Provins | Wird aus der Genossenschaft eine AG? Winzer müssen aufgrund der Corona-Verordnung schriftlich abstimmen

Historische Abstimmung auf dem Postweg

«Gesunder Menschenverstand». Provins-CEO Otmar Hofer.
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«Gesunder Menschenverstand». Provins-CEO Otmar Hofer.
Foto: Keystone

Quelle: 1815.ch /dab 0

Es wird keine emotionalen Voten geben, keine Brandreden. Die ausserordentliche Generalversammlung der Winzergenossenschaft vom 14. April findet physisch nicht statt. Abgestimmt wird trotzdem, auf dem Postweg. Ein Risiko?

Otmar Hofer hätte es gern gehabt, wenn sich die Winzer zur ausserordentlichen GV getroffen hätten. Der Übergangs-CEO aus der Ostschweiz, der das Chaos seiner Vorgänger aufräumen muss, ist nun lange genug im Wallis, um zu wissen: Die physische Anwesenheit der Genossenschafter, emotionale Voten und die Möglichkeit, nochmals auf die Dringlichkeit hinzuweisen, hätten den anstehenden Entscheiden einen konstituierenden Nachschub verliehen. Soll die Genossenschaft Provins in eine Aktiengesellschaft überführt werden? Und soll diese dann dank Fenaco ihr Aktienkapital erhöhen und den Deutschschweizer Konzern damit zum Mehrheitsaktionär und Besitzer machen? Beide Fragen müssen die Mitglieder bejahen, wenn Provins weiterbestehen will. Weil Provins praktisch pleite ist, halten Hofer und der aktuelle Verwaltungsrat fest am Termin. Weil eine Versammlung derzeit nicht möglich ist, werden die fast 3000 Genossenschafter jetzt schriftlich befragt. Das Abstimmungsmaterial sollte heute in ihren Briefkästen landen.

Hofer ist heilfroh, dass man mit Fenaco bereits eine Lösung gefunden hat. «Stellen Sie sich vor, Sie müssten in diesen Zeiten jemanden finden, der noch investiert.» Etwas über 25 Mio. Franken Eigenkapital würde die Fenaco in die neue Provins AG einschiessen. Die Schulden wären getilgt. Und die Winzer bekämen unverzüglich ihre ausstehenden Ernten bezahlt. Das sind eigentlich Argumente genug, dem Deal zuzustimmen. Auch wenn somit die 90-jährige Geschichte der Walliser Winzergenossenschaft faktisch zu Ende wäre – aber mit Nostalgie allein zahlt man keine Löhne. Ganz sicher sein kann man sich aber nie bei Abstimmungen. Das ist in der Politik genauso wie jetzt bei Provins. Das weiss auch Hofer.

Deshalb habe man die vergangenen Tage damit verbracht, möglichst viele Genossenschafter abzutelefonieren, um ihnen die Ausgangslage zu erklären. Vor allem den zahlreichen Mitgliedern, die nur ganz wenige Beteiligungen haben, nicht von der Weinwirtschaft leben und deshalb ein Risiko darstellen könnten für Hofer und sein Team. Die Hälfte der ganzen Provins-Produktion liefern gerade mal 60 Winzer. Für sie wird die Abstimmung und damit die Rettung von Provins hingegen zu einer Existenzfrage. «Die Walliser verfügen über einen ausgeprägten Menschenverstand», sagt Hofer. Er geht davon aus, dass die Mehrheit begriffen hat, was es nun geschlagen hat. Für beide Entscheide braucht es eine Zweidrittelmehrheit. Die Resultate werden am 16. April kommuniziert.

David Biner

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