«Sion 2026» | Während das «offizielle» Wallis die Reihen schliesst, setzt Christian Constantin seinen Alleingang fort

Das Ein-Mann-Komitee

Einen Schritt voraus. Christian Constantin am Fusse des Matterhorns.
1/1

Einen Schritt voraus. Christian Constantin am Fusse des Matterhorns.
Foto: Keystone

Quelle: 1815.ch /dab 02.04.18 0
Artikel teilen

Ohne Christian Constantin würde das Wallis in zwei Monaten nicht über eine Olympia-Kandidatur abstimmen. Mit dem offiziellen Komitee hat sich der umtriebige ­Geschäftsmann zwar überworfen, für eine Zeit lang schien es, als liesse er «sein» Projekt gar fallen. Dabei denkt CC weit über den 10. Juni hinaus.

Christian Constantin sorgte übers ­Wochenende für Schlagzeilen. Einmal mehr. Nicht bei seiner Rückkehr ins Tourbillon, wo er sich am Samstag nach der Fringer-Feige und einem fünfmonatigen Stadionverbot wieder auf der Tribüne sehen liess. Sondern wegen einer Busse, die ihm der Kanton Wallis aufbrummt.

Mit einer Heli-Flotte liess CC Anfang Februar Journalisten zur Hörnlihütte an den Fuss des Matterhorns fliegen, Skilegende Pirmin Zurbriggen sogar bis hinauf zum Gipfel. Dort, auf 4478 Meter über Meer, zündete dieser ein Ölfass und eine Fackel an. Nun soll Constantin 200 Franken bezahlen, dazu Aufwandskosten in der Höhe von 254 Franken. Die Walliser Dienststelle für Umwelt sah in der Aktion nationale Umweltschutzgesetze verletzt, ebenso die kantonalen Vorgaben über das Verbrennen von Abfall im Freien. «Wir wollen der Umwelt Sorge tragen und halten uns strikt an die Gesetze», wird Jacques Melly, der zuständige Staatsrat, im «Nouvelliste» zitiert. Sein Amts- und Parteikollege Christophe Darbellay, der bei der Sauerkraut-Gala neben Constantin am Tisch sass und ihn auch auf dem Ausflug zur Hörnlihütte begleitete, wollte sich zur Busse nicht äussern. Nebst den Umweltbehörden liegt auch die kantonale Steuerverwaltung mit Constantin im Clinch. Diese verlangt vom Multimillionär, dass er Steuern in Höhe von 4,5 Mio. Franken nachzahlt. Eine der beiden Rechnungen werde er nun wohl bezahlen, liess Constantin ausrichten.

60 000 Promo-Bücher fürs Oberwallis

Hier Constantin mit seinem Geld. Dort das «offizielle» Wallis und dessen Behörden. Beide wollen «Sion 2026», ­unbedingt. Aber beide kochen ihr eigenes Süppchen. Die Matterhorn-Anekdote wird nicht die letzte sein bei dieser ­Zusammenarbeit, die eigentlich keine mehr sein soll.

Nach der Fringer-Affäre im vergangenen September nahm sich Constantin selbst aus dem Spiel, trat aus dem offiziellen Kandidaturkomitee zurück. Das Bedauern hielt sich dort in Grenzen. Man lobte zwar die Initiative und die Vorarbeit des Unternehmers aus Martinach. Hinter vorgehaltener Hand überwog jedoch die Erleichterung: ein Risiko-Faktor weniger. Das Verhältnis zwischen Constantin und den politischen Promotoren, etwa dem Walliser Sportdirektor Frédéric Favre, kühlte sich rapide ab, das Feuer im Komitee drohte bisweilen zu erlöschen. «Für CC gibt es kein Zurück», sagte im Januar ein apodiktischer Favre.

Dass sich CC die Namensrechte der Spiele klammheimlich unter den Nagel riss, um sie danach wieder zurückzugeben, liess die «Offiziellen» alt aussehen. Und machte deutlich: Hier Constantin, gerissen und allen einen Schritt voraus. Dort das «offizielle» Wallis, das aus einem argentinischen Wein im Foyer der Langlauf-Junioren-WM im Goms eine Staatsaffäre macht. Und beide kommen sich in die Quere. Von der aufwendig inszenierten Lancierung der Kampagne seitens des Ja-Lagers mit zahlreichen Vertretern aus Politik und Wirtschaft sprach niemand mehr, als Constantin nur wenige Tage später das Ölfass auf dem Matterhorn anzünden liess.

Die offizielle Ja-Kampagne für die kantonale Abstimmung wirkt sogar wie eine regelrechte Operation Anti CC. Das Ganze verteilt auf viele Schultern, viele Mitunterzeichner und Co-Präsidenten. Bei einer symbolischen Aktion vor zwei Wochen, als 1000 Personen eine Kette für «Sion 2026» bildeten, verschwand sogar Zwei-Meter-Mann Darbellay in der Menschenmenge zwischen den Sittener Burghügeln.

«‹Sion 2026› wird nicht von oben diktiert, das ist keine Geschichte von ein paar einzelnen Köpfen. Wir wollen die Menschen mitziehen», sagt Vincent Riesen. Der Direktor der Walliser Industrie- und Handelskammer koordiniert die Ja-Kampagne bis im Juni. Ob Constantin bei einem allfälligen Ja wieder in die eigenen Reihen aufgenommen werde, könne er nicht sagen. Derzeit sei der FC-Sitten-Präsident weder im Abstimmungskomitee noch in jenem der Kandidatur. «Was er macht, macht er als Privatperson», so Riesen, der die Matterhorn-Aktion deplatziert fand. «Eine Flamme zu entzünden, bevor das Volk sein Einverständnis für ­eine Kandidatur gegeben hat? Das ist frech.» Auch der Sittener Stadtpräsident Philippe Varone wollte mit der Symbolik der Flamme spielen und am Bahnhof der potenziellen Gastgeberstadt eine aus Biogas zünden. Man hat ihm davon abgeraten.

Solche Vorbehalte kennt Constantin nicht, er macht einfach. Im Gespräch mit dem «Walliser Boten» kündigt er an, vor der Abstimmung im Juni 180 000 Bücher drucken zu lassen und an sämtliche Walliser Haushalte zu verschicken, auf Deutsch und Französisch. Und auf eigene Kosten. «120 000 für das Unterwallis, 60 000 im Oberwallis.» Mit stimmigen Bildern und kurzen Texten, die das Projekt erläutern. Sein Projekt. Er sei zugleich Vater und Mutter der Idee, die Spiele ins Wallis zu holen, sagte er einmal in einem Interview. Die Bescheidenheit überlässt er Riesen und dessen Mistreitern.

Constantin will Frauen-Hockey in Visp

Constantin meint, dass es besser sei, nicht mehr im Kandidaturkomitee vertreten zu sein. Zu viel Neid, zu viel Angst – «Politiker mögen es nicht, wenn man ihnen die Show stiehlt.» Und die Olympiagegner würden ihm ohnehin die ganze Zeit vorwerfen, nur wirtschaftliche Eigeninteressen zu verfolgen. Dabei gehe es ihm um die Zukunft des Kantons, dass dieser weltweit bekannt werde, dass die Destinationen und die Auftragsbücher der hiesigen Unternehmen voll sind. «Es geht um uns Walliser, damit wir hier leben können.»

Dann argumentiert Constantin gleich wie die «Offiziellen», nur mit anderen Worten. Er habe die Kandidatur so aufgegleist, dass man die bestehende Infrastruktur nutzen kann. Und das Internationale Olympische Komitee IOC werde die angekündigten Reformen, welche die Nachhaltigkeit von Spielen ins Zentrum rücken, durch­setzen müssen. Für die Skepsis und Zweifel in der Bevölkerung zeigt er ­deshalb wenig Verständnis. «Manchmal sind die Leute ein wenig verrückt, sie wollen dir nicht glauben, auch wenn etwas eindeutig und klar ist. So wie der heilige Apostel Thomas, dem Jesus zuerst den Finger in die Wunde legen musste.» Dann wird er wieder ganz weltlich: «Es braucht ein klares Ja des Walliser Stimmvolkes, sagen wir 60 Prozent, damit sie uns in Bundesbern die von Parmelin gesprochene Milliarde nicht mehr streitig machen.»

Der Rest, so CC, sei dann nur noch Form- respektive seine Sache. Er werde dafür sorgen, dass man die Curling-Wettkämpfe nicht in Visp, sondern in Champéry austrage. Im Gegenzug will er die Spiele der Hockey-Damen in der Lonza-Stadt. Dass sich «Sion 2026» nun mit Mailand, Turin oder Graz/Schladming der Konkurrenz stellen muss, ­davon lässt sich Constantin nicht beeindrucken. Im Gegenteil: Er habe von Beginn an das Projekt so vorbereitet, dass das IOC die Winterspiele 2026 ­zusammen mit jenen von 2030 vergeben werde. «2026 Sitten, 2030 Calgary. Du wirst sehen…» Hier Constantin, ­allein, aber überzeugt. Dort der Rest der Welt.

David Biner
02. April 2018, 20:45
Artikel teilen

Artikel

Kommentare

Noch kein Kommentar

Kommentar

schreiben

Loggen Sie sich ein, um Kommentare schreiben zu können.

zum Login
Corona Infoseite

Wallis: Abgesagt oder verschoben wegen Corona

Veranstaltungen

  • Hier ansehen.
  • Newsticker
  • Meistgelesen
  • 20:00 Ab morgen ein neues News-Portal für das Oberwallis
  • 19:45 Polizei löst Party auf
  • 17:00 Eine Region – ein News-Portal
  • 16:21 Update: Flächenbrand in Törbel verläuft glimpflich
  • 12:47 Staubtrockene erste Aprilhälfte
  • 09:58 Türkischer Präsident Erdogan lehnt Rücktritt seines Innenministers ab
  1. «Wir mussten aus Paraguay fliehen»
  2. Wahlbetrug: Wann löst die Staatsanwaltschaft das Rätsel auf?
  3. Fotografen zelten fürs perfekte Bild illegal am Stellisee
  4. 20 Prozent mehr Jet-Flüge am Militärflugplatz Emmen
  5. Die höchstgelegene Käserei
  6. «Der Beruf ist abwechslungsreicher, als viele denken»
Aktuelle Verkehrsmeldungen

Kolumne | Diese Woche zum Thema:

Offene Fragen zur Corona-Pandemie

Peter Bodenmann und Oskar Freysinger schreiben bis auf weiteres im Walliser Bote.

RZ | Der ehemalige SP-Schweiz-Präsident und Hotelier Peter Bodenmann und Alt-Staatsrat und [...]

Oberwalliser Baby-Galerie

Valentina Heidi StuderMelina BellwaldOskar Derk Ottenkamp
zur Baby-Galerie
Anmeldung - WB Newsletter

Walliser Bote - Newsletter

    Täglich informiert mit dem WB-Newsletter!
  • Jetzt registrieren unter: www.1815.ch/newsletter

1815.märt - Jetzt inserieren

Hier können Sie Ihre Inserate direkt, günstig und flexibel im Walliser Bote und der Rhone Zeitung aufgeben.

Logo WalliserBote
  • Walliser Bote - Stellen
  • Walliser Bote - Immobilien
  • Walliser Bote - 5 Liber
  • Walliser Bote - Fahrzeuge
  • Walliser Bote - Diverses
  • Walliser Bote - Erotik
Logo Rhonezeitung
  • Rhone Zeitung - Inserate
  • Rhone Zeitung - 5 Liber
  • Rhone Zeitung - Baby Galerie - Kostenlos

Publikationen 2020

  • WB Publikationen 2020 [PDF]
  • RZ Publikationen 2020 [PDF]
Tweets von @1815_online
Rotten Verlag News

Kultur Wallis

    mehr

    Kursangebote

    Fehler beim laden der XML Datei

    mehr

    Das Walliser Erlebnismagazin

    Bergluft

    • Bergluft Nr. 30 [PDF]
    • Bergluft Nr. 29 [PDF]
    • Bergluft Nr. 28 [PDF]
    • Bergluft Nr. 27 [PDF]
    • Bergluft Nr. 26 [PDF]
    • Bergluft Nr. 25 [PDF]
    • Bergluft Nr. 24 [PDF]
    • Bergluft Nr. 23 [PDF]
    Das Ein-Mann-Komitee | 1815.ch
    • Login
    • ePaper
    • Babies
    • Umfragen
    • Videos
    • Bilder
    • Wetter
    • Suchen
    • 1815 Märt
    • Abo
    • Werbung
    • Newsletter
    • Impressum
    • Kontakt
    • Leser-Reporter
    Mengis Gruppe: Pomona Media AG
    Rotten Verlags AG
    Alpmedia AG
    1815.ch
    Wetter-Cam
    : °/°
    • Login
    • Abo
    • Werbung
    • Newsletter
    • Kontakt
    • Leser-Reporter
    • Babies
    • Umfragen
    • Bilder
    • Videos
    • Sie sind hier:
    • Home
    • News
    • Newsletter
    • wb
    • Das Ein-Mann-Komitee

    Sitemap

    Impressum

    NEWS

    • Wallis
    • Schweiz
    • Ausland
    • Sport

    ABONNEMENTS

    • Aboservice
    • Alle Aboangebote
    • Probeabo
    • Ferienumleitung
    • Adresse ändern

    VERLAG & SERVICES

    • Regio Info
    • RSS
    • Werbung
    • Tarifdoku: WB, RZ, 1815

    MENGIS GRUPPE

    Pomonastrasse 12
    3930 Visp
    Tel. +41 (0)27 948 30 30
    Fax. +41 (0)27 948 30 31
    • Kontakt

     

    • Mengis Druck und Verlag AG
    • Rotten Verlags AG
    • Alpmedia AG

    © 2026 Mengis Druck und Verlag AG - Alle Rechte vorbehalten | Kontakt | Impressum | Datenschutzerklärung | AGB Abo | AGB Werbung | AGB 1815.club | AGB Rotten Verlags AG

    Website by update AG, Zürich