Standpunkt | Von Walter Bellwald

Die Kirche im Dorf lassen

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«Bratsch will die Kirche im Dorf behalten», titelte die RZ in ihrer letzten Ausgabe. Hintergrund der Geschichte ist der Beschluss der Pfarrei Gampel, fortan im 122-Seelen-Dorf am Wochenende keinen Gottesdienst mehr zu halten. Der Grund: zu wenig Messbesucher. Dieses Verdikt wiederum rief die Brader Bevölkerung auf den Plan und sie lancierte eine Unterschriftensammlung, um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen.

Dass die Kirche und die Pfarreien in Zeiten des Priestermangels nach Mitteln und Möglichkeiten suchen, die Aufgaben der Pfarrer und der freiwilligen Helferinnen und Helfer zu vereinfachen, kann man nachvollziehen. Genauso verhält es sich mit der Pfarrei Gampel, der auch die Ortschaften Niedergampel und Bratsch angehören. Gab es früher in Bratsch noch zwei Messen pro Woche, wurde die Werktagsmesse inzwischen gestrichen und am Wochenende alternierend mit Niedergampel nur noch ein ­Gottesdienst angesetzt. Ab September soll dieser jetzt ganz wegfallen. Das wurde im letzten Pfarrblatt mitgeteilt. Dass sich die Brader Bevölkerung gegen dieses Vorgehen wehrt, ist nur logisch. Allein die Begründung, wonach zu wenig Einheimische die Messen besuchen würden, muss in den Ohren der Braderinnen und Brader wie Hohn und Drohung zugleich klingen. Ganz nach dem Motto: Wenn ihr der Kirche fernbleibt, kommen wir nicht mehr nach Bratsch.

Die Kirche tut gut daran, genauer hinzuschauen und die Menschen ernster zu nehmen. Dass in vielen Gemeinden die Bänke leer bleiben, ist nicht nur dem gesellschaftlichen Wandel geschuldet. Die Kirche hat es in der Vergangenheit versäumt, auf die Menschen zuzugehen, ihnen zuzuhören und sich zu hinter­fragen. Vielleicht mag es vielen egal sein, ob in Bratsch in Zukunft eine Messe gefeiert wird oder nicht. Nicht aber den Menschen, denen Kirche und Religion wichtig sind und die regelmässig den Gottesdienst in ihrem Heimatort besuchen wollen.

Walter Bellwald

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