Hochschule | ETH reagiert "mit Befremden"

Scharfe Kritik an geplanter Entlassung einer ETH-Professorin

ETH-Physikprofessorin Ursula Keller spricht von Führungsmängeln an der Hochschule, Sexismus und Korruption.
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ETH-Physikprofessorin Ursula Keller spricht von Führungsmängeln an der Hochschule, Sexismus und Korruption.
Foto: Keystone

Quelle: 1815.ch 0

Nachdem in der vergangenen Woche bekannt geworden war, dass die ETH-Zürich eine Professorin entlassen will, weil diese sich gegenüber Doktorierenden unkorrekt verhalten habe, kritisiert eine Physikprofessorin den Entscheid harsch. Auch die Betroffene selbst nimmt in einem Interview Stellung. Die ETH wehrt sich.

Von Führungsmängeln an der Hochschule, Sexismus und Korruption spricht ETH-Physikprofessorin Ursula Keller in einem Interview mit dem Onlinemagazin "Republik". Es habe zu viele Ungereimtheiten gegeben, als dass man ihre Kollegin mit gutem Gewissen entlassen könnte.

Im Schweizerischen Rechtsstaat hätten Beschuldigte als unschuldig zu gelten, solange ihnen keine Verfehlung zweifelsfrei nachgewiesen sei. Die gegen Marcella Carollo erhobenen Vorwürfe seien nie mit der gebotenen Sorgfalt überprüft worden. Deshalb könne niemand sagen, ob die Professorin oder die Doktoranden die Wahrheit sagten.

"Ich bin die heutige Anna Göldi"

Auch Carollo selbst betonte in einem Interview mit der "Weltwoche", die ETH habe nie gesagt, welches unangemessene Benehmen sie ihr vorwerfe. Den in den Medien erhobenen Vorwurf des Mobbings weist sie zurück. Sie sei nie beleidigend gewesen. Sie habe nur sichergestellt, dass die Doktoranden ihr maximales Potenzial erreichten.

"Ich bat meine Studenten, eine Stunde täglich zu lesen, benutzte aber niemals eine unangemessene Sprache und sprach schon gar nicht von irgendwelchen Gehirngrössen. Die Kampagne gegen mich, das ist Mobbing", sagte sie in dem Interview.

Sie sei mit den Vorwürfen nie richtig konfrontiert worden. Alles sei geheim gehalten worden. "Lasst uns ein faires Verfahren führen, bitte. Das ist der Grund, warum ich meine Situation mit der letzten Hexe vergleiche: Ich bin die heutige Anna Göldi," sagte Carollo.

"Als Frau im Haifischbecken"

Mit einem männlichen Professor wäre man anders umgesprungen, wie Keller sagt. Man hätte aufgrund schwammiger Vorwürfe einen Professor nicht sofort belastet. Wahrscheinlich hätte man einen männlichen Kollegen im Physikdepartement sogar reingewaschen, wenn er nachweisbar schuldig gewesen wäre, vermutet Keller. Als Frau sei man im Physikdepartement in einem Haifischbecken.

Der Hochschule wirft sie gravierende Führungsmängel vor und fordert eine klare Trennung von Kompetenzen. Die ETH werde von inoffiziellen Koalitionen gelenkt, die sämtliche Macht auf sich vereinigten. Im Moment sei es leider noch so, dass ein innerer Kreis von Professoren entscheide, der ein bisschen gleicher als die anderen seien.

"Im Grunde spreche ich von Korruption", sagte Keller. Wenn der ETH-Rat der beantragten Entlassung zustimme, fordere sie eine parlamentarische Untersuchung.

ETH: "Einseitige Vorwürfe"

Die ETH reagiert "mit Befremden" und spricht in einer Mitteilung von "einseitigen Anschuldigungen" und "unbelegten Vorwürfen". Die Unterstellung, die ETH habe die Administrativuntersuchung nicht mit der gebotenen Sorgfalt geführt, sei falsch. Diese sei nach rechtsstaatlichen Grundsätzen geführt worden.

Zudem stimme es nicht, dass die Professorin nicht angehört worden sei. Sie habe mehrmals die Gelegenheit dazu erhalten und auch die Gesprächsprotokolle erhalten. Die Untersuchung sei zum Schluss gelangt, dass ein "schwerwiegendes pflichtwidriges Verhalten über einen längeren Zeitraum hinweg vorliegt". Es gebe keine Anzeichen einer "Kampagne" gegen die Professorin.

Weil das Verfahren juristisch noch nicht abgeschlossen ist, kann die ETH Zürich keine Details bekannt geben. Sie stellte aber in Aussicht, den gesamten Untersuchungsbericht nach Abschluss des Entlassungsverfahrens zu veröffentlichen.

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