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Roberto Schmidt: Mehr Angst vor der SVP als vor dem Gletschersterben

Peter Bodenmann und Oskar Freysinger schreiben in der Rhonezeitung.
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Peter Bodenmann und Oskar Freysinger schreiben in der Rhonezeitung.
Foto: Walliser Bote

Quelle: RZ 0

Der ehemalige SP-Schweiz-Präsident und Hotelier Peter Bodenmann und Alt-Staatsrat und Schriftsteller Oskar Freysinger im Wortgefecht.

Peter Bodenmann, ehemaliger SP-Schweiz-Präsident und Hotelier

Roberto Schmidt: Mehr Angst vor der SVP als vor dem Gletschersterben

In 2 Stunden und 20 Minuten ist man von Brig mit dem Auto in Courmayeur. Die kürzeste Route führt über Chamonix. Unterwegs sollte man in Le Châtelard einen Halt machen. Von hier führen drei aufwendig renovierte ehemalige Baubahnen hinauf zu den Emosson-Stauseen. Ein einmaliges Erlebnis, das sich die Oberwalliserinnen und Oberwalliser unbedingt gönnen sollten. Weil man von der mittleren Bahn aus den schönsten Blick auf den Mont-Blanc hat. Auf den höchsten Berg der Alpen.

In Emosson wurde für mehr als 1,8 Milliarden Franken ein gigantisches Pumpspeicherwerk in den Berg gebaut. Wird es je rentieren? Vielleicht, wenn wir aus der Atomenergie aussteigen und voll auf
Solarstrom setzen.

Nach der Fahrt durch Chamonix und den Mont-Blanc-Tunnel überrascht Courmayeur seit vier Jahren mit einer weiteren sensationellen Bahn hinauf auf den Punkt Helbronner. Die Kabinen des Skyway drehen sich, damit man nicht nur die Ostwand des Monte Bianco bestaunen kann, sondern die ganze Welt des Aostatals.

Relativ wenige von uns kennen diese beiden Attraktionen, obwohl sie sich unmittelbar vor unserer Haustüre befinden. Eigentlich schade. Wir fliegen um die halbe Welt in die Ferien, aber Perlen vor unseren Haustüren lassen wir mehrheitlich links liegen. Warum eigentlich?

Auf dem Gebiet der Gemeinde Courmayeur droht ein gewaltiger Felsabsturz. Der Gletscher bewegt sich mit bis zu 50 cm pro Tag talwärts. Die Glaziologen rechnen mit einem Abbruch von 250 000 Kubikmeter Eis. Die Gemeinde hat die Strasse Richtung des Val Ferret gesperrt.

Die französischen und italienischen Medien berichten Tag für Tag über diese Folge des Gletschersterbens. Selbst der NZZ ist die Geschichte eine Seite wert. Keine Region in den Alpen weist mehr Viertausender, mehr sterbende Gletscher und mehr auftauenden Permafrost auf als das Oberwallis. Was im Val Ferret passiert, wird sich im Oberwallis wiederholen. Trotzdem herrscht in unseren Medien einmal mehr tote Hose.

Und was macht unser aller Sänger-Freund Roberto Schmidt? Der Ständerat versuchte in Sachen Klimaschutz das Tempo leicht zu erhöhen. Keine grossen Fortschritte, aber immerhin kleine Fortschritte. Das bringt unseren gelben Staatsrat – angestiftet vom Schwarzen Beat Rieder – auf die Palme. Roberto Schmidt will sich bis 2060 Zeit lassen, um das Wallis klimaneutral zu machen. Dabei ist der Bosch-Konzern samt der Scintilla bereits 2020 klimaneutral.

Wer politisch etwas bewegen will, darf weder den Schwarzen noch den Gelben und erst recht nicht der SVP auch nur eine Stimme geben.


Oskar Freysinger, ehemaliger SVP-Staatsrat und Schriftsteller

Courmayeur

In Courmayeur kalbert ein Gletscher und schon herrscht Weltuntergangsstimmung.

Dass im US-Bundesstaat Montana vor vier Tagen 1 Meter Schnee gefallen ist, was seit hundert Jahren so früh im Jahr nie mehr der Fall war, interessiert hingegen keine Sau.

Der Klimawandel ist nur als Schwitzkasten brauchbar.

Seit 120 Jahren ist die Temperatur laut Klimarat lediglich um 0,7 Grad gestiegen. Die Hälfte davon zwischen 1910 und 1945, als wenig menschliches CO2 ausgestossen wurde. Zwischen 1945 und 1985 kam unter starkem CO2-Ausstoss eine Kälteperiode. Die Klimatologen befürchteten schwere Schäden für die Vegetation und sagten eine Eiszeit voraus. Es kam anders. Nach 1985 stiegen die Temperaturen wieder. Dann fand zwischen 2000 et 2015 ein leichter Temperaturrückgang statt, der vom Weltklimarat als «Hiatus» bezeichnet wurde, weil seine Prognosen anders lauteten.

Klimawandel eben. Nichts Neues unter der Sonne.

Dass dieser Wandel jedoch allein auf das vom Menschen verursachte CO2 zurückzuführen sein solle, widersteht keiner seriösen Analyse. Vor 12 000 Jahren, als die Gletscher zu schmelzen begannen – sie reichten im Alpengebiet bis Lyon und die Eisschicht war im Rhonetal mehr als 300 Meter hoch –, war weit und breit kein menschliches CO2 vorhanden. Das hinderte die Gletscher nicht am Schmelzen.

Zu bedenken gilt:

– Es gibt eine starke Korrelation zwischen der Sonnenaktivität und der Wärmekurve.

– Hohe CO2-Werte sind eine Folge der Erwärmung, nicht deren Ursache, und folgen ihr zeitverschoben, weil das Meer Zeit braucht, um sich zu erwärmen und massiv CO2 abzugeben.

– Treibhausgase in der Erdatmosphäre bestehen zu 95% aus Wasserdampf und zu 4% aus CO2. Ein Bruchteil dieser 4% ist menschlichen Ursprungs.

– Die bewaldete Oberfläche der Erde nimmt seit 1990 massiv zu. Insbesondere wegen des CO2, das kein Umweltverschmutzer ist, sondern die Grundlage des Lebens auf Erden.

– In der Vergangenheit waren die Gletscher zeitweise viel grösser oder viel kleiner als heute (im 16. Jahrhundert konnte der Theodulgletscher trockenen Fusses überquert werden).

– Der «Konsens» über die vom Menschen verursachte globale Erwärmung (angeblich 97% der Wissenschaftler) ist Humbug. Zahlreiche namhafte Wissenschaftler stellen die Thesen des Weltklimarats infrage.

Fazit: Fakten sind vonnöten, keine Dogmen und Autoritätsargumente. Die Ursachen des Klimawandels sind multifaktoriell und nicht auf den menschlichen Einfluss reduzierbar. Galilei würde sich angesichts der heutigen Jagd auf «Klimaketzer» im Grab umdrehen.

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