Wirtschaft | Thurgauer Zugbauer will Wettbewerbsposition langfristig stärken

Stadler Rail plant Börsengang in den nächsten Monaten

Neue Pläne. Bisher gab es Gerüchte, jetzt ist es offiziell. Das Thurgauer Bahnunternehmen Stadler Rail wird zum Börsenkonzern.
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Neue Pläne. Bisher gab es Gerüchte, jetzt ist es offiziell. Das Thurgauer Bahnunternehmen Stadler Rail wird zum Börsenkonzern.
Foto: Keystone

Quelle: SDA 0

Der Thurgauer Zugbauer Stadler Rail wagt den Gang aufs Börsenparkett. Das Initial Public Offering (IPO) soll bereits in den nächsten Monaten über die Bühne gehen - vorbehaltlich des Marktumfeldes. Das Unternehmen von Alt-SVP-Nationalrat Peter Spuhler konkretisiert damit seine bereits angedeuteten Börsenpläne.

Aktuell hält Firmenpatron und Verwaltungsratspräsident Peter Spuhler 80 Prozent an der Firma. Im Rahmen des Börsengangs sollen nun ausschliesslich bestehende Aktien aus seinem direkten und indirekten Besitz angeboten werden, teilte Stadler Rail am Dienstag mit. Spuhler werde nach dem Börsengang weiterhin als grösster Aktionär und Verwaltungsratspräsident von Stadler engagiert bleiben.

In den letzten Monaten hatte die Gerüchteküche geradezu gebrodelt. Sowohl die «Handelszeitung» als auch das Online-Magazin «Cash» hatten berichtet, dass Stadler in intensiven Gesprächen mit möglichen Investoren stecke. Der Zeitpunkt des Börsengangs war damals bereits mit April oder Mai angeben worden.

«Logischer nächster Schritt»

Der geplante Börsengang an der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange sei ein logischer nächster Schritt in der Geschichte von Stadler, hiess es in dem Communiqué. Er solle helfen, die langfristige Wettbewerbsposition des Unternehmens in den bestehenden Märkten zu stärken und die künftige Entwicklung der Firma zu unterstützen.

Stadler stellt unter anderem Hochgeschwindigkeitszüge, U-Bahnen, Trams und Zahnradbahnen her.

Am Dienstag publizierte das Unternehmen ausserdem seine Zahlen für das Geschäftsjahr 2018. Stadler erwirtschaftete einen konsolidierten Netto-Umsatz von 2,0 Milliarden Franken, nach 2,4 Milliarden im Jahr zuvor. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen sowie Abschreibungen (EBITDA) lag bei 208 Millionen Franken nach 245 Millionen im Vorjahr.

2018 setzte sich damit die Erholung beim Umsatz vorerst nicht weiter fort. 2017 war als das Jahr in die neuere Firmengeschichte eingegangen, in dem Stadler Rail die schwierige Situation nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses von 1,20 Franken gemeistert hatte.

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Stadler Rail: Vom Ingenieursbüro zum Grosskonzern

Den Thurgauer Lokomotivhersteller Stadler hat Peter Spuhler 1989 gekauft. Innert 30 Jahren hat er aus dem Unternehmen einen Grosskonzern geformt, der nicht nur in der Schweiz, sondern auch in anderen Ländern Europas bereits ein bedeutender Player ist.

Gründer der heutigen Stadler Rail war Ernst Stadler. Er gründete 1942 in Zürich das Ingenieurbüro Stadler. Zu Beginn rüstete das Unternehmen vor allem bestehende Lokomotiven von Diesel- auf Akku-Betrieb um und baut eigene Lokomotiven. 1962 verlegte Ernst Stadler die Firma ins thurgauische Bussnang, 1976 wurde das Ingenieurbüro Stadler in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, die Stadler Fahrzeuge AG.

1984 stieg Stadler in das Geschäft mit Personenzügen ein - Kerngeschäft waren damals Spezialanfertigungen für Schweizer Privatbahnen. Der eigentliche Grundstein für die heutige Stadler Rail wurde aber 1989 gelegt, als Peter Spuhler Stadler mit einem Umsatz von damals 4,5 Millionen Franken kaufte. Bezahlt hatte er für das Unternehmen - so sagt es zumindest die Gründungssage von Stadler Rail - 5 Millionen Franken. Finanziert hatte der Kauf die Thurgauer Kantonalbank.

Spuhler verfolgte eine eigene, sehr fokussierte Strategie: Stadler entwarf und baute hauptsächlich für Schweizer Schmalspurbahnen neue Triebzüge, gleichzeitig wurde aber damit begonnen, einen eigenen leichten und kostengünstigen Regionalzug für die Normalspur zu entwickeln. Dies alles zu einer Zeit, als die Branche noch stark auf schwere Lokomotiven setzte und von Triebzügen wenig hielt.

Mittelthurgaubahn als erster Kunde

Den ersten eigenen Personenzug lancierte das Unternehmen dann 1995: den GTW 2/6. Erste Abnehmerin war die damalige Mittelthurgaubahn, welche gegen die SBB die Ausschreibung für die Bahnlinie von Schaffhausen entlang des Bodensees nach Romanshorn gewonnen hatte und dort mit einem neuen Konzept - oder eben mit leichtem, günstigen und sparsamen Rollmaterial - punkten wollte.

Zwar wurde die Mittelthurgaubahn bald liquidiert, unter anderem wegen strategischen Fehlern im Güterverkehr, mit den GTWs auf der so genannten Seelinie begann die Erfolgsgeschichte von Stadler Rail aber definitiv: Der Gelenktriebwagen, wofür die Abkürzung GTW stand, verkaufte sich sehr gut.

Später entwickelte Stadler Rail einen weiteren Regionalzug, den "flinken leichten innovativen Regional-Triebzug", kurz Flirt. Dieser kam ab 2004 auf die Schienen und wurde zu einem Verkaufsschlager. Mittlerweile entwickelt und baut Stadler Rail aber auch doppelstöckige Intercity- und S-Bahnzüge, Hochgeschwindigkeitszüge, Trams und U-Bahnen. Zudem ist Stadler Rail auch weiterhin im Geschäft für Spezialanfertigungen und Schmalspurbahnen aktiv.

 

Zukäufe und ein Joint Venture

Hintergrund dieser Expansion bildeten diverse Zukäufe: So übernahm Stadler Rail 1997 den Wagenbauer Schindler Waggon in Altenrhein, 1998 das Zahnradbahngeschäft der einst zu Sulzer gehörende ehemaligen Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM) und 2005 schliesslich den ebenfalls aus der SLM heraus entstandenen Drehgestellhersteller Winpro.

Den Schritt ins Ausland wagte Stadler 2001 mit einem Joint Venture mit Adtranz, die einst aus der Eisenbahnsparte von ABB und der Verkehrstechniksparte von Daimler-Benz entstanden war und damals an Bombardier verkauft wurde. Schon ein Jahr später übernahm Stadler Rail das Gemeinschaftsunternehmen in Deutschland dann vollständig.

Die weitere Auslandexpansion folgte durch die Gründung zahlreicher Tochterunternehmen und den Aufbau von Produktions- und Unterhaltsstätten. Stadler kaufte 2015 zudem das Lokomotivgeschäft von Vossloh im spanischen Valencia.

Heute hat Stadler in der Schweiz Fabriken in Bussnang, Altenrhein und Winterthur, zudem eine Giesserei in Biel und ein Inbetriebsetzungszentrum im thurgauischen Erlen. Im Ausland hat Stadler in Deutschland, Polen und Ungarn eine sehr starke Präsenz - sowohl Ingenieursarbeiten als auch Produktion und Vertrieb hat Stadler in diesen Ländern aufgebaut. Dazu kommt die Lokomotivfabrik in Spanien, ein Montagewerk in Weissrussland sowie bald eine Fabrik in den USA.

Zudem betreibt Stadler zahlreiche Unterhaltswerke für Züge, unter anderem in den Niederlanden, in Italien, Schweden, Österreich, Grossbritannien und Algerien.

Von 18 auf 8500 Mitarbeiter

Die Expansion zeigt sich aber auch in der Umsatzentwicklung sowie der Zahl der Mitarbeitenden, welche Stadler beschäftigt. Waren 1989 18 Personen für das Unternehmen tätig, wurden 2002 bereits 700 Angestellte gezählt. Aktuell sind weltweit mehr als 8'500 Personen für Stadler Rail tätig.

Der Umsatz wiederum kletterte von 4,5 Millionen Franken bei der Übernahme durch Peter Spuhler im Jahr 1989 auf derzeit rund 2 Milliarden Franken. Allerdings ist der ausgewiesene Umsatz sehr stark von der Auftragslage und der Währungskonstellation abhängig. So betrug der Umsatz der Stadler Gruppe 2013 sogar 2,5 Milliarden Franken. Erstmals die Milliardengrenze überschritten hatte Stadler Rail 2007. sda

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