Wolf | Bei Schafsrissen in der Schweiz entnommenes Genmaterial identifiziert Wolfshybriden russischer Abstammung

Wie viele «falsche Wölfe» leben in der Schweiz?

Mischlingsformen. In Graubünden und St. Gallen haben zwei Wolfshybriden russischer Abstammung Schafe gerissen.
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Mischlingsformen. In Graubünden und St. Gallen haben zwei Wolfshybriden russischer Abstammung Schafe gerissen.
Foto: archivfoto dpa

Quelle: WB /wek 0

Wallis. Sind die in der Schweiz lebenden Wölfe artenrein oder Hybriden, also Mischlingsformen zwischen Wolf und Hund? Das Bundesamt für Umwelt betonte stets, es gebe keine Hybriden in der Schweiz. Die Analysen von deutschen Genforschern sprechen eine ganz andere Sprache.

Das deutsche Institut «ForGen–Forensische Genetik und Rechtsmedizin» in Hamburg hat eine Untersuchung der Wolfspopulation durchgeführt. Von insgesamt vierzig analysierten Proben konnten deren 16 ausgewertet werden, das sind 40% aller untersuchten Proben.

Kein einziger echter Wolf identifiziert

Dabei stellten die Wissenschafter unter der Leitung von PD Dr. Nicole von Wurmb-Schwark (siehe Kontext-Box) fest, dass diese ausschliesslich von Wolfs-Hund-Mischlingen stammten. Mit anderen Worten: Von den ausgewerteten Proben konnte kein einziger genetisch reinartiger Wolf identifiziert werden.

Das verblüfft. Denn die Resultate liegen im Widerspruch zu einer vom «Office National de la Chasse et de la Faune Sauvage» (ONCF), das französische Pendant zum Bundesamt für Umwelt BAFU, in Auftrag gegebenen Studie, die vom französischen Labor ANTAGENE durchgeführt worden ist.

Jene Studie kam zum Schluss, dass fast acht Prozent der französischen Wolfspopulation keine echten Wölfe, sondern Hybriden seien. Darüber hinaus teilte das ONCF mit, dass die Hybridisierung in der Wolfs-population anderer europäischer Länder bei bis zu zehn Prozent liege und in Italien wegen zahlreicher streunender Hunde sogar noch weitaus höher liege. Angesichts der Resultate der Studie des deutschen Instituts ist die Frage berechtigt, ob die Zahl von Hybriden in Frankreich tatsächlich nicht höher liegt, als vom ONCF zugegeben.

«Russische» Hybriden in der Schweiz entdeckt

In der Schweiz will man von Hybridisierung immer noch nichts wissen. Bundesrätin Doris Leuthard hatte noch im März dieses Jahres im Nationalrat erklärt, dass es in der Schweiz sowie in den umliegenden Ländern keinerlei Hybriden gäbe. Die oben vorgestellten Resultate widerlegen dies in aller Deutlichkeit wenigstens für Frankreich und Italien.

Und natürlich stellt sich nun auch die Frage, ob sich nicht auch in der Schweiz Hybriden herumtreiben. Denn immerhin sind sämtliche Wölfe, die in der Schweiz leben, aus Italien und Frankreich eingewandert. So lautet wenigstens die offizielle Erklärung für die Wiederansiedlung des Wolfes in der Schweiz.

Die Resultate von zwei weiteren DNA-Analysen des deutschen Instituts ForGen, die von Proben zweier Schafsrisse in St. Gallen und Graubünden entnommen worden sind, lassen aufhorchen. Der Auftrag für diese Analysen hatte die Vereinigung zum Schutz der Weidetierhaltung und ländlichen Lebensraum der Kantone Glarus, St. Gallen und beider Appenzell (VWL) an das Institut ForGen erteilt. Bei beiden Proben schlossen die Wissenschafter auf Wolfs-Hybriden als Ausgangspunkt. Das Überraschende daran: Bei beiden Proben ist das Allel 92 gefunden worden, das bisher nur bei Wölfen aus dem baltischen Raum nachgewiesen worden ist.

Wurde Leuthard bewusst falsch informiert?

Dr. Nicole von Wurmb-Schwark erklärt das Vorgehen: «Wir führen direkte genetische Vergleiche durch. Wenn wir eine Probe haben, vergleichen wir das resultierende Merkmalsmuster mit denen unserer 800 Hunde aus etwa 100 Hunderassen und unseren etwa 80 Wölfen, ebenfalls aus verschiedenen Quellen stammend. Um sicherzustellen, dass wir echte Wölfe als Vergleich hinzuziehen, greifen wir auf Gehegewölfe und Tiere von Wissenschaftlern, denen wir diesbezüglich vertrauen, zurück. Das gefundene Merkmal haben wir in über der Hälfte unserer russischen Wölfe, aber noch in keinem Gehegewolf gefunden. Dass wir die Merkmale gefunden haben, ist sicher. Fraglich ist eben nur, wo dieses Merkmal möglicherweise noch vorkommt.» Für Georges Junginger von der VWL stellen sich folgende Fragen: «Stets wurde uns gesagt, es gäbe keine Hybriden in der Schweiz. Nun liegen zwei Studien vor, die das Gegenteil beweisen. Ist Bundesrätin Doris Leuthard bewusst falsch informiert worden?»

Werner Koder

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