Neuigkeiten aus Sotschi
«Kaum zu glauben, was wir hier erleben dürfen»
Philipp Ittig und Michael Herger vor dem House of Switzerland in Sotschi
Foto: zvg
Der 28-jährige Michael Herger aus Saas-Fee und Philipp Ittig (28) aus Visp sind während der Olympischen Spiele in Sotschi im House oft Switzerland tätig. Auf 1815.ch berichten die beiden Walliser über ihre Hotels, Athleten, denen sie über den Weg laufen und das emsige Treiben an ihrem Arbeitsort.
Philipp Ittig amtet in Sotschi als Head of Construction, Technics & Events und Michael Herger als Head of Administration. Auf 1815.ch berichten die beiden in regelmässigen Abständen rund um die Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi.
1815.ch: Im Verlauf der letzten Wochen sind viele zwiespältige Fotos aus Sotschi in den Medien aufgetaucht: Dreckige Hotelzimmer und stinkendes Wasser. Wie siehts in euren Hotels aus, hattet ihr Glück?
Michael Herger: «Unsere Mitarbeiter wurden in zwei Hotels aufgeteilt. Und bei beiden Hotels gibt es beinahe nichts zu bemängeln. Mein Zimmer wurde zum Beispiel kurz vor der Olympiade komplett renoviert und ich fühle mich sehr wohl dort. Da wir jeweils bis nach Mitternacht geöffnet haben, verbringen wir sowieso nicht sehr viel Zeit im Hotel.»
Philipp Ittig: «Solche Berichte habe ich in Schweizer Medien auch gelesen. Ich kann das jedoch nicht bestätigen. Mein Zimmer ist einwandfrei, sauber und das Hotel bietet einen guten Service. Auch von anderen Personen hier in Sotschi habe ich nichts gehört, was diese Berichte bestätigen könnte.»
Am vorletzten Freitagabend fand eine Pressekonferenz mit Simon Ammann statt, auf die ihr euch beide gefreut habt. Hattet ihr die Gelegenheit, euch mit ihm zu unterhalten?
MH: «Ich habe Simon Ammann tatsächlich kurz vor dem House of Switzerland getroffen. Ich liess mir diese Chance natürlich nicht nehmen um ihm ganz kurz alles Gute für den Wettkampf zu wünschen. Er hat sich auch sonst Zeit für uns alle genommen und war sehr entspannt.»
PI: «Simon Ammann hat, wie es Michael bereits sagte, einen sehr entspannten Eindruck gemacht. Das Interesse der Medien war sehr gross, so dass unser Pressekonferenzen-Raum fast aus den Nähten platzte. Ausser einem kurzen Glückwunsch reichte es leider nicht für eine Unterhaltung mit ihm. Trotzdem sind wir alle sehr stolz, dass Simon Ammann im House of Switzerland seine Pressekonferenz durchführte.»
Gab es in der Zwischenzeit andere Athleten, die ihr getroffen habt?
MH: «Seit der Eröffnungsfeier ist hier einiges los. Da Swiss Olympic die Pressekonferenzen der Athleten oft bei uns im House of Switzerland durchführt, sieht man auch so einige Athleten.
Aber auch ohne offizielle Termine kommen sehr viele Athleten und prominente Schweizer zu uns - was natürlich für die Stimmung sehr gut ist. Neben Simon Ammann habe ich auch schon einige Eishockeyspieler und natürlich die Saaser Eishockeytorhüterin Sophie Anthamatten getroffen.
Die Moderatoren des Schweizer Fernsehens sehen wir eigentlich täglich, da die SRG direkt im House of Switzerland ihr Studio hat und praktisch den ganzen Tag auf Sendung ist.
Nicht zu vergessen natürlich, dass auch Bundespräsident Burkhalter, Altbundesrat Adolf Ogi und Didier Cuche schon hier waren. Ab und zu kann ich fast nicht glauben, was wir hier alle eigentlich erleben dürfen.»
PI: «Wie Michael schon sagte, ist es schon beeindruckend zu sehen, wer alles im House of Switzerland rein uns raus läuft. Es waren inzwischen bereits sehr viele Sportler, Politiker und natürlich noch viel mehr sonstige Besucher bei uns.»
Ihr wart beide schon vor zwei Jahren an den Olympischen Sommerspielen in London. Damals wurde eine spektakuläre Eröffnungsfeier gezeigt. Wie habt ihr die Eröffnungsfeier in Sotschi erlebt?
MH: «Es ist natürlich sehr schwer London mit seinen fantastischen Shows zu übertrumpfen. Die Russen haben es aber sehr gut gemacht. Ich durfte Anfang Woche die Hauptprobe der Eröffnungsfeier live im Stadion mitverfolgen. Die 'richtige' Eröffnungsfeier haben wir dann alle gemeinsam in unserer Lounge am TV verfolgt.
Als die Schweizer eingelaufen sind, hatte ich Gänsehaut am ganzen Körper. Für das Feuerwerk und das Anzünden des Olympischen Feuers, bin ich dann mit den Kollegen direkt zum Medals Plaza gerannt. Das Feuerwerk war schlicht unglaublich - fast irreal.»
Ihr seid für das House of Switzerland tätig. Wie viele Leute sind dort sonst noch beschäftigt?
PI: «Präsenz Schweiz ist mit 25 Personen vor Ort, wovon rund 20 Mitarbeitende lediglich für die Betriebszeit angestellt wurden. Mosimann’s, unser Caterer, ist insgesamt mit rund 70 Personen anwesend. Zirka 20 davon arbeiten ausschliesslich für das House of Switzerland. Dazu kommen mehrere Mitarbeitende von der Schweizerischen Botschaft in Moskau und Sicherheitspersonal.»
Wie darf man sich die Arbeit dort vorstellen?
MH: «Die Arbeit im House of Switzerland ist sehr vielseitig. Deshalb sind auch verschiedene Teams mit ihren Teamleaders im Einsatz. Das Administrations-Team ist zum Beispiel für organisatorische Belange zuständig, während das Medienteam mit Journalisten und der gesamten Kommunikation zu tun hat oder das Guest Relations-Team sich um die Besucher kümmert und informiert. Gesteuert wird das Ganze vom Management, in dem ja Philipp dabei ist. Langweilig wird es hier nie.»
PI: «Als Operations & Event Manager kümmere ich mich um die ganzen betrieblichen Arbeiten und die Organisation und Betreuung der ganzen Veranstaltungen im House of Switzerland. Dazu kommt die ganze Koordination mit dem Russischen Organisationskomitee. Von einem geregelten Tagesablauf kann man keinesfalls sprechen. Flexibilität, Spontanität und eine grosse Prise Kreativität sind die Mindestanforderungen für die Arbeit hier in Sotschi.»
Die Schweiz ist eine der wenigen Nationen, die in Sotschi mit einem eigenen Haus präsent sind. Wie ist die Stimmung dort derzeit?
MH: «Ich finde, dass wir mit diesem Auftritt vor allem überraschen. Wir sind auch eines der wenigen Nationenhäuser, das für alle Besucher frei zugänglich ist und eine Präsenz auf dem Berg und im Olympic Park hat. Die Stimmung hier an der Küste ist ziemlich locker. Die Besucher verweilen sehr gerne im House of Switzerland. Die Stimmung beim Staff ist ebenfalls sehr gut - für uns alle ist es ein riesiges Erlebnis.»
PI: «Im Olympischen Park sind neben der Schweiz noch Südkorea, Amerika und Kanada anwesend, wobei das amerikanische und kanadische Haus nicht zugänglich ist. Einige andere Nationen sind im Berggebiet präsent. So zum Beispiel Deutschland oder Österreich.
Sobald man mal die strengen Sicherheitschecks hinter sich gebracht hat, steht dem Vergnügen nichts mehr im Weg. Demnach ist die Stimmung unter den Besuchern auch sehr gut. Die negative Berichterstattung der Schweizer wie auch internationaler Medien kann ich nicht bestätigen. Ich fühle mich hier wohl, sicher und es ist einfach nur toll, Teil von den Olympsichen Winterspielen hier in Sotschi zu sein.»
Sind auch Schweizer Fans vor Ort?
MH: «Man trifft ab und zu auch Schweizer an. Aber natürlich nicht so viele wie in London. Die meisten Fans sind entweder Fanclubs oder Familienmitglieder der Athleten. Neben den hohen Kosten für Fans ist nämlich auch ein ziemlich grosser Papierkrieg zu bewältigen, um nach Sotschi zu kommen.»









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