Premiere | «Umbra – The Musical» von Raban Brunner überzeugte
Kein Schatten über «Umbra»
Gelungen. «Umbra – The Musical» kam beim Premierenpublikum bestens an.
Foto: Ingemar Imboden
Broadway New York, London, Berlin, Visp. Am Freitagabend reihte sich das Lonzastädtchen in die Reihe der grossen Musical-Hochburgen ein. «Umbra – The Musical» von Raban Brunner hat das geschafft.
Die Premiere von «Umbra – The Musical» war ein rauschender Erfolg. Da roch nichts nach Schüleraufführung, Bohnerwachs und Provinz. Das Musical kommt in einer Professionalität daher, die verblüfft. Musical-Fans überzeugte das Dargebotene ebenso wie Musical-Skeptiker. Was die Verantwortlichen da zusammen mit den Akteuren an Können und Detailverliebtheit auf die Bühne zaubern, ist einfach gewaltig.
Der 21-jährige Raban Brunner hatte sich Grosses vorgenommen. Seit siebeneinhalb Jahren investierte er jede freie Minute in «Umbra – The Musical». Er konnte sich dabei auf den 22-jährigen Emmanuel Amacker stützen, der ein ausgeklügeltes Projektmanagement konzipierte. Das Budget betrug immerhin stolze 570 000 Franken.
Was in einem Eischler Kinderzimmer begann, war am Freitag auf der La-Poste-Bühne zum ersten Mal zu sehen. Das Spektakel kam bestens an. Lautstarker Szenenapplaus und ein Publikum, das gleich nach dem letzten Ton von den Sesseln aufsprang und lang anhaltende Standing Ovations gab, sind der beste Beweis dafür. Besser hätte der Start zu den sieben bereits seit Monaten ausverkauften Aufführungen nicht laufen können.
Musical-Stoff mit Happy End
Die Geschichte des Musicals handelt vom Walliser Dorf Umbra. Akademiker und Handwerker geraten dort immer wieder aneinander. Das Einzige, was die beiden Dorfgruppen verbindet, ist der Glaube an die Unabhängigkeit ihrer Heimat. Fusionieren mit dem unbeliebten Nachbardorf Mors will man in Umbra partout nicht. Doch Markus, der Gemeindepräsident von Umbra, schmiedet heimlich Pläne, um die Fusion durchzusetzen.
Der junge Gemeindeschreiber Johann will Umbra retten und den Plan von Markus verhindern. Die Handlung ist nicht hochkomplex. Sie ist so, wie sich das für Musicals gehört. Doch aus der vertrackten Geschichte erwächst beste Unterhaltung und am Schluss haben sich alle lieb. Bis es jedoch zum unvermeidlichen Happy End kommt, kann gestaunt werden.
Spürbar ist das Miteinander auf der Bühne. Da wird niemand an die Wand gespielt und keiner beansprucht das Scheinwerferlicht in übertriebenem Masse für sich alleine. Die Hauptdarsteller Philipp Jeitziner, Milena Erpen, David Gysel, Sarah Arnold und Oli Schmid überzeugten nicht nur durch ihre Stimmgewalt. Sie erreichten mit ihrer ausgeprägten Bühnenpräsenz die Zuschauenden bis in die hintersten Reihen.
Die Gesangs- und Schauspielkunst von Carine Andenmatten, Ernst Minnig, Salome Ruppen, Yannick Zenhäusern, Bettina Aschilier und Jean-Claude Knubel standen dem in nichts nach. Unter der Regie von Stefanie Ammann entwickelte sich die scheinbar schlicht gestrickte Dorfgeschichte zu einem spannenden Drama.
Im Dienst der Handlung
Beeindruckend waren auch die Musical-Inszenierung und die Choreografie von Melanie Ammann. Wenn nicht zwischen den englischen Songs Walliserdeutsch gesprochen worden wäre, hätte man sich an einer Broadway-Produktion mit einem professionellen Tanzensemble gewähnt.
Einen wichtigen Beitrag zum Gelingen des Musicals stellte sodann das Bühnenbild dar. Architekt Norbert Russi setzte auf die Reduktion der Mittel und konzentrierte sich auf das Wesentliche. Er schuf eine Bühnenarchitektur, die mit kleinen Änderungen der Perspektiven verschiedene Orte und Räume entstehen liess. Das stilisierte Haus und die bühnenartige Treppe schufen perfekte Schauplätze, um das Dorfgeschehen abzubilden. Die Bühnenarchitektur stellte sich in den Dienst der Handlung und nicht umgekehrt.
Eingängige Musik
An der Premiere reihten sich grosse Stimmen, Tanznummern, das Bühnenbild, die stilechten Kostüme, die ausgefeilte Technik und die künstlerische Innovation zu einem Gesamtkunstwerk. Das Wichtigste an einem Musical ist und bleibt aber die Musik.
Raban Brunner ist mit «Umbra – The Musical» ein grosser Wurf gelungen. Eingängige Musik in feinen Arrangements begeisterte das Publikum. Dabei konnte er sich auf Music Supervisor Sarah Brunner und ein Orchester verlassen, dem die Crème de la Crème der Oberwalliser Musikszene angehörte. Selbst wenn man in keiner Art und Weise an der Musical-Produktion beteiligt war, erlebte man an diesem Abend einen Anflug von Stolz oder zumindest Freude darüber, dass es im Oberwallis so viele gute Künstlerinnen und Künstler gibt.
Und ganz am Schluss, wenn schon alle Darstellenden sich auf der Bühne verneigt hatten, kamen Raban Brunner und Emanuel Amacker auf die Bühne. Ein wenig standen die beiden jungen Männer wie Zauberlehrlinge da: Sie staunten wohl selber, was sie mit ihrer Musical-Idee ausgelöst hatten. Die Freude und die Ergriffenheit über das Resultat waren in ihren Gesichtern deutlich zu lesen.
Im Januar 2020 wird Raban Brunner sein Studium in Komposition für Film, Musical und Multimedia am Berklee College of Music in Boston beginnen, der Musikfakultät der Harvard Universität. So schnell wird man seine Werke also nicht mehr auf einheimischen Bühnen sehen. Von diesem Riesentalent wird in Zukunft sicher noch zu hören sein.
Nathalie Benelli








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