Der Tageskommentar | Mehr Sicherheit im Wahlsystem?
Weiter als vor einem Jahr
David Biner, stv. Chefredaktor.
Foto: Walliser Bote
Die lauten Töne der vergangenen Wahlen hallen immer noch nach. Auf politische Schnellschüsse bei allfälligen Änderungen des Wahlsystems sollte man dennoch verzichten.
Die laufenden Verfahren zu der diffamierenden Plakatkampagne gegen CVP-Mann Christophe Darbellay sowie zu den Wahlfälschungen erinnern uns, ein gutes Jahr später, immer noch an die vergangenen Wahlen. Wie der bittere Nachgeschmack eines pfiffigen, aber schlechten Weins.
Mit seinen 13 Kandidaten sorgte das Polit-Delirium 2017 für knackige Schlagzeilen. Aber auch für Kopfschmerzen in den Monaten danach. Dabei waren die kantonalen Wahlen nur eine Fortsetzung der nationalen 2015. Schon damals zeichneten sich vermehrt Polarisierungstendenzen ab. Ganz im Sinn der Stimmung weltweit, politische Botschaften kurz und gegensätzlich zu wählen, anstatt vertiefte Sachdiskussionen zu führen.
Jetzt in ein «Früher war alles anständiger»-Gejammer zu verfallen, wäre aber falsch. Der Ton in den politischen Auseinandersetzungen des vergangenen Jahrhunderts war hierzulande nicht weniger ruppig. Wichtig ist die Fähigkeit der Parteien, sich danach wieder vorübergehend zu arrangieren. Und, dass man aus Fehlern lernt.
Gespannt wartet man im Wahlfälschungsfall auf die Ermittlungsergebnisse, um die richtigen Lehren zu ziehen. Bereits heute lässt sich aber erahnen, dass allzu grosse Änderungen des Wahlsystems zu mehr Bürokratie denn zu mehr Sicherheit führen dürften. Wenn man künftig die vorhandenen Sicherheitsvorkehrungen wieder richtig und gewissenhaft anwendete, wäre man schon weiter als noch vor einem Jahr.
David Biner








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