Organspende | Bakterien grösstes Problem

Jeder zweite Organ-Empfänger von schweren Infektionen bedroht

In die Studie, die von 2008 bis 2014 lief, wurden fast 3000 Personen eingeschlossen, also beinahe alle Transplantationspatienten in der Schweiz. (Symbolbild)
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In die Studie, die von 2008 bis 2014 lief, wurden fast 3000 Personen eingeschlossen, also beinahe alle Transplantationspatienten in der Schweiz. (Symbolbild)
Foto: Keystone

Quelle: SDA 0

Mehr als die Hälfte der Empfänger einer Organtransplantation entwickeln innerhalb eines Jahres schwere Infektionen. 60 Prozent davon sind durch Bakterien verursacht, wie Schweizer Forscher berichten.

In der Schweiz leben mehr als 5000 Menschen dank eines oder mehrerer transplantierter Organe. Jährlich erhalten 600 Patienten ein Herz, eine Niere, eine Leber, eine Lunge oder eine Bauchspeicheldrüse.

Um das Risiko einer Abstossung des fremden Organs zu verringern, müssen die Patienten ihr ganzes Leben lang Medikamente einnehmen, die das Immunsystem unterdrücken. Das macht sie besonders anfällig für Infektionen durch Bakterien, Viren oder Pilze. Vor allem in den zwölf Monaten nach der Operation ist das Infektionsrisiko hoch, da die Dosis der immunsuppressiven Medikamente dann am höchsten ist.

Seit den 1980er-Jahren wird diesen Patienten eine Prophylaxe verschrieben, um sie vor bestimmten opportunistischen Krankheitserregern wie dem Cytomegalievirus, dem Parasiten Toxoplasma und dem Pneumocystis-Pilz zu schützen.

Wissenslücke zu Infektionen bei Prophylaxe

Bisher gab es jedoch keine Studien zu Infektionen bei diesen Patienten unter Prophylaxe, erklärte Christian van Delden von der Universität Genf (Unige) und den Universitätskliniken Genf (HUG). Nun veröffentlichte er gemeinsam mit Kollegen des Universitätsspitals Zürich Ergebnisse dazu im Fachblatt "Clinical Infectious Diseases".

Man sei davon ausgegangen, dass das Infektionsrisiko ab dem zweiten Monat allmählich abnimmt, parallel zum Rückgang der Immunsuppressiva, fügte der Co-Studienleiter van Delden hinzu, der am Donnerstag in einer HUG-Pressemitteilung zitiert wurde.

In die Studie, die von 2008 bis 2014 lief, wurden fast 3000 Personen eingeschlossen, also beinahe alle Transplantationspatienten in der Schweiz. Diese Patienten sind Teil der Schweizerischen Transplantationskohortenstudie und werden in diesem Rahmen seit 2008 insbesondere im Hinblick auf infektiöse Komplikationen überwacht.

Andere Erreger

Die Auswertung zeigte, dass die Prophylaxe wirksam den selten gewordenen Cytomegalievirus-, Toxoplasma- und Pneumocystis-Infektionen vorbeugt. Bei mehr als der Hälfte der Patienten traten jedoch eine oder mehrere schwere infektiöse Episoden mit anderen Erregern auf, wobei die Anfälligkeit je nach Art des transplantierten Organs sehr unterschiedlich war.

In den Wochen nach der Transplantation sind demnach diejenigen Patienten am meisten gefährdet, die ein Herz oder eine Lunge erhalten haben. Nach diesem Zeitraum bleiben die Empfänger von Lungentransplantaten sehr anfällig für Infektionen. Auf der anderen Seite bleiben Patienten, die eine Niere erhalten haben, relativ sicher vor schweren Infektionen.

Auch die Arten der beteiligten Erreger wurden im Rahmen der Studie identifiziert: Mehr als 60 Prozent der Infektionen sind demnach bakteriellen Ursprungs, im Allgemeinen verursacht durch Enterobakterien, also Darmbakterien, die dazu neigen, Resistenzen gegen Antibiotika zu entwickeln. Auffällig ist, dass die meisten Infektionen das transplantierte Organ selbst betreffen.

Leitfaden für Ärzte

Co-Studienleiter Nicolas Müller vom Universitätsspital Zürich betont aufgrund der Ergebnisse, dass Ärzte sich bei transplantierten Patienten stärker auf die Bekämpfung klassischer, bakterieller Infektionen konzentrieren sollten. "Wir müssen zum Beispiel bei Organempfängern dem Thema Impfen mehr Bedeutung beimessen", liess sich Müller in einer Mitteilung des Universitätsspitals Zürich zitieren.

"Unsere Arbeit hat es uns ermöglicht, eine Art Leitfaden für Ärzte zu erstellen", fügte van Delden hinzu. An dieser bisher grössten Studie in diesem Bereich waren Forscher aus allen Schweizer Transplantationszentren beteiligt - also Genf, Zürich, Bern, Basel, Lausanne und Kantonsspital St. Gallen.

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