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«Beim <Oberwalliser> ist das Prestige enorm gestiegen»

Karl Forny ist seit 49 Jahren Mitglied in der Musikgesellschaft "Benken" in Steg.
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Karl Forny ist seit 49 Jahren Mitglied in der Musikgesellschaft "Benken" in Steg.
Foto: zvg

Quelle: RZ 0

Die Musikgesellschaft «Benken» von Steg ist Gastgeber des Oberwalliser Musikfestes. Der Einheimische Karl Forny blickt dabei auf bald 50 Jahre Musik zurück und schwelgt in Erinnerung.

Die Musikgesellschaft «Benken» von Steg ist Gastgeber des Oberwalliser Musikfestes. Der Einheimische Karl Forny blickt dabei auf bald 50 Jahre Musik zurück und schwelgt in Erinnerung.
Herr Forny, ist das bevorstehende Oberwalliser Musikfest in Steg der Höhepunkt in Ihren 49 Jahren als Musikant?
Es ist bestimmt einer der Höhepunkte in meiner Aktivzeit als Musikant bei der Musikgesellschaft «Benken», Steg. Vor über 40 Jahren durfte Steg letztmals Gastgeber eines «Oberwallisers» sein. Das war im Jahr 1975.

Sie traten Ende 60er Jahre in die Musikgesellschaft ein. Erinnern Sie sich an die Anfänge?
Ich habe mitbekommen, dass sich Interessierte im Übungslokal der damaligen Musik versammeln konnten. Als eine von 25 Personen sass ich dann da und erlebte mit den anderen Interessierten eine Theoriestunde. Fortan besuchte ich diesen Unterricht regelmässig. Zuletzt wurden zehn Leute in die Musik aufgenommen. Die anderen haben das Interesse verloren. Als ich aufgenommen wurde, gab es übrigens noch eine Premiere für die Musikgesellschaft.

Erzählen Sie.
Es wurden erstmals vier junge Frauen in die Musikgesellschaft aufgenommen. Musizierende Frauen gab es vorher nicht.

Weshalb entschieden Sie sich, der Musikgesellschaft beizutreten?
Einerseits war mein Vater früher selber Mitglied der Musikgesellschaft, demnach hatte ich grundsätzlich ein Interesse für die Musik. Andererseits gab es nicht viele Alternativen: In Steg hatten wir einen Fussballklub und einen Kirchenchor; nicht zu vergessen der Turnverein in Gampel, mehr Möglichkeiten gab es nicht.

Von den zehn erwähnten Musikanten sind Sie heute der einzige, der noch aktiv Musik spielt. Wo sehen Sie die grössten Unterschiede in den Musikgesellschaften von damals und heute?
Die Musikszene hat einen grossen Wandel erlebt. Das Niveau ist heute wesentlich höher als damals. Aber auch die Musikfeste sehen heute anders aus.

Wie haben sich die Musikfeste in all den Jahren verändert?
Die Wichtigkeit der Wettbewerbspiele hat zugenommen. Früher ging es primär darum, sich an einem Musikfest zu begegnen und Freundschaften zu pflegen. Verstehen Sie mich richtig, das wird auch heute noch von zahlreichen Musikanten gelebt, aber der Ehrgeiz, an Wettbewerbspielen möglichst gut abzuschneiden und eine gute Klassierung zu erzielen, ist heute wesentlich höher als damals.

Wo sehen Sie die grössten Veränderungen bei den Musikanten?
Früher gab es in manch einer Musik mindestens zwei bis drei Mitglieder, deren Talent für die Musik – milde ausgedrückt – nicht ganz ausgereift war. Doch auch sie durften mitspielen und trugen oft einen Teil dazu bei, dass die Stimmung innerhalb der Musikgesellschaft gut war. Das ginge heute nicht mehr. Jeder muss seine Stimme seriös spielen, ansonsten leidet das Niveau. Denn die jungen Musikanten werden heute sehr gut ausgebildet und erzeugen so Druck auf die Alteingesessenen.

Was trugen Sie damals eigentlich für Uniformen?
Ehrlich gesagt, kann ich mich nicht mehr an unsere damalige Uniform erinnern. Der Stoff war jedoch dicker und demnach auch schwerer als heute. Dahin gehend hat eine Entwicklung stattgefunden. Doch ich weiss, dass die Musikgesellschaft «Benken» – im Jahr 1898 gegründet – zuerst keine Uniform hatte.

Was spielten Sie bei Ihren Anfängen vor 49 Jahren für ein Instrument?
Ich spielte während der ersten zwei Jahre auf einem S-Horn, ehe ich auf das Bariton wechselte.

…und heute spielen Sie Bass.
Durch einen Todesfall im Jahr 1978 verloren wir einen Kollegen in der Musikgesellschaft. Er spielte B-Bass. Ich habe daraufhin den B-Bass von ihm übernommen. Bis heute.

Der B-Bass ist ein grosses und schweres Instrument. Gerade beim Einmarschieren…
Ja, das stimmt. Gerade jetzt, wo ich älter werde, spüre ich es nach jedem Einmarsch.

Ist das ein Grund, das Instrument nochmals zu wechseln?
Nein, auf keinen Fall. Ich spiele sehr gerne B-Bass.

Sie proben zweimal pro Woche. Wie erleben Sie in der Musikgesellschaft die Kameradschaft?
Die ist bestens. Das finde ich sehr wichtig, denn sonst gäbe es schnell Motivationsprobleme unter den Musikanten. Wir sind ein intakter Verein und pflegen das Vereinsleben. Ein guter Zusammenhalt ist das A und O.

Herr Forny, was zeichnet in Ihren Augen einen guten Musikanten aus?
Ein guter Musikant muss viel üben. Anders geht es nicht. Ohne Übung reicht es nicht mehr.

Waren Sie früher auch fleissig?
Ja. Ich erinnere mich, dass ich praktisch jeden Abend zu Hause das Instrument ausgepackt habe und darauf spielte. Daran führt kein Weg vorbei. Doch es gibt natürlich auch andere Musiktypen.

Was meinen Sie?
In all den Jahren habe ich mit Leuten zusammengespielt, die wohl wenig geübt haben, aber gut spielen konnten. Manch einer war sehr talentiert. Das Talent ist auch beim Musizieren ein wesentlicher Faktor.

Junge talentierte Musikanten werden zwischendurch auch für unterschiedliche Brass-Bands aufgeboten. Wie stehen Sie dazu?
Ich bin ein grosser Brass-Band-Fan und durfte Ende der 70er-Jahre selber in der Walliser Brass-Band mitspielen. Jeden Samstagabend fand eine Übungslektion in Siders statt, das war äusserst faszinierend und lehrreich für mich. Wenn junge Musikanten heute die Möglichkeit haben, in Brass-Bands mitzuspielen, kann ich ihnen das nur empfehlen. Jeder kann sich so weiterentwickeln.

Beim Anblick des Kalenderjahres einer Musikgesellschaft erfolgt meist im Frühjahr ein Jahreskonzert, ehe anschliessend die Musikfeste anstehen. Was geniesst für Sie eine höhere Priorität?
Das ist nicht ganz einfach zu beantworten, denn beide Anlässe haben ihre Bedeutung und Wichtigkeit. Doch das Jahreskonzert ist wohl noch ein bisschen höher einzustufen. Schliesslich üben wir vom Herbst an, um den Zuhörern unsere Stücke an einem Abend vorzutragen. Wie erwähnt, ist aber bei einem «Oberwalliser» das Prestige gestiegen, sodass jede Musikgesellschaft bemüht ist, möglichst gut abzuschliessen. Das war früher halt noch anders.

Vermissen Sie diese Zeit manchmal?
Nun gut, es waren früher tolle Zeiten und es sind auch heute ganz gute Zeiten. Ich will das nicht miteinander vergleichen, es hat – wie so oft – ein Wandel stattgefunden und ich denke, dass das gut ist. Es ist nicht so, dass ich die Zeit von früher vermisse.

In bald fünf Jahrzehnten in der Musikgesellschaft haben Sie zahlreiche Märsche gespielt. Gibt es einen Lieblingsmarsch?
(überlegt lange) Einer meiner liebsten Märsche ist «The North Star» von W. Rimmer. Es gilt jedoch zu sagen, dass es sehr viele und sehr gute schöne Märsche gibt. Nicht zu vergessen natürlich der Marignan-Marsch, den wir alle Jahre wieder an einem Musikfest spielen dürfen.

Besteht auch eine Art Vorfreude auf die bevorstehenden Musikfeste dahin gehend, wieder Alt-Bekannte zu treffen?
Natürlich ist diese Vorfreude da. Es gibt zahlreiche Leute, denen ich immer wieder an einem Musikfest aufs Neue begegne. Zwischenmenschliche Beziehungen pflegen, gehört zu einem Musikfest eben auch dazu.

Gibt es eine Musikgesellschaft, die Sie bewundern?
Es gibt bei uns im Oberwallis zahlreiche gute Musikgesellschaften, da will ich keine hervorheben. Auch in unserem Bezirk Westlich Raron wird gute Arbeit geleistet. Gerade die Musikvereine aus dem Lötschental spielen auf einem sehr hohen Niveau.

Spielt das Abschneiden der Musikvereine aus dem eigenen Bezirk bei einem «Oberwalliser» denn auch eine Rolle?
Ja, wir freuen uns natürlich für unsere Kollegen aus dem Bezirk mit, wenn sie gut abschneiden.

Am bevorstehenden Wochenende steht Steg im Zeichen der Musik. Nach 1926 und 1975 ist die Musikgesellschaft «Benken» zum dritten Mal Gastgeber des Oberwalliser Musikfestes. Wie wird Ihr Wochenende aussehen?
Wir haben das Glück, dass wir mit Pierre-Alain Grichting einen ausgezeichneten OK-Präsidenten haben, der durch seine Erfahrung viel Ordnung in die Organisation bringt.

Selber werde ich auch fleissig mithelfen, das Fest zu organisieren, andererseits werde ich auch aktiv musizieren. Der Aufwand in den vergangenen Tagen war hoch und wird auch hoch bleiben. Worauf freuen Sie sich am meisten?
Darauf, die Kameradschaft zu pflegen und ein schönes Fest zu verbringen. Ich wünsche allen Vereinen ein gutes Gelingen.

Im nächsten Jahr feiern Sie Ihr 50-Jahr-Jubiläum in der Musikgesellschaft «Benken», Steg. Was bedeutet Ihnen das?
Das bedeutet mir sehr viel, denn es ist nicht selbstverständlich, dass ich so lange aktiv musizieren kann. Die Gesundheit muss genauso stimmen wie die Freude und die Motivation. Ich hoffe noch auf weitere schöne Jahre in unserer Musikgesellschaft.

Simon Kalbermatten

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Infos

Vorname Karl
Name Forny
Geburtsdatum 6. Mai 1957
Beruf Rohrschlosser
Hobbies Landwirtschaft, Musik (Alphorn)
   
   

 

Ein gutes Fest steht am «Oberwalliser» über einer Rangierung. Joker
Die Oberwalliser Musiken brauchen 
vermehrt junge Musikanten.
Ja
Ich bleibe der Musikgesellschaft «Benken» noch ein Jahrzehnt erhalten. Ja
Der Joker darf nur einmal gezogen werden.  

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