«Sion 2026» | Die obersten Olympiakämpfer machen (zu) viele Fehler

Im olympischen Formtief

Am falschen Ort. Stöckli, Stahl und Berset mit Fürst Albert in Korea.
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Am falschen Ort. Stöckli, Stahl und Berset mit Fürst Albert in Korea.
Foto: foto keystone

Quelle: WB /hbi 14.02.18 0
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Noch 118 Tage bleiben den Olympia-Befürwortern, um das Ruder für die erste Abstimmung herumzureissen. Will man dies schaffen, darf man künftig nicht mehr in ­jedes Fettnäpfchen treten.

Heute wird sich die Kommission für Volkswirtschaft und Energie (VE) in Sitten zum vom Staatsrat beantragten Olympia-Kredit von 100 Millionen Franken äussern. Der Staatsrat will vom Parlament für die Organisation der Olympischen und Paralympischen Winterspiele «Sion 2026» einen Kreditrahmen von 100 Millionen Franken. Das kantonale Engagement soll bekanntlich ausschliesslich der Finanzierung von dauerhaften Infrastrukturen im Wallis und der öffentlichen Sicherheit dienen.

Für die Garantie der öffentlichen Sicherheit während der Durchführung der Olympischen Spiele sieht das Konzept den Miteinbezug der Polizeikräfte auch derjenigen Kantone, in denen keine Wettkämpfe ausgetragen werden, vor. Die Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren (KKJPD) bestätigte bereits im letzten Herbst, dass die Sicherheit der Spiele gewährleistet werden könne. Die Sicherheitskosten sind derzeit mit 300 Millionen Franken budgetiert. Die Kantone müssten rund 60 Prozent der Kosten übernehmen, also rund 180 Millionen Franken. Falls die andern Kantone also nur helfen, aber nicht mitzahlen wollen, reichen die budgetierten 40 Millionen Franken im Wallis hinten und vorne nicht. Solange diese Frage nicht geklärt ist, werden die Befürworter in jeder Diskussion in die Enge gedrängt.

Man muss Gegnern auf ihre Kritik und ihre Fragen endlich konkrete Antworten geben. Man habe die finanziellen Risiken insgesamt unter Kontrolle, reicht nicht. Wer übernimmt die Verluste, die auch nach der Defizitgarantie des Bundes bleiben?

Die Kehrtwende Darbellays

Die Hürde im Parlament wird der Kredit im März nehmen. Begeisterung für Olympia wird aber auch bei der Politik wenig spürbar sein. Wenig überraschend. In der vergangenen Legislatur blitzte die FDP mit dem Thema Olympia jeweils klar ab. Bis CC eingriff.

Die Walliser Regierung bemüht sich seither zwar redlich, den olympischen Traum wahr zu machen. Sie schiesst aber zu oft am Ziel vorbei. Einzig Esther Waeber-Kalber­matten erfüllt derzeit ihre olympischen Versprechen. Sie schweigt. Dafür steht Chris­tophe Darbellay, der CVP-Staatsrat, nicht gerne in der zweiten Reihe hinter FDP-Mann Favre. Und er redet gerne und viel. Am Westschweizer Radio brachte Darbellay jetzt wieder Champéry als Austragungsort für das Curling ins Spiel. Bereits im Dezember forderten Politiker aus dem Chablais im Parlament, dass der Unterwalliser Tourismusort auch etwas vom Olympiakuchen bekommt. Bekanntlich wurde ja Visp den Unterwallisern, die bereits Erfahrung mit internationalen Curlingwettkämpfen haben, als möglicher Austragungsort vorgezogen. Nun kündigte Darbellay eine Kehrtwende an. Es sei nicht ideal, wenn im Chablais keine Wettkämpfe stattfinden würden, sagte der Volkswirtschaftsminister.

Darbellay ist natürlich ein erfahrener Abstimmungskämpfer. Er weiss, wenn unterhalb Sitten gar keine Wettkämpfe stattfinden sollten, dann wird es auch schwierig sein, dort das Olympiafeuer zu entfachen – und am 10. Juni 2018 ein Ja zu erreichen. Mit dem Medienzentrum allein in Martinach wird man sich kaum begeistern lassen. Und Darbellay wird auch festgestellt haben, dass die Begeisterung in Visp sich im Gegensatz zum Val d’Illiez in Grenzen hält. Also sollen sich Visp und Champéry die Curlingwettkämpfe aufteilen. Der Mixed-Wettbewerb erlebte ja in diesen Tagen in Südkorea gerade die olympische Premiere. Disziplinen gibt es ja genügend. Vielleicht gibt es bis 2026 im Curling auch einen Einzelwettkampf. Ob es im Zuge der Finanzdiskussionen schlau wäre, gleich auf zwei Curling-Wettkampforte zu setzen, darf zumindest bezweifelt werden.

Vorerst an den 10. Juni denken

Olympia-Euphorie lösen auch die aktuell laufenden Wettkämpfe im fernen Asien mit halbleeren Tribünen, Sturmwinden und Langlaufloipen mit lauter brauner Flecken nicht aus. Dort waren mit Jürg Stahl, Hans Stöckli und Frédéric Favre in den letzten Tagen gleich die drei wichtigsten Frontkämpfer der Olympiakandidatur 2026 im Einsatz. Mit Unterstützung sogar von Bundespräsident Berset. Der SP-Magistrat findet übrigens die Olympia-Idee im Gegensatz zu seinen Genossen im Oberwallis «verlockend». Alle wollten sie in der olympischen Familie gute Stimmung für «Sion 2026» machen. Das ist zwar löblich. Es mag auch durchaus interessant gewesen sein, etwa den Fürsten von Monaco zu treffen. Vielleicht sogar wichtig im Hinblick auf die finale Entscheidung beim IOC-Kongress im Oktober 2019 in Mailad.

Aber momentan ist es der falsche Wettkampfort für Favre und Co. Der Final ist weit weg. Denn fernab der Heimat erreichte das Trio die Meldung, dass eine grosse Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer Olympia nicht will. Das mag nicht überraschen, gibt aber auch wenig Zuversicht für die vielen Hürden, die noch warten: im nationalen Parlament und dann vielleicht sogar in einer eidgenössischen Volksabstimmung. Mitte März kommt eine Motion, die ein Referendum für die Bundesmilliarde will, im Parlament zur Abstimmung.

Treten in fast jedes Fettnäpfchen

Und bereits in knapp vier Monaten gibt es eine Volksabstimmung im Wallis. Die Gegner packen alles geschickt aus, selbst die heftigen Schneefälle im Januar. Und die Befürworter machen es den Widersachern einfach. Sie treten in fast jedes mögliche Fettnäpfchen. Beispiele sind etwa die Ernennung eines Mister-Olympia in Teilzeit, der verpatzte Auftritt an den nordischen Junioren-Wettkämpfen im Goms, das Verteilen von Olympia-Schals an den Schulen im Hérens oder das symbolische Entzünden einer Olympia-Flamme auf dem Matterhorn in einem alten Blechfass. Zumindest den Namen der Ölfirma hätte man mit dem Olympia-Logo übermalen können. Es fehlt auch an Herzblut.

Es ist nicht klug, dass Christian Constantin wieder an vorderster Front mitspielt. Man klammert sich aber an die Geschichte. 1997 war der FC Sitten ein hervorragender Olympia-Botschafter. Da wurde man gerade Meister und Cupsieger. Davon ist man jetzt bekanntlich Lichtjahre entfernt. Die Tabellenlage des FC Sitten versetzt niemand in einen Freudentaumel.

Hinzu kommt, dass das Image der Olympischen Spiele heute noch ramponierter ist als vor 20 Jahren. Korruption und Doping sind allgegenwärtig. Sotschi vor vier Jahren und jetzt wieder Pyeongchang sind die schlechtestmöglichen Beispiele für nachhaltige Spiele. Und sie prägen sich in den Köpfen der Bevölkerung ein. Das ist Gratismunition für die Gegner. Über die Agenda 2020 des IOC, die vernünftige und günstigere Spiele und weniger Gigantismus will, spricht kaum jemand. Der olympische Traum in den Alpen droht so immer mehr zu einem Albtraum zu werden. Schade!

Herold Bieler
14. Februar 2018, 18:56
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