Weinbau | Turbulente Zeiten bei Provins. Wie steht es um das grösste Schweizer Weinhaus?

Düstere Prognosen für Provins

Licht und Dunkel. Provins, der grösste Schweizer Weinproduzent, ist in der Defensive. Die Fässer sind voll, die Kassen weniger.
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Licht und Dunkel. Provins, der grösste Schweizer Weinproduzent, ist in der Defensive. Die Fässer sind voll, die Kassen weniger.
Foto: zvg

«Wir können 
unsere finanziellen Engagements halten»
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«Wir können 
unsere finanziellen Engagements halten»
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Quelle: 1815.ch 0

Wallis | Hohe Lagerbestände, rückläufiger Konsum, fehlende Liquidität: Die Walliser Weinbranche kämpft an verschiedenen Fronten. Mittendrin: Provins-Direktor Raphaël Garcia.

Die Walliser Weinbranche blickt hoffnungsvoll auf den Jahrgang 2019. Die Vorzeichen stehen gut, die Bedingungen für ein gutes Weinjahr scheinen beinahe perfekt. Weit weniger perfekt präsentiert sich derzeit die Lage auf dem Weinmarkt. Hohe Lagerbestände und eine rückläufige Nachfrage bringen Walliser Kellereien in Bedrängnis. Auch Provins steht vor grossen Herausforderungen. Die Umsätze sind in der Tendenz rückläufig. Im Geschäftsjahr 2017/18 verbuchte die grösste Produzentin von Schweizer Weinen einen Verlust von knapp 2,8 Mio. Franken. In der Branche heisst es, das Weinhaus sei finanziell angeschlagen.

Raphaël Garcia, Sie sind Direktor von Provins, wie steht es um die Liquidität des Unternehmens?

«Wir können unsere finanziellen Engagements halten. Die Finanzkennzahlen kommunizieren wir zuerst unseren Genossenschaftern an der Generalversammlung.»

Gibt es finanzielle Engpässe bei Provins?

«Wie bereits erwähnt, ist Provins in der Lage, den finanziellen Verpflichtungen nachzukommen.»

Es gibt Gerüchte und verschiedene Indizien, die darauf hindeuten.

«Gerüchte kommentieren wir nicht. Meine Aufgabe ist es, die Genossenschaft Provins gemäss der festgelegten Strategie zu führen sowie unsere tollen Weine zum besten Preis zu verkaufen.»

Die Lagerbestände in den Walliser Kellereien erreichen derzeit Rekordwerte. Ende 2018 waren die Reserven um 11 % höher als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Das sind 60 Millionen Liter, die vom Markt absorbiert werden müssen. Die Ursache liegt im Frostjahr 2017. Aufgrund der Verluste – Provins hatte beispielsweise einen Ernteausfall von 40 % – und der damit einhergehenden geringen Produktion konnten Kellereien die gewünschten Quantitäten nicht liefern. Die Folge: Walliser Weine haben an Marktanteil verloren. 2018 musste ein Rückgang von 6,7 % verzeichnet werden.

Die Rekordernte vom letzten Jahr sorgte wiederum für volle Fässer, doch konnten die Verkaufsvolumen nicht zurückgewonnen werden. Dies dauere noch, sagt Garcia. Andere Lieferanten aus anderen Regionen haben sich breitgemacht – insbesondere der Kanton Waadt profitierte und konnte seine Absätze erhöhen. So füllten sich die Lagerbestände der Walliser Kellereien. Und weil die Preise erodieren, sind die Weinreserven in den Bilanzen vielfach zu hoch bewertet. Es ist ein Verdrängungswettkampf, der die Walliser Weinbranche fordert. So auch Provins. Die Produktion des Walliser Vorzeige-Weinhauses macht 20 % der Walliser und 10 % der Schweizer Weinproduktion aus.

Die Lagerbestände sind hoch, der Weinkonsum geht zurück. Wie geht Provins mit dieser ungemütlichen Marktsituation um?

«Wir setzen auf die Qualität unserer Weine. Und auf eine nachhaltige Produktion. Die Nachfrage nach qualitativ guten und nachhaltig produzierten Weinen wird zunehmen. Lokale Produkte sind im Trend. Weine, die über den Atlantik geschifft werden, weniger. Wir setzen daher auf Qualität, lokale Nähe und gute Preise. Wir kämpfen jeden Tag darum, Marktanteile zu gewinnen. Und ich kann Ihnen sagen, dass die Richtung stimmt.»

Um eine erneute Rekordernte zu verhindern, hat der Branchenverband der Walliser Weine im Juni markante Mengenbeschränkungen für die Weinernte eingeführt. Beim Pinot Noir, der wichtigsten Walliser Weinsorte, können in diesem Jahr nur noch 1,08 kg/m2 geerntet werden. Im letzten Jahr waren es noch 1,2 kg/m2. Auch beim Gamay und Johannisberg wurden die Ertragsgrenzen heruntergesetzt.

Diese Massnahmen wirken sich auf die Einkommen der Traubenlieferanten aus – und führten deshalb auch zu Kritik. In diesem Jahr wird Provins nur Trauben von Genossenschaftern verarbeiten.

Können Erntebeschränkungen die Situation entschärfen?

«Sie sind ein Mittel, die der Branche zur Verfügung stehen, um den Markt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Nicht nur Provins ist ja von den hohen Lagerbeständen betroffen, sondern die gesamte Weinbranche. Daher hat der Branchenverband die Erntebeschränkungen festgelegt.»

Können Sie die Winzer, die im letzten Jahr ihr Traubengut an Provins geliefert haben, vollständig auszahlen?

«Wie bereits erwähnt, kommunizieren wir finanzielle Aspekte zuerst unseren Genossenschaftern.»

Vor rund einem Jahr hat Provins in Susten und Brig Verkaufsshops eröffnet. Anfang Juni folgte ein «einzigartiger Concept-Store» in Zürich. Der Ehrgeiz sei es, so Provins in der damaligen Medienmitteilung, in einer modernen und urbanen Atmosphäre die Exzellenz des Walliser Terroirs, das fachliche Know-how und die Leidenschaft der Winzer und Kellermeister in Zürich, der Wirtschaftskapitale der Schweiz, noch besser bekannt zu machen. An bester Lage, gleich hinter dem Hauptbahnhof, wird das Lokal am kommenden Montag mit viel Prominenz auch
offiziell eröffnet. 120 Personen sind eingeladen.

«Provins ist immer bemüht, ein guter Gastgeber zu sein», sagt Garcia dazu. Die gute Lage in der Europaallee soll Frequenzen generieren, bringt aber auch hohe Mietkosten mit sich – und die Frage, ob sich die Investitionen auszahlen werden.

Raphaël Garcia, wie laufen die neuen Verkaufsshops in Susten, Brig und Zürich?

«Wir sind sehr zufrieden, die Umsätze sind gut, mit steigender Tendenz. Die Strategie funktioniert, was nicht heisst, dass es keine Anpassungen geben wird. Wir werden das Konzept laufend den Kundenbedürfnissen anpassen. Aber wir sind auf Kurs.»

Neben Brig und Susten betreibt Provins weitere Shops in Sitten, Siders, Leytron und Martinach. Ein Verkaufskanal mit Nebenwirkungen. Denn zusätzlich zu einer breiten Auswahl an Provins-Weinen finden sich dort weitere Angebote. Eine Konkurrenz für die regionalen Restaurant-Betreiber, die auf andere Lieferanten ausweichen.

Provins hat jüngst vier Mitarbeiter entlassen. Weiter wurde bekannt, dass natürliche Abgänge teils nicht ersetzt werden. Das sind kleine Zahlen bei insgesamt rund 80 Mitarbeitenden. Trotzdem liess die Meldung aufhorchen. Sie zeigt: Der Druck auf Provins ist hoch.

Wird es weitere Entlassungen geben?

«Unsere Aufgabe ist es, alles Mögliche zu unternehmen, um die Beständigkeit von Provins zu sichern. Dies bedeutet auch, dass wir verpflichtet sind, unsere Struktur dem Markt anzupassen.»

Können Sie weitere ausschliessen?

«Wir bleiben wachsam, möchten jedoch auch hervorheben, dass wir dieses Jahr in Zürich sieben Mitarbeitende rekrutiert haben und eine Vakanz im Aussendienst noch offensteht.»

«Wir können
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Raphaël Garcia, Direktor Provins

Armin Bregy

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