Ziegenzucht | Nur noch 30 «Capra Sempione» im Wallis

Stirbt die Simplonziege aus?

Züchterstolz: der erfolgreiche Natischer Züchter Roland Fercher mit den selten gewordenen Capra Sempione auf der Belalp. Dort werden die Tiere von Mai bis Oktober gesömmert.
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Züchterstolz: der erfolgreiche Natischer Züchter Roland Fercher mit den selten gewordenen Capra Sempione auf der Belalp. Dort werden die Tiere von Mai bis Oktober gesömmert.
Foto: zvg

Nach jahrelanger Arbeit verfügt Züchter Fercher heute über eine intakte Herde mit mehr als 25 Tieren.
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Nach jahrelanger Arbeit verfügt Züchter Fercher heute über eine intakte Herde mit mehr als 25 Tieren.
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Eine Seltenheit: im Wallis leben derzeit nur noch 30 Simplonziegen. Mehr als 25 Tiere stammen aus der Natischer Stallung von Roland Fercher.
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Eine Seltenheit: im Wallis leben derzeit nur noch 30 Simplonziegen. Mehr als 25 Tiere stammen aus der Natischer Stallung von Roland Fercher.
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Laut Fachmann Roland Fercher sind die «Simplerziegen» überaus zutrauliche Tiere.
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Laut Fachmann Roland Fercher sind die «Simplerziegen» überaus zutrauliche Tiere.
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Das durch und durch weisse und lange Haarkleid der Simplonziege macht diese Tiere derart besonders.
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Das durch und durch weisse und lange Haarkleid der Simplonziege macht diese Tiere derart besonders.
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In der Schweiz ist die Simplonziege selten geworden.
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In der Schweiz ist die Simplonziege selten geworden.
Foto: zvg

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Capra Sempione war gemäss Pro Specie Rara die Simplonregion sowohl auf Schweizer wie auch auf italienischer Seite – bis in die nördlichsten Regionen des Piemont hinein.
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Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Capra Sempione war gemäss Pro Specie Rara die Simplonregion sowohl auf Schweizer wie auch auf italienischer Seite – bis in die nördlichsten Regionen des Piemont hinein.
Foto: zvg

Nach jahrelanger Arbeit verfügt Züchter Fercher heute über eine intakte Herde mit mehr als 25 Tieren.
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Nach jahrelanger Arbeit verfügt Züchter Fercher heute über eine intakte Herde mit mehr als 25 Tieren.
Foto: zvg

Quelle: 1815.ch 9

Mit schweizweit 47 Tieren ist die «Simplerziege», die sogenannte Capra Sempione, vom Aussterben bedroht. Im Wallis weiss man von rund 30 Exemplaren. 25 weisse Walliser Schönheiten kommen aus dem Stall von Roland Fercher.

«Mit insgesamt 86 Ziegen in der Schweiz und in Deutschland muss die Simplonziege als hoch gefährdet eingestuft werden», erklärt Philippe Ammann, Bereichsleiter Tiere bei der Stiftung Pro Specie Rara, gegenüber «1815.ch.» Zum Vergleich: im Wallis wurden gemäss Herdenbuch des Schweizerischen Ziegenzuchtverbands (SZZV) im Juni dieses Jahres 1550 Tiere der in der Region weitaus populäreren Walliser Schwarzhalsziege gehalten. Doch auch diese stattliche Anzahl noch lebender Exemplare reicht nicht aus, um nicht auf der Liste der gefährdeten Nutztierrassen gelistet zu werden. Weitaus dramatischer steht es mit schweizweit 47 gemeldeten Tieren und 13 bekannten Züchtern somit um die Capra Sempione, die – wie ihre zweifarbige Schwesterrasse und auch die Kupferhalsziege und die Grüenochten Geissen – zur Gruppe der Walliser Ziegen gehört.

Der Herr der Capra Sempione

Roland Fercher hat sich mit mehr als 25 Ziegen, die noch bis Mitte Oktober auf der Belalp gesömmert werden, vor elf Jahren ganz der Haltung der Capra Sempione verschrieben. Der Natischer, der dank einiger Ziegenhalter in Oberitalien unwiderruflich zur Zucht der Simplonziegen gefunden hat, gerät ob der gehörnten Tiere, deren gewelltes Fell mitunter bis zu den Klauen reicht, ins Schwärmen: «’Simplerziegen’ sind überaus zutraulich und tragen ein wunderbar weisses Haarkleid, in dem sich, wenn das Fell frisch gewaschen und gebürstet ist, der Gletscher widerspiegelt.»

Den beliebten Walliser Schwarzhalsziegen ähnlich, weist die einstmals in der Simplonregion verbreitete Capra Sempione einen eher schlanken Körperbau auf, der gemäss Züchter Fercher etwas robuster ausfällt, als jener ihrer nahen Verwandten. Wie Philippe Ammann erklärt, fiel die Simplonziege bei der Rassenbereinigung 1938 durch die Maschen und gilt bis heute nicht als offizielle Rasse.

Hoch gefährdete Ziege

Der dramatische Rückgang des Bestands erklärt Ammann folgendermassen: «Von allen vier ursprünglichen Walliserziegen, der Schwarzhals- und Kupferhalsziege sowie der Simplonziege und der Grüenochten Geiss erhielten lediglich die Schwarzhalsziegen ein Zuchtbuch und somit einen offiziellen Status. Die allermeisten Züchter haben in der Folge die Schwarzhalsziege favorisiert, so dass die anderen Farbtypen allmählich verschwanden.» In der Tat zählt Pro Specie Rara in der Schweiz noch 350 Kupferhälse, deren 39 im Wallis. Ärger steht es um die Grüenochten Geissen, die es schweizweit auf einen dürftigen Bestand von 47 Tieren bringen. Elf davon leben im Wallis.

Eher zufällig stiess Pro Specie Rara im Jahr 2007 auf nur noch wenige Simplonziegen im Wallis und in anderen Regionen der Schweiz; zudem auch in Süddeutschland. Die Wurzeln der meisten jener Tiere liegen indes in der Herde von Roland Fercher, der bei der Ziegenzucht auf tatkräftige Unterstützung seiner Familie zählen kann. «Beinah täglich erhalte ich Anfragen rund um die Simplonziege», erzählt der stolze Züchter. Das Interesse an den seltenen Tieren habe abermals zugenommen, seitdem seine Tochter auf Facebook ein eigenes, den Simplonziegen gewidmetes Profil betreibe. Ein Hergang, der Philippe Ammann freuen dürfte: «Wir wissen von vier Züchtern im Wallis, die insgesamt 30 Tiere halten. Wir hoffen jedoch, dass sich im Ursprungsgebiet der stolzen Ziege weitere neue Züchter finden lassen werden.» Mit total 86 registrierten Tieren habe der Bestand wohl etwas zugenommen und die Tiere hätten vorübergehend vor dem Verschwinden gerettet werden können. Die Capra Sempione, die erst seit 2012 im Zuchtbuch geführt wird, sei aber noch immer hoch gefährdet.

Gute Zuchttiere im Stall

Gut also, dass es Ziegenliebhaber wie Roland Fercher gibt, der seine Zuchttiere im Sommer auf der Alp und im Winter in einem Laufstall in Naters hält. Ihm macht es nur wenig aus, dass die Capra Sempione im Wallis nach wie vor in nur mässig beachteter Koexistenz neben den Schwarzhalsziegen leben. Er habe sich inzwischen eine intakte Herde mit zwei vielversprechenden Böcken aufgebaut. «Ausserkantonal habe ich schon einige Tiere verkaufen können», so Fercher. Auch im Welschland, in Deutschland oder in St. Niklaus hätten sich Käufer gefunden. Und der «Mister Capra Sempione», der pro Tag mindestens eine Stunde bei seinen Tieren verbringt, fügt an: «Mir ist es wichtig, dass die Tiere einen guten Platz bekommen und nicht tagelang angebunden im Stall stehen müssen.» Auch deshalb habe er sich für seine Herde vor einiger Zeit für einen Laufstall entschieden. Jene Tiere, die sich nicht zur Weiterzucht eignen, werden für den Eigengebrauch geschlachtet – «erst nach einem Sommer auf der Alp», betont Fercher. Oster-Gitzifleisch komme bei ihm nicht auf den Tisch. Fercher will seinen Ziegen, die jeweils Anfang Frühling zur Welt kommen, zumindest einen Sommer lang eine unbeschwerte Zeit auf den Bergweiden der Belalp gönnen – nahe ihrer einstmals angestammten Region, dem Simplongebiet.

pan

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Kommentare

  • Färchimeitjia - 51

    Gut zu wissen, das einige Leute solch grossen Wert auf unsere stolze Zucht die CAPRA SEMPIONE haben. Die wir Züchten, ohne Lug und Trug.

    Wie unsere Vorfahren schon sagten " Wer isch der ältuschtu Walliser? Der Wind und der Nied."

    Freundliche Grüsse Färchimeitjia

  • Baer - 17

    Und wieviele gibt es davon in Italien?
    Wo bleibt die journalistische Recherche?

    • Flou - 42

      Und wie viele davon gibts in Frankreich, Neuseeland, den Karpaten und in Texas und auf der ganzen Welt?

  • Hans - 67

    Wieso reisst der Wolf eigentlich selten Ziegen..das schlauere und stärkere Tier wird überleben.

    • pius - 41

      was Hänschen nicht weiss !!! lernt auch Hans nimmermehr !!!!!!!!

  • schnuggel - 421

    komisch, dass pro specie rara eine mischung von appenzeller und schwarzhals als die capra sempione bezeichnet. wie wir wissen, hat fercher die weissen aus den beiden rassen herausgezüchtet.

    • Arthur Heinzmann - 245

      Es darf wohl einfach nicht sein, dass ein Mensch einem anderen etwas Freude und Erfolg bei irgendwas gönnt. Nur immer feste drauf, auf alle, die sich für irgendetwas begeistern können. Ich kann es nicht verstehen und werde es wohl auch nie.

  • dani - 1218

    dem fall muss diese Ziege geschützt werden, und nicht die Hundertschaften von Schafen...

    • Gotthelf - 83

      @ Arthur du hast recht hier wird nur provoziert von den Neidern

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