Hotellerie | Kostenloses Buchungsportal will Schweizer Hotelbranche revolutionieren und Kommissionen abschaffen

Mountaindeals möchte Preisdiktate grosser Plattformen brechen

Zum Angriff. Die Macher von Mountaindeals wollen Booking in der Schweiz Marktanteile streitig machen.
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Zum Angriff. Die Macher von Mountaindeals wollen Booking in der Schweiz Marktanteile streitig machen.
Foto: Keystone

Quelle: WB 0

Die Macher der neuen Online-Buchungsplattform Mountaindeals.ch wollen die Kommissionen kippen und bieten den Hoteliers eine kostenlose Alternative zu den grossen Portalen wie Booking.com. Der Buchungsumsatz gehöre dem Hotelier, damit er dem Gast den besten Zimmerpreis anbieten kann. Die ersten Walliser Hoteliers haben bereits Interesse angemeldet, stellen aber Bedingungen, die Mountaindeals bis dato nicht erfüllt.

Man habe genug von überrissenen Konditionen, von Preis­diktaten der grossen Online-­Buchungsportale und dem ewigen Gejammer der Hoteliers, schreiben die Initianten von Mountaindeals auf ihrer Internetseite. Hinter dem neuen Portal steckt die HoMaS AG aus Zürich: Drei Unternehmer, die das Projekt bisher ohne Verwaltungsapparat und Angestellte sozusagen aus der eigenen Tasche finanzieren. Eine von ihnen ist Ewa Ming, Gründerin und Geschäftsführerin der ­SuisseEMEX, der grössten Schweizer Expo für die Marketingbranche. An der Premieren-Präsentation von heute Dienstag wird sie an ihrer Messe aufzeigen, wie Mountain­deals in den Online-Buchungsmarkt eingreifen und Druck auf die Kommissionen machen will. So viel vorweg: Mit einem werbefinanzierten Konkurrenzprodukt, das die Hoteliers kostenlos nutzen können.

Kommissionen in Höhe von insgesamt rund 150 Millionen Franken würden jährlich an ausländische Buchungsplattformen bezahlt. Geld, das den Hoteliers gehören sollte, wie der Internetseite von Mountaindeals zu entnehmen ist. Mit dem neuen Konzept, so die Initiatoren weiter, solle für die Schweizer Hotelbranche bis zu 50 Millionen Franken mehr Umsatz drinliegen. Bereits im ersten Winter (2017/2018) habe man ohne Werbung für die teilnehmenden Hotels einen fünfstelligen Umsatz erzielen ­können.

Erfolgreich gestartet

Die Finanzierungsansätze der grossen Akteure, die all das beinhalten, auf das Mountain­deals verzichtet, also Kommissionen, Gebühren oder die Voraussetzung einer Mitgliedschaft, bezeichnen die Macher als Knebelverträge. Ewa Ming kommt selbst aus der Hotelbranche: «Ich kenne die Anliegen der Hoteliers und bin auch persönlich gegen die überrissenen Gebühren der grossen, internationalen Buchungs­seiten.» Blieben den Hoteliers 100 Prozent des Buchungs­umsatzes, sei dies für die gesamte schweizerische Hotelbranche ein Gewinn, so Ming. Das kleine Team steht noch ganz am Anfang, hat aber gemäss Ankündigung auf seiner Internetseite schon Grosses vor: «Unser Vortrag an der ­SuisseEMEX wird einiges im Schweizer Tourismus bewegen – wenn nicht Berge versetzen.»

Bisher gab es keine grosse Informationskampagne. «Trotzdem ist unsere Idee bereits ein Thema in der Branche», erzählt Ming. Nach einer Testphase von vier Monaten wurde die Plattform im Januar dieses Jahres definitiv aufgeschaltet. Am 13. August hat die «Hotel­revue» das Projekt angekündigt, und am 21. August verlautbarten die Verantwortlichen über Facebook über 150 angemeldete Hotels. Ming gibt sich zu­versichtlich: «Unser Ziel sind 1000 Hotels bis Ende Jahr.» Über die Plattform können zurzeit allerdings erst ein paar wenige Hotels gebucht werden, darunter keines aus dem Wallis. Man sei überrollt worden und nun dabei, die Anmeldungen fortlaufend zu bearbeiten und die Hotels aufzuschalten. Dass trotz des regen Interesses zum Auftakt nicht mehr Hotels verfügbar sind, könnte aber auch einem anderen Umstand geschuldet sein.

Automatisierung als ­Voraussetzung

Da Mountaindeals erst vier Channel Manager (CM) anbietet, sei man im Gespräch mit weiteren Anbietern dieser Software, erklärt Ming. Ein CM ist ein Programm, welches die wechselnden Zimmerpreise und Verfügbarkeiten fortlaufend und automatisiert an die verschiedenen Onlineportale übermittelt, sodass die Hotelangestellten nicht bei jeder Buchung oder Preisänderung manuell auf allen Portalen Anpassungen vornehmen müssen. Da es sehr viele solcher CM gibt, und ein Hotel jeweils nur einen nutzt, reiche das derzeitige Angebot von Mountaindeals bei Weitem nicht aus, sagt Markus Schmid, Präsident des Walliser Hotelier-Vereins, der anmerkt, dass das Thema Mountaindeals noch nicht offiziell diskutiert wurde. «Wer mit einem anderen als einem dieser beiden CM-Anbieter zusammenarbeitet, kann sich gar nicht automatisch an Mountaindeals anbinden und muss bei jeder Buchung oder Preisänderung eine manuelle Anpassung vornehmen.» Das sei vor allem angesichts der sich oft ändernden Verfügbarkeiten viel zu aufwendig, und die Gefahr von Überbuchungen sei bei manueller Verwaltung zu gross.

Hans-Jörg Walther, Direktor des Riffelalp Resorts, findet das Konzept von Mountain­deals interessant. Es sei aber noch zu früh für eine substanzielle Beurteilung. Auch für ihn ist aber entscheidend, dass die neue Plattform Anschluss an die grossen CM bietet: «Es geht für uns nicht ohne die Anbindung an Reconline, das habe ich Frau Ming mitgeteilt.» Rec­online sei ein wichtiger CM in der Schweiz, ohne den man keine grossen Schritte machen werde: «Dann ist das neue Portal höchstens für kleine Hotels und Ferienwohnungen interessant, die keinen CM haben.» Die Verantwortlichen schreiben dazu auf ihrer Internetseite, dass es für sie technisch möglich sei, sich mit jedem CM zu verbinden. Weitere Einbindungen seien geplant.

Henne-Ei-Problem

Ewa Ming betont, dass man erst am Anfang stehe: «Es geht jetzt zuerst darum, die CM zu überzeugen, die Schnittstelle zu Mountaindeals zu erstellen. Das ist aufwendig, und deshalb ist man vonseiten der CM natürlich vorsichtig und kritisch. Es muss sich lohnen. Wir sind für sie erst einmal einfach wieder eine neue Plattform. Jetzt müssen wir uns beweisen.» Natürlich sei man da zu Beginn auch auf Goodwill angewiesen, vonseiten der Hotels wie auch der CM. «Unser Ziel ist, dass sich viele Hotels anmelden, weil wir ihnen eine kostenlose Plattform anbieten. Wenn die Hotels mitmachen und am Anfang einen gewissen Zusatzaufwand auf sich nehmen, können wir Druck auf die CM ausüben. Dann wird es für sie interessant, mit uns zusammenzuarbeiten», so Ming. Das klassische Henne-Ei-Problem: Während Schmid und Walther ­zuerst die CM-Anbindungen fordern, stellt sich Ming vor, dass sich zahlreiche Hotels anmelden und eine Vorschuss­leistung erbringen, um so die CM zu überzeugen, die Schnittstellen zu Mountaindeals zu erstellen.

Mehr Koordination

Markus Schmid stört sich da­ran, dass man sich zusehends verzettelt, wenn immer neue Angebote auf den Markt drängen: «Das hilft niemandem. Es bräuchte eine gemeinsame Initiative, die solche Ideen auf gesamtschweizerischer Ebene koordiniert aufbaut. Es gibt immer wieder neue, gut gemeinte Ideen, aber man kann sich einfach nicht auf etwas ­Gemeinsames einigen.» Ming sieht das ähnlich: Man habe es in der Schweiz verpasst, gemeinsam eine Lösung zu finden. «Für die jetzige Situation, in der Booking eine Übermacht darstellt, sind die Hoteliers mitverantwortlich. Wir sind offen und fähig, Hand zu bieten, dieses verspätete Gemeinschaftsprojekt nun in Angriff zu nehmen», gibt sich die Unternehmerin überzeugt. Aber auch die Hoteliers müssten ihren Beitrag leisten.

Der Kunde entscheidet

Hans-Jörg Walther sieht noch eine andere Problematik: «Mountaindeals stellt den Hotels ein System zur Verfügung und wirbt damit, auf Kommissionen zu verzichten. Mit diesem Konzept möchten die Verantwortlichen den Markt aufwühlen. Das ist aber nur die halbe Arbeit.» Seiner Meinung nach stellen viele Akteure im Hotelgeschäft den Kunden zu wenig in den Mittelpunkt: «Kein Kunde denkt beim Buchen an die Kommissionen, die der Hotelier bezahlen muss.» Es gehe einzig um den Preis, und es sei entscheidend, «dass der Kunde den gesamten Buchungsvorgang bis zur kundenfreundlichen Bestätigung auf dem Handy einfach, schnell und ohne einen einzigen Kontakt zum Hotel erledigen kann.» Nur so könnten die Kunden überzeugt werden, wenn es für sie genauso praktisch und unkompliziert ist wie bei Booking. «Sonst ist Mountaindeals nur eine weitere Plattform, die sich in dem riesigen Dschungel von Angeboten nicht durch­setzen wird.»

Einerseits muss der Kunde das neue Portal also kennen. Dazu sind starke Werbekam­pagnen nötig. Das aber sei in Anbetracht der enormen Summen, die Booking in die Werbung steckt, nicht einfach, geben Schmid und Walther unabhängig voneinander zu bedenken. Dann muss dem Gast beim Buchen das gesamte Komfortspektrum geboten werden. Ming stellt sich vor, dass Gäste auch angezogen werden könnten, wenn die Hoteliers die Ersparnisse weitergeben, die sie aus einer kostenlosen Buchungsplattform generieren: «Den Kunden kann so ein Mehrwert geboten werden, etwa eine Flasche Wein auf dem Zimmer. Oder der Hotelier gibt den Vorteil in Form von attraktiveren Preisen an die Gäste weiter.» So käme auch den Hoteliers eine zentrale Rolle zu, wenn sie sich die Kommissionen sparen wollen. Und zwar «indem sie dafür sorgen, dass mehr Buchungen über Mountaindeals eingehen». Man müsse die Gäste für die Kommissionsproblematik sensibi­lisieren, so Ming weiter, und ihnen aufzeigen, dass sie schlussendlich auch davon profitieren, wenn die Kommissionen fallen. «Das kann nur der Hotelier vor Ort.»

«Das kommt für uns nicht infrage», antwortet Walther auf die Frage, ob Einsparungen, die durch ein kommissions­loses Buchungsportal generiert würden, in Preisreduktionen für Hotelzimmer münden könnten. Mountaindeals ist erst kürzlich gestartet, es bleibt daher abzuwarten, wie sich die Initiatoren präsentieren und wie sich das Projekt weiterentwickelt. Ob man sich mit dem neuen Ansatz behaupten kann, werde auch davon abhängen, ob viele Hoteliers vom Mitmachen überzeugt werden könnten, so Markus Schmid. Ob sie also einen Vorteil in der Plattform sehen. Denn: «Was die ­Betreiber brauchen, um überhaupt Kunden anzulocken, sind viele buchbare Hotels.»

Marcel Theler

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