Kino | Danny kehrt an den Ort des Grauens zurück

"Doctor Sleep" setzt Kult-Horrorfilm "The Shining" fort

Rückkehr zum Overlook-Hotel: Ewan McGregor spielt Danny Torrance.
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Rückkehr zum Overlook-Hotel: Ewan McGregor spielt Danny Torrance.
Foto: Keystone

Quelle: SDA 0

39 Jahre, nachdem Regisseur Stanley Kubrick den Horror-Roman "The Shining" von Stephen King verfilmt hat, setzt "Doctor Sleep" die Geschichte fort. Die weniger gruselige Fortsetzung hat nicht nur dank nostalgischer Momente ihren Reiz.

Es ist eine dunkle Nacht. Das Overlook-Hotel ist eingeschneit. Die Fenster sind verriegelt. Und das einst prächtige, seit Jahrzehnten verlassene Hotel ist heruntergekommen. In der eisigen Stille ist nur der pulsierende Herzschlag von Danny Torrance zu hören.

Fast 40 Jahre nach den schrecklichen Ereignissen in Stanley Kubricks Horrorklassiker "The Shining" kehrt Danny an den Ort des Grauens zurück. Bis es dort in der Kino-Fortsetzung "Doctor Sleep" zum Showdown kommt, vergeht in dem Fantasy-Horrorfilm von US-Regisseur Mike Flanagan allerdings einige Zeit.

Wieder Romanvorlage von Stephen King

Im Jahr 2012 ist das Leben von Danny (Ewan McGregor), der sich nun Dan nennt, ein Scherbenhaufen. Die Geister der Vergangenheit verfolgen ihn weiter. Er ist traumatisiert, dem Alkohol verfallen, hat keinen Job und keine fest Bleibe. Dank seiner übersinnlichen Fähigkeiten - dem Shining - kommuniziert er gelegentlich mit dem toten Hallorann (Carl Lumbly), der wie ein Mentor für ihn ist. In einer unscheinbaren Kleinstadt gelingt Dan der Neuanfang. Er arbeitet in einem Hospiz, wo er dank seiner telepathischen Fähigkeiten die Sterbenden beruhigt. Dort bekommt er den Spitznamen Doctor Sleep.

Jahre später nimmt ein Mädchen, dessen Kräfte noch stärker als Dans sind, telepathisch Kontakt zu ihm auf. Teenager Abra (Kyliegh Curran) warnt ihn vor einem übersinnlichen, Jahrhunderte alten Kult namens "Der wahre Knoten". Die charismatische, aber bösartige Rose (Rebecca Ferguson) verlängert ihr eigenes Leben durch Morde an Kindern, die das Shining haben. In ihren Visionen beobachtet Abra so ein grausames Ritual. Doch Rose bemerkt das Mädchen - und hat ihr nächstes Ziel. Dan und Abra entscheiden, sich der Gruppe um Rose zu stellen. Wie "The Shining" (1980) basiert auch die Fortsetzung auf dem Roman "Doctor Sleep" (2013) von Horrorspezialist Stephen King.

Regisseur und Drehbuchautor Flanagan ("Ouija: Origin of Evil") entfernt sich teilweise und besonders zum Ende von der Romanvorlage. Im Buch gibt es das Overlook-Hotel gar nicht mehr, stattdessen ist dort ein Campingplatz, auf dem sich "Der wahre Knoten" aufhält.

Unterschwelliger Grusel

Im Kino-Sequel haben Dans Rückkehr in das ikonische Gebäude mit dem mysteriösen Zimmer 237 und dem Garten-Labyrinth sowie die Begegnung mit altbekannten Figuren natürlich ihren Reiz. Alles sieht fast genauso aus wie früher. Die Adler-Schreibmaschine steht immer noch auf dem Tisch in der Eingangshalle. Selbst das musikalische Thema aus "The Shining" klingt kurz an. Kino-Nostalgiker wird es freuen. Die Rückblicke, für die einige Szenen aus dem alten Film mit anderen Darstellern neu gedreht wurden, sind auch einigermassen gelungen.

Dass "Doctor Sleep" nur annähernd den Kultstatus seines Film-Vorgängers - mit Jack Nicholson als Dans Vater Jack Torrance - erreicht, ist nicht zu erwarten. Kubricks Klassiker, der Stephen King selbst bekanntlich missfiel, hätte genau genommen keiner Fortsetzung bedurft. Und es wäre wohl auch nie dazu gekommen, hätte King die Geschichte von Dan Torrance nicht fortgeschrieben. Aber der im Vergleich zu "The Shining" gradlinige und ruhige Film gehört in der Fülle der Sequels, die Hollywood fast fliessbandartig produziert, eindeutig zu den besseren. Die Rückkehr zum Overlook-Hotel hätte es dafür nicht mal gebraucht.

Flanagan setzt auf unterschwelligen Grusel wie in vielen Horrorfilmen der 1980er Jahre. Er verzichtet auf simple Schockeffekte und - mit wenigen Ausnahmen - auch auf drastische Gewaltszenen. Die Story ist originell und spannend, und sie hat diverse gelungene Wendungen.

Die erste, romangetreuere Hälfte des zweieinhalbstündigen Films ist zwar mitunter etwas zäh und ein bisschen zu lang. Doch ab der Mitte nimmt "Doctor Sleep" richtig Fahrt auf. Und dann fesselt der schaurig-unterhaltsame Fantasy-Horrorfilm bis zum Schluss.

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