Familienpolitik | CVP will Heiratsstrafe abschaffen

Streit um Definition der Ehe ist für CVP ein Nebenschauplatz

Hinter der Volksinitiative "Für Ehe und Familie - gegen die Heiratsstrafe" steht die CVP. (Archivbild)
1/2

Hinter der Volksinitiative "Für Ehe und Familie - gegen die Heiratsstrafe" steht die CVP. (Archivbild)
Foto: Keystone

Vertreter von CVP, SVP und EVP werben gemeinsam für die Initiative zur Abschaffung der Heiratsstrafe.
2/2

Vertreter von CVP, SVP und EVP werben gemeinsam für die Initiative zur Abschaffung der Heiratsstrafe.
Foto: Keystone

Quelle: SDA 18.01.16 3
Artikel teilen

Zehntausende Ehepaare zahlen mehr Steuern als Konkubinatspaare mit gleichem Einkommen und Vermögen. Diese Heiratsstrafe will die CVP beseitigen. Die Diskussion um die Definition der Ehe bezeichnen die Initianten als "Nebenschauplatz".

Doch prägt die Frage den Abstimmungskampf um die CVP-Initiative "Für Ehe und Familie - gegen die Heiratsstrafe", die am 28. Februar an die Urne kommt. Zu Recht sagte nämlich CVP-Präsident Christophe Darbellay am Montag vor den Medien, die Benachteiligung selber sei unbestritten.

Obwohl vom Bundesgericht als verfassungswidrig beurteilt, zahlen noch immer rund 80'000 Paare bei der Bundessteuer eine Heiratsstrafe. Das möchte der Bundesrat ändern, das möchte auch das Parlament ändern. Für eine Lösung fehlte es bisher am politischen Willen, nicht zuletzt wegen der hohen Kosten. Darum soll nun soll das Volk Remedur schaffen.

Die CVP-Initiative verlangt, dass die Ehe bei Steuern und Sozialversicherungen gegenüber anderen Lebensformen nicht benachteiligt wird. Laut Darbellay bekämpft sie damit eine "fundamentale Ungerechtigkeit". Wie genau das gehen soll, sagt die Initiative jedoch nicht.

Keine perfekte Lösung

Heute werden Ehepaare gemeinsam veranlagt, was zu einem höheren Einkommen und damit wegen der Progression zu einem höheren Steuersatz führt. Eine von vielen Kantonen praktizierte Alternative ist das Splitting, wobei die Einkommen zusammengerechnet und dann geteilt werden. Das kann wegen des höheren Steuersatzes das tiefere Einkommen benachteiligen, in der Regel jenes der Frau. Der Bundesrat favorisiert den "Mehrfachtarif mit alternativer Steuerberechnung", der in der Umsetzung aber als ebenso kompliziert gilt, wie er tönt.

Eine perfekte Lösung gebe es nicht, sagte Darbellay. Die Initiative beseitige nur das Problem der Heiratsstrafe. Eine Lösung schliesst sie hingegen von vornherein aus: Die gesonderte Besteuerung der Ehegatten wäre nicht mehr möglich, weil die Ehe im Initiativtext als Wirtschaftsgemeinschaft bezeichnet wird.

Das ist von den Initianten so gewollt. Die Berner SVP-Nationalrätin Nadja Pieren, deren Fraktion die Initiative unterstützt, bezeichnete die Individualbesteuerung als "Bürokratiemonster". Die Paare müssten eine zusätzliche Steuererklärung ausfüllen, die Verwaltung hätte 30 bis 50 Prozent mehr Aufwand.

Hohe Kosten

Auch ohne diesen Zusatzaufwand käme die Annahme der Initiative den Bund teuer zu stehen. Der Bundesrat geht davon aus, dass die Abschaffung der Heiratsstrafe je nach Umsetzung zu Steuerausfällen von 1,2 bis 2,3 Milliarden Franken führen würde. Hinzu kommen Kosten bei den Sozialversicherungen. Die Initiative verlangt nämlich, dass Ehepaare auch in dem Bereich nicht mehr benachteiligt werden.

Das zielt insbesondere auf die Ehepaar-Rente bei der AHV, die höchstens das eineinhalbfache einer Maximalrente betragen darf. Die Mehrheit der verheirateten Paare bekomme heute eine tiefere Rente als unverheiratete Paare in der gleichen Einkommenssituation, sagte EVP-Präsidentin Marianne Streiff.

Die Aufhebung der Plafonierung würde nach Berechnungen des Bundes zwei Milliarden Franken kosten. Aus diesem Grund hat der Ständerat einen Gegenvorschlag zur Initiative im letzten Moment abgelehnt. Dieser sollte das Anliegen der Initiative aufnehmen, ohne aber eine Definition der Ehe als Lebensgemeinschaft von Mann und Frau in die Verfassung zu schreiben.

"Vorgeschobenes Argument"

Es handelt sich um den umstrittensten Teil der Initiative. Nach Ansicht der Gegner - zu ihnen gehören auch Bundesrat und Parlament - wäre es dadurch nicht mehr möglich, künftig die Ehe für andere Lebensformen zu öffnen. Für Darbellay ist das ein vorgeschobenes Argument. Es dürfe nicht sein, dass eine vorhandene Ungerechtigkeit nicht beseitigt werde wegen einer Ungerechtigkeit, die es noch gar nicht gebe.

Streiff wies darauf hin, dass es sich bei der Definition im Initiativtext um das geltende Recht handle. Um die Ehe zu öffnen, müsste daher ohnehin die Verfassung geändert werden. Auf diesen Prozess nehme die Initiative keinen Einfluss. Auch für die eingetragenen Partnerschaften hat die Definition gemäss Initianten keine Auswirkungen. Diese würden steuerrechtlich gleich behandelt wie die Ehe, betonte Darbellay.

18. Januar 2016, 10:42
Artikel teilen

Artikel

Kommentare

  • walti - vor 10 Jahre ↑1↓0

    Es soll ja auch Homo Atheisten bei der CVP geben...

    antworten

  • Paul - vor 10 Jahre ↑13↓9

    Im Jahre 2016 noch eine solche Initiative zu lancieren ist eine Frechheit gegenüber gleichgeschlechtlichen Paaren.

    antworten

    • Jopi - vor 10 Jahre ↑2↓3

      Finde ich gar nicht. In erster Linie geht es darum, dass Ehepaare mehr Steuern zahlen als Konkubinatspaare. Und das ist ganz klar unfair.
      Über die Definition "Ehe" last sich streiten. Aber es ist nach wie vor normal, dass eine Ehe zwischen Mann und Frau stattfindet.
      Ein Stecker gehört nun mal in die Steckdose. Wie hätte sich sonst die Welt fortgepflanzt???

Kommentar

schreiben

Loggen Sie sich ein, um Kommentare schreiben zu können.

zum Login
Corona Infoseite

Wallis: Abgesagt oder verschoben wegen Corona

Veranstaltungen

  • Hier ansehen.
  • Newsticker
  • Meistgelesen
  • 20:00 Ab morgen ein neues News-Portal für das Oberwallis
  • 19:45 Polizei löst Party auf
  • 17:00 Eine Region – ein News-Portal
  • 16:21 Update: Flächenbrand in Törbel verläuft glimpflich
  • 12:47 Staubtrockene erste Aprilhälfte
  • 09:58 Türkischer Präsident Erdogan lehnt Rücktritt seines Innenministers ab
  1. «Wir mussten aus Paraguay fliehen»
  2. Wahlbetrug: Wann löst die Staatsanwaltschaft das Rätsel auf?
  3. Fotografen zelten fürs perfekte Bild illegal am Stellisee
  4. 20 Prozent mehr Jet-Flüge am Militärflugplatz Emmen
  5. Die höchstgelegene Käserei
  6. «Der Beruf ist abwechslungsreicher, als viele denken»
Aktuelle Verkehrsmeldungen

Kolumne | Diese Woche zum Thema:

Offene Fragen zur Corona-Pandemie

Peter Bodenmann und Oskar Freysinger schreiben bis auf weiteres im Walliser Bote.

RZ | Der ehemalige SP-Schweiz-Präsident und Hotelier Peter Bodenmann und Alt-Staatsrat und [...]

Oberwalliser Baby-Galerie

Valentina Heidi StuderMelina BellwaldOskar Derk Ottenkamp
zur Baby-Galerie
Anmeldung - WB Newsletter

Walliser Bote - Newsletter

    Täglich informiert mit dem WB-Newsletter!
  • Jetzt registrieren unter: www.1815.ch/newsletter

1815.märt - Jetzt inserieren

Hier können Sie Ihre Inserate direkt, günstig und flexibel im Walliser Bote und der Rhone Zeitung aufgeben.

Logo WalliserBote
  • Walliser Bote - Stellen
  • Walliser Bote - Immobilien
  • Walliser Bote - 5 Liber
  • Walliser Bote - Fahrzeuge
  • Walliser Bote - Diverses
  • Walliser Bote - Erotik
Logo Rhonezeitung
  • Rhone Zeitung - Inserate
  • Rhone Zeitung - 5 Liber
  • Rhone Zeitung - Baby Galerie - Kostenlos

Publikationen 2020

  • WB Publikationen 2020 [PDF]
  • RZ Publikationen 2020 [PDF]
Tweets von @1815_online
Rotten Verlag News

Kultur Wallis

    mehr

    Kursangebote

    Fehler beim laden der XML Datei

    mehr

    Das Walliser Erlebnismagazin

    Bergluft

    • Bergluft Nr. 30 [PDF]
    • Bergluft Nr. 29 [PDF]
    • Bergluft Nr. 28 [PDF]
    • Bergluft Nr. 27 [PDF]
    • Bergluft Nr. 26 [PDF]
    • Bergluft Nr. 25 [PDF]
    • Bergluft Nr. 24 [PDF]
    • Bergluft Nr. 23 [PDF]
    Streit um Definition der Ehe ist für CVP ein Nebenschauplatz | 1815.ch
    • Login
    • ePaper
    • Babies
    • Umfragen
    • Videos
    • Bilder
    • Wetter
    • Suchen
    • 1815 Märt
    • Abo
    • Werbung
    • Newsletter
    • Impressum
    • Kontakt
    • Leser-Reporter
    Mengis Gruppe: Pomona Media AG
    Rotten Verlags AG
    Alpmedia AG
    1815.ch
    Wetter-Cam
    : °/°
    • Login
    • Abo
    • Werbung
    • Newsletter
    • Kontakt
    • Leser-Reporter
    • Babies
    • Umfragen
    • Bilder
    • Videos
    • Sie sind hier:
    • Home
    • News
    • Schweiz
    • Politik
    • Streit um Definition der Ehe ist für CVP ein Nebenschauplatz

    Sitemap

    Impressum

    NEWS

    • Wallis
    • Schweiz
    • Ausland
    • Sport

    ABONNEMENTS

    • Aboservice
    • Alle Aboangebote
    • Probeabo
    • Ferienumleitung
    • Adresse ändern

    VERLAG & SERVICES

    • Regio Info
    • RSS
    • Werbung
    • Tarifdoku: WB, RZ, 1815

    MENGIS GRUPPE

    Pomonastrasse 12
    3930 Visp
    Tel. +41 (0)27 948 30 30
    Fax. +41 (0)27 948 30 31
    • Kontakt

     

    • Mengis Druck und Verlag AG
    • Rotten Verlags AG
    • Alpmedia AG

    © 2026 Mengis Druck und Verlag AG - Alle Rechte vorbehalten | Kontakt | Impressum | Datenschutzerklärung | AGB Abo | AGB Werbung | AGB 1815.club | AGB Rotten Verlags AG

    Website by update AG, Zürich