit vor dem Fernseher oder sonst einem Empfangsgerät sassen, knapp 70 Prozent die "Tagesschau" sahen. Solche Zahlen schafft sonst höchstens ein Fussball WM-Final.

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